Nach dem erfolgreichen Prolog im vergangenen Jahr ging Aventyr 2026 erstmals über drei volle Renntage. 134 Fahrerinnen und Fahrer machten sich auf unbekannte Stages zwischen Scuol und Val Müstair. Samnaun hätte ebenfalls Teil der Reise werden sollen, doch Dauerregen, tiefe Wolken und schwierige Rettungsbedingungen zwangen die Veranstalter zum Umplanen. Was blieb, waren drei intensive Tage mit natürlichen Trails, viel Schlamm, überraschend guten Ersatz-Stages und einem Finale bei bestem Wetter. BORN war wieder mit dabei.
Kickoff in Scuol: Beim Briefing und Apéro stimmt sich das Fahrerfeld gemeinsam auf drei Tage Aventyr ein.
Auftakt in Scuol: Bekannte Gesichter und Vorfreude
Los ging es am Mittwochabend im Event-Hub in Scuol. Lichterketten, Bierbänke, Apéro und Getränke sorgten für einen entspannten Start ins Wochenende. Ortovox war in diesem Jahr als Partner mit dabei und stellte vor Ort zusätzlich Produkte zum Testen zur Verfügung. Schnell traf man bekannte Gesichter vom Aventyr-Prolog 2025 wieder. Gleichzeitig war das Fahrerfeld deutlich grösser und bunt gemischt. Unter den 134 Starterinnen und Startern standen Profis und erfahrene Racer wie Ines Thoma oder Christian Textor neben ganz normalen Hobbyfahrerinnen und Hobbyfahrern. Genau diese Mischung machte die Stimmung von Beginn an angenehm. Manche waren gekommen, um vorne mitzufahren, andere wollten einfach Zeit mit Freunden verbringen und dabei neue Trails entdecken.
Beim Welcome Event mit Race Briefing gab es Drinks, Apero und die wichtigsten Informationen zum Ablauf mit einem ausführlichen Safety-Block. Was passiert, wenn jemand vor einem auf der Stage stürzt? Wie wird Hilfe alarmiert? Wo befinden sich die Notfallnummern? Auch ein paar wertvolle Worte wurden über die Etikette auf dem Trail verloren: Natürliche Trails verändern sich, wenn sue viel gefahren werden und sollen ihren Charakter behalten. Um nicht alle Trails zu verwüsten, wurde den Teilnehmenden
An diesem Abend zeigte sich das Engadin noch von seiner besten Seite. Warm, trocken und mit richtig schöner Abendstimmung. Das sollte sich über Nacht deutlich ändern.
Persönliche Note: Beim Aventyr wurde selbst die Startnummer zum Unikat
Renntag 1: Regen, Schlamm und vier anspruchsvolle Stages
Am Donnerstagmorgen starten wir mit Shuttlebussen nach S-charl. Damit blieben uns die ersten 600 Höhenmeter glücklicherweise erspart, denn im Anschluss mussten noch 600 weitere Höhenmeter geklettert werden. Relativ schnell setzte Regen ein und blieb uns den gesamten Tag erhalten.
Geplant waren fünf Stages auf dem Weg Richtung Val Müstair. Die erste Stage ins Val Bella musste aufgrund des Wetters allerdings gestrichen werden. Zu hoch, zu exponiert und unter diesen Bedingungen im Ernstfall nur schwer erreichbar. Damit blieben vier Stages und die hatten es in sich. Gebaute Anlieger, Sprünge oder klassische Bikepark-Abschnitte spielten kaum eine Rolle. Stattdessen warteten Steine, Wurzeln, schmale Wanderwege und immer wieder technische Passagen. Pur, natürlich und alpin eben. Die Bandbreite reichte von flacheren, schnellen Trails bis hin zu steilen und anspruchsvollen Abschnitten.
Durch den Dauerregen wurde selbst vermeintlich einfaches Gelände schnell sketchy. Wurzeln und Steine waren rutschig, die Sicht teilweise schlecht und irgendwann verschwanden bei fast allen die Brillen im Rucksack. Nach wenigen Metern waren sie ohnehin so voller Wasser und Dreck, dass ohne Brille teilweise mehr zu erkennen war. Blind Enduro Racing bekam bei diesen schlammigen