«Wir Biker müssen uns organisieren»
Dave Spielmann: Die IMBA Schweiz setzt sich für die Interessen der Mountainbiker in der Schweiz ein. Wir wollen sicherstellen, dass wir auf nationaler Ebene der Ansprechpartner sind und hier als Sprachrohr für die vielen Organisationen sowie die Mountainbiker-Basis agieren.
Wie ist es denn generell um das Mountainbiken in der Schweiz, vielleicht auch im Vergleich zu unseren Nachbarländern, bestellt?
Mountainbiken ist im touristischen Bereich in fast allen Regionen der Schweiz längst angekommen. Im Naherholungsbereich wird Biken jedes Jahr beliebter. Eine aktuelle Studie zeigt, dass es bei uns mehr Mountainbiker als registrierte Fussballer gibt. Allerdings sind die Bedingungen, welche die Biker in der Schweiz vorfinden, regional sehr unterschiedlich. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns.
Mit welchen unterschiedlichen Interessenverbänden hast du in deiner Arbeit vor allem zu tun?
Wir haben mit dem ganzen Spektrum von Interessen zu tun – vom Umweltschutz über die Wanderer bis hin zu den Jägern. Zudem sind wir stark in der Zusammenarbeit mit den Behörden involviert, um hier die Interessen der Mountainbiker zu positionieren und zu vertreten.
«Als einzelner Biker ist man nicht ansprechbar»
Wir haben in der Schweiz das Glück, dass seit Generationen unsere Biker in der Weltelite vertreten sind. Und natürlich hilft es, dass wir Personen wie Thomas Frischknecht, Jolanda Neff, Nino Schurter, die Gehrig Twins und viele andere tolle Sportler als Vertreter dieses Sports haben. Meiner Meinung nach sorgt das dafür, dass sich viele Leute für den Sport begeistern und Mountainbiken immer wieder eine grosse Aufmerksamkeit generiert. Doch ob das überall die Akzeptanz fördert, bin ich mir nicht sicher. Es hilft aber sicher.
Mountainbiken ist vor allem eine Individualsportart. Man trifft sich mit Kollegen und geht auf Tour. Warum ist es denn wichtig, dass sich die Biker organisieren und verknüpfen?
Es ist sogar immens wichtig, denn ohne eine Organisation können die Bedürfnisse und Interessen nicht transportiert werden. Und ohne die Organisation ist man als einzelner Biker auch nicht ansprechbar für Behörden, andere Interessengruppen, die Industrie und viele mehr. Die bestehende Infrastruktur muss weiterentwickelt werden, um den Bedürfnissen aller Nutzer gerecht zu werden. Wenn wir Biker uns nicht organisieren, dann sorgt dies für nicht ausgeglichene Lösungen und viel Frust. Ein Pendant zu den Bikern sind die Schweizer Wanderwege. Diese Organisation gibt es seit bald 90 Jahren. Wir sind «die Neuen» und deshalb ist es wichtig, dass wir uns besser organisieren.
Zur Person: Dave Spielmann
IMBA Schweiz
#getinvolved: Ob Privatperson oder Verein – jeder kann sich engagieren
#getinvolved ist der Anfang. Aktuell kann man die IMBA als Privatperson mit einem Spendenbeitrag unterstützen, ab dem Frühling 2021 kann man auch als Gönner mit dabei sein. Die Vereine und Organisationen sowie die Unternehmen können sich als Kollektiv-Mitglieder in der IMBA einbringen. Alles ist noch in der Aufbauphase und wird laufend optimiert. Spenden können alle und immer.
Wie unterstützt die IMBA regional oder lokal vor Ort? Vermutlich sind hier die Hauptthemen meist die lokale und vor allem die legale Infrastruktur?
Es ist unglaublich, mit wie vielen lokalen Projekten ich in der kurzen Zeit schon zu tun hatte. Wir versuchen, die lokalen Projekte zu beraten, die Vernetzung untereinander zu verbessern, die Interessen an und mit jeweiligen Behörden zu adressieren und vieles mehr. So konnten wir aktuell gerade helfen, den Vorstand der neuen IG Mountainbike Luzern zu komplementieren. Jedoch können wir uns aus Kapazitätsgründen nicht auf jedes einzelne Projekt konzentrieren. Denn die Arbeit auf nationaler Ebene und der Aufbau der ganzen Struktur nehmen derzeit noch sehr viel Zeit und Energie in Anspruch.
