Darf’s ein wenig Federweg sein? Die Bikes im Test
Deshalb versuchen wir in den BORN MTB-Tests, jedes Bike – egal ob Fully oder Hardtail – immer möglichst individuell zu beschreiben und zu charakterisieren. Einen Vergleichstest streben wir schon wegen der Preisspanne der getesteten Modelle nicht an. Das teuerste Bike in diesem Test kostet 9999 CHF (Scott Ransom RC), das günstigste 5999 CHF (Orbea Occam SL M10). Alles keine Billig-Bikes – doch ein Preisunterschied von 4000 CHF macht sich natürlich nicht nur in der Komponentenliste auf dem Papier bemerkbar, sondern schlägt sich auch in den Fahreigenschaften und meist auch beim Gewicht nieder.
Schon seit Jahren gibt es am Bike-Markt zwei Trends: Einerseits immer mehr Spezialisierung, andererseits den Trend zu mehr Vielseitigkeit. Gleichzeitig ist die Bandbreite an Fahreigenschaften und Einsatzmöglichkeiten innerhalb einer Bike-Kategorie enorm gross. Bei der Auswahl an Testbikes für den aktuellen BORN MTB-Test 2024 in Finale Ligure zeigte sich klar: die Hersteller legen 2024 ihren Schwerpunkt auf Vielseitigkeit.
Echte Alleskönner: Welche Eigenschaften bringen Trail-Bikes mit?
Vor- und Nachteile moderner Trail-Bikes
- extrem gute Alleskönner
- sehr gut für lange Touren oder Alpenüberquerungen
- niedriges Gesamtgewicht
- guter Vortrieb
- fährt weniger gut bergab als ein Enduro
- kostet bergauf mehr Kraft als ein Race-Bike
- ist nicht für grosse Sprünge ausgelegt
Eine Macht im Downhill: So sehen moderne Enduro-Bikes aus
Vor- und Nachteile moderner Enduro-Bikes:
- sehr gute Downhill-Qualitäten
- ideal für Shuttle-Touren oder Mix-Touren mit Bergbahnunterstützung
- hohe Sicherheitsreserven
- gut für sehr raues Gelände
- für grosse Sprünge und Bikeparks geeignet
Nachteile:
- bergauf meist kraftraubender als Trail-Bikes
- meist schwerer als Trail-Bikes
- bisweilen weniger agil und wendig als Trail-Bikes
Geo und Geld: So viel kostet die Vielseitigkeit im MTB-Test
Ein weiterer Punkt, die Bikes vielseitiger zu gestalten, ist das Gewicht. Wenn es darum geht, ein Trail-Bike auf die Räder zu stellen, das auch bergab die Augen seiner Piloten glänzen lässt, dürfen es schon mal griffigere Enduro-Reifen sein, stabilere Laufräder und etwas mehr Federweg – auch wenn solche Massnahmen das Gesamtgewicht etwas nach oben treiben. Ein Paradebeispiel dafür ist das Yeti SB 140. Umgekehrt zeigt Koba mit dem Trailtool V2 160, dass Bikes mit Enduro-tauglichem Fahrwerk Bikes in der Bergwertung (bergauf!) durchaus mit Trail-Bikes oder sogar Marathon-Bikes konkurrieren können. Solche Spielereien sind allerdings nicht günstig. Wie schon in der Vergangenheit, hat Leichtbau auch 2024 einen hohen Preis. Insgesamt allerdings scheint der Preisanstieg der letzten Jahre vorerst gedämpft. Teils nicht geleerte Lager zum Saisonende haben die Hersteller wohl zu einer moderateren Preispolitik bewogen.
29-Zoll-Laufräder und integrierte Designs
Schwer angesagt sind integrierte Designs: Schalt- und Bremszüge, die aufgeräumt im Rahmen verlaufen, sind bei High-End-Bikes Standard. Auch wenn so mancher Schrauber darüber fluchen mag – optisch und reinigungstechnisch ist das eine saubere Lösung. Auch ein Staufach im Unterrohr für Werkzeug, Riegel oder eine dünne Windjacke im Unterrohr ist fast schon Pflicht. Die Mini-Kofferraum-Varianten werden immer geräumiger und funktioneller. Auch im Vorbau oder in Lagern und Achsen integrierte Mini-Tools sind ein gängiges Gadget.
Die Highlights im Test um die besten Fullys 2024
Dass man als versierter Fahrer für spielerische Rides auf technisch anspruchsvollen Trails nicht unbedingt ein Enduro-Bike mit viel Federwegen benötigt, zeigt Scor mit dem 2023 GX (hinten 120, vorne 140 Millimeter Federweg). Die verspielte Trail-Maschine überzeugt auch bergab. In die gleiche Kerbe schlägt Orbea mit dem Occam M10 SL (140 mm Federweg). Es bietet gerade für lange Touren einen beeindruckend breiten Spagat aus starkem Vortrieb bergauf und sehr soliden Abfahrtsqualitäten. Als Universal-Enduro mit attraktivem Gewicht (13,6 kg) überzeugt das Transalpes C2 Enduro – und ist damit ebenfalls ein Kandidat für ausgedehnte alpine Touren. Yeti schliesslich dreht mit dem SB 140 ordentlich auf, wenn’s auf den Trails ruppig und steil bergab geht. Dabei dürfen Fahrer oder Fahrerin gerne rätseln, ob sie nun auf einem Trail- oder auf einem Enduro-Bike sitzen. Typisch eben, für den Bike-Jahrgang 2024!
Falls du auf der Suche nach einem E-MTB bist, können wir dir unseren «E-MTB Test 2024: Die elektronischen Überflieger im Praxistest» ans Herz legen. Jede Menge E-Power und viel Trail-Spass.
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