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Traumkulisse Flumserberg

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Datum: 08.09.2026

René Wildhabers Idee wird Realität

Keine Frage, der Blick vom Prodkamm ist absolut Instagram-tauglich: In rötlichem Gestein zieht der Trail seine Kurven über eine saftig grüne Wiese, auf der gegenüberliegenden Talseite schneiden die scharfen Grate der Churfirsten in den Himmel, im Tal schimmert der türkisblaue Walensee. Fast paradiesische Zustände sind das. Herzlich willkommen in der Heimat von René Wildhaber. Denn der BikerBerg, so heisst das Bike-Angebot am Flumserberg offiziell, gehen unter anderem auf seine Initiative zurück. Vor zehn Jahren wurde sein Traum Realität. Doch die Idee trieb den mittlerweile fast 50-jährigen Mégavalanche-Seriensieger schon viel länger um, verrät er im Gespräch vor der sonderBar an der Talstation in Tannenheim. Denn als Bikeprofi bereiste der Bauernsohn die ganze Welt, doch daheim am Flumserberg gab es keinen einzigen offiziellen Trail. «1999 hatte ich erstmals die Idee für eine Downhillstrecke und entwickelte ein Konzept», erinnert sich Wildhaber.

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© Urban Engel

Abheben mit Churfirsten-Panorama: Nicht nur Local René Wildhaber hat auf den Strecken am BikerBerg Spass. 

Anfängliche Widerstände

Doch bei den Bergbahnen fanden die Pläne keinen Zuspruch. «Ich hab nicht lockergelassen», meint er lachend. Immer wieder reichte er Vorschläge und Konzepte ein. Bis er den Verwaltungsrat der Bergbahnen 2013 schliesslich doch für seine Bike-Ideen begeistern konnte. «Der Verwaltungsrat hatte kurz zuvor entschieden, die Sommeraktivitäten für Familien am Berg zu stärken – und da passte Biken nebst Klettern und Rodeln doch gut dazu», erläutert es Katja Wildhaber, Mitglied der Geschäftsleitung der Bergbahnen Flumserberg und Renés Frau.

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© Urban Engel

Beim Profi lernen: René Wildhaber (rechts) organisiert Nachwuchs- camps, um die Jugend zu fördern. 

Klar war damals auch, dass der BikerBerg sich nicht zu einem weiteren Hotspot der Downhill- und Freeride-Szene entwickeln sollte, sondern dass die Trails ganz bewusst einsteigerfreundlich und für die ganze Familie geshapt wurde. «Die Skepsis am Flumserberg war gross, und es war gar nicht so einfach, die Landeigentümer, die Jagd und den Naturschutz mitzunehmen», erinnert sich Katja Wildhaber. Das kann auch Marco Brunner, Ressortleiter Beschneiung und Bike der Bergbahnen Flumserberg, bestätigen: «Unterschätzt werden alle Arbeiten, die nicht mit Schaufel und Rechen zu tun haben, wie die Absprache mit den Bodeneigentümern.» Schlussendlich konnten die Bergbahnen Flumserberg, die BikerCrew, Katja und René am 3. September 2016 mit vielen Helfern die erste Strecke BlueSalamander eröffnen. Ein emotionaler Moment. «Das war ein extremes Jahr, bis wir alle Bewilligungen hatten und endlich bauen konnten. In den ersten Kurven hatte ich Tränen in den Augen», erinnert sich Katja heute mit einem Lächeln.

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© Urban Engel

Build to Ride: An Events wie dem RedBull DIY oder den iXS Digger Days wird das Trailbau-Wissen weitergegeben. 

Zielpublikum Familien

Im Jahr darauf wurde der BikerBerg um zwei Trails, den RedFox von der Bergstation Prodkamm und den RedRock von der Abzweigung Twärchamm bis nach Tannenboden, erweitert. Beide Trails kombinieren Anlieger, mittelgrosse Sprünge und das ein oder andere Holzelement. Gleichzeitig wurde auch der BikerTrail BlueBunny eröffnet, welcher den Tannenboden mit dem BikerTrail BlueSalamander verbindet. Wer schneller oder technisch besser unterwegs ist, findet immer spassige Absprünge oder versteckte Skinnies. Über die Jahre wurde die Streckenführung immer wieder optimiert. «Wir sehen uns als Einsteigergebiet – authentisch, aber mit wenig Szene.» Das liege auch am Gelände, ergänzt René: «Das hatte einfach das Potenzial für einfache Strecken – und die Stimmung war zu Beginn nicht unbedingt pro Bike.» Katja und René haben in den zehn Jahren beobachtet, wie das Mountainbike im Dorf auch das Mindset verändert hat. Auch weil nicht nur eine Szene, sondern auch die Alpen und die Bergrestaurants, die Shops und der Camping profitieren. So wie Michelle Wyrsch, Barmaid der sonderBar an der Talstation in Tannenheim. «Ich liebe die Biker», meint Michelle mit einem breiten Grinsen. Selbst sei sie als Anwohnerin zu Beginn skeptisch gewesen, «die Trails sind für alle ein Gewinn.»