Gibt es derzeit grössere Projekte, bei denen sich die IMBA engagiert?
Das grösste Projekt ist sicher das «Swiss Mountainbike Project», welches in vier Schritten die Themen Umwelt, Trail-Bau, Infoplattform und Tourismus bearbeitet. Dieses Projekt wird vom SECO unterstützt und läuft rund drei Jahre. Die IMBA ist verantwortlich für dieses Projekt, die Ergebnisse sollen dann allen Stakeholdern im Mountainbike-Segment und vor allem den Bikerinnen und Bikern zugutekommen. Ein weiteres grosses Projekt ist natürlich die nationale Vernetzung und die Organisation. Zudem sind wir dabei, uns international zu vernetzen, über den Tellerrand hinauszuschauen und zu lernen und dadurch vorwärts zu kommen. Auf nationaler Ebene läuft der ständige Austausch unter anderem mit SchweizMobil, Bundesamt für Strassen (Astra) oder auch den anderen Veloverbänden. Es passiert sehr viel, doch die Mühlen mahlen auch hier nicht schneller als anderswo.
Corona hat 2020 dem Velo generell einen enormen Boom beschert, mehr Leute auf dem Bike sorgen aber auch für mehr Nutzungskonflikte. Welche Herausforderungen siehst du hier auf uns zukommen?
Mehr Nutzer bedeutet auch mehr Konflikte. Hier sehen wir jetzt schon sehr grosse Herausforderungen. Klar ist es immer einfacher, ein Problem mit einem Verbot zu beseitigen, als eine konstruktive Lösung zu finden. Denn die konstruktive Lösung ist anstrengender und aufwendiger zu erarbeiten. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns als Biker organisieren, um lokal, regional und national an diesen Lösungen mitzuarbeiten. Unsere Arbeit ist auf allen Ebenen enorm wichtig, um Bike-Themen zu platzieren und so vorwärts zu kommen. Genauso wichtig ist es jedoch auch, dass wir Biker unserer Verantwortung bewusst sind, wenn wir draussen unterwegs sind. Damit meine ich, dass wir durch unser Verhalten keine zusätzlichen Probleme schaffen. Wir sollten hier ein Teil der Lösung sein – und nicht des Problems. Das kann jeder in seinem kleinen Umfeld machen. Diesem Thema wird sich die IMBA in Zukunft auch vermehrt annehmen.
Weitere Artikel und Tests
-
Regionen10.07.2026
Vom Pass zur Palme
In vier Tagen diagonal durch das Tessin, von seiner westlichsten Ecke am Nufenenpass bis in den Südosten nach Lugano – das alles geht an einem langen Wochenende. Übernachtet wird in drei [..]
-
RegionenAdvertorial07.07.2026
Tirol: Wo der Weg zum gemeinsamen Ziel wird
Biken. Graveln. Wandern. Tirols Trails sind bereit – für dich, für euch, für das nächste Abenteuer. Entdecke jeden Tag neue Seiten einer Berglandschaft, die dich nicht mehr loslässt. Erlebe, wie [..]
-
Wissen26.06.2026
Rucksack, Hip-Bag oder Bikepacking-Taschen? Guide für MTB & Gravel
Welches Gepäcksystem passt zu welcher Tour? Wir vergleichen Rucksack, Hüfttasche und Bikepacking-Setup nach Einsatzzweck, Packvolumen und Gewicht – differenziert für Mountainbike und Gravel.Ob [..]
-
Rucksäcke & TaschenProduktvorstellung
USWE MTB Hydro 9L
Der USWE MTB Hydro 9L kombiniert einen stabilen Sitz mit durchdachtem Stauraum. Mit integriertem Trinksystem und kompakter Bauweise eignet er sich ideal für lange Ausfahrten, bei denen Komfort und [..]