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© Urban Engel

RedRock: Der Trail mit dem namensgebenden Gestein lädt zum Spielen ein. 

Doch wohin geht die Reise in den nächsten zehn Jahren? «Ich sehe schon noch Potenzial», meint René Wildhaber mit einem Grinsen. Er spricht von «Modifikationen und der ein oder anderen neuen Idee». Zu viel mag er aber nicht verraten. Seit 1999 hat er gelernt, dass es ein langer Weg sein kann, um neue Strecken bewilligt zu bekommen. Daher sind er und einige Mitstreiter einen anderen Weg gegangen und haben den Verein Wägmacher Sarganserland gegründet. Die Wägmacher engagieren sich im südlichsten Teil des Kanton St. Gallen zwischen Bad Ragaz und dem Walensee für den Wegeunterhalt, erklärt René. Im Austausch mit den Gemeinden und Grundbesitzern kümmert sich der Verein um die Pflege und den guten Zustand der Wege, die sagenhafte, aber eben auch naturbelassene Trails sind. René Wildhaber: «Ich bin mit dem Bike weit gereist. Aber das ist eine gute Möglichkeit, hier etwas zurückzugeben.»

Local René Wildhaber über den Flumserberg

René, seit zehn Jahren gibt es den BikerBerg Flumserberg. Was haben die Trails in deiner Heimat bewirkt?

Durch das BikerBerg-Angebot konnten die Bergbahnen das Sommerangebot am Flumserberg weiter ausbauen. Der Flumserberg ist so ein ganzjähriges Ausflugsziel für Familien. Die BikerTrails passen mit den einfachen und mittelschweren Strecken optimal zu dieser Zielgruppe. Von den zusätzlichen Gästen profitieren die Bergbahnen, aber auch die Berggastronomie, der BikerShop und die Schule sowie der BikerCamping. Einige davon sind dank des Bike-Angebots erst entstanden. Inzwischen sind viele Einheimische oder deren Kinder auf den Trails unterwegs, dadurch hat das Mountainbiken deutlich an Akzeptanz gewonnen. 

Du unterstützt nach wie vor beim Shapen. Was ist deine Lieblingssektion – und warum?

Jedes Teilstück, das wir optimieren, wird zu meiner aktuellen Lieblingssektion. Ganz allgemein gefallen mir die vielen Höhenmeter, die man auf dem Bike am Flumserberg bis ins Tal zurücklegen kann. Mit dem Start auf Prodkamm auf 1939 Metern geht’s vorerst über die Strecken RedFox und RedRock nach Tannenboden. Dort beginnt die schwierige SchweizMobil-Route bis zum Walensee auf 425 Metern. Da sammelt man mehr als 1500 Tiefenmeter. Aber Vorsicht: Die Abfahrt bis an den See ist wirklich technisch und anspruchsvoll. 

Angenommen, du hättest freie Hand. Was würdest du gerne bauen?

Im Sommer gibt es in einem Berggebiet viele Anspruchsgruppen, von der Alpwirtschaft über die Jagd bis zum Naturschutz. Da fällt es mir fast schwer, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Aber eine Jumpline mit schönen Sprüngen wäre super. 

Resortleiter Marco Brunner über Trailbau und eine kuriose Eröffnungsfahrt

Marco, seit zehn gibt es den BikerBerg-Betrieb: Was war zu Beginn die grösste Herausforderung und was ist es heute?

Früher war die grösste Herausforderung, die Trails in guter Qualität zu halten. Und das in der Zeit, die man in der Sommersaison zu Verfügung hat. Heute ist die Herausforderung sicher auch das Wetter und das Unterhaltsfenster.  Und das alles mit dem Ziel, die Trails so spannend und so sicher wie möglich zu halten.

Welche Arbeiten werden dabei von vielen Bikern unterschätzt?

Ich glaube, unterschätzt werden alle Arbeiten, die nicht mit Schaufel und Rechen zu tun haben. Zeitintensiv sind die Absprachen mit den Bodeneigentümern, der Auf- und Abbau von Zäunen, Schildern, den Waschstationen und solche Dinge.

Was war für dich eines der schönsten, lustigsten oder kuriosesten Erlebnisse in den vergangenen zehn Jahren?

Kurios war die Eröffnungsfahrt des Pfarrers. Schön ist für uns, wenn wir eine Saison ohne viele oder schwere Verletzungen abschliessen können. Uns freut natürlich auch, wenn uns Gäste die Rückmeldung geben, dass die Trails top waren oder dass neue Abschnitte besser oder spannender geworden sind, nach dem wir sie vor der Saison überarbeitet haben.

Text: Thomas Werz
Fotos: Urban Engel

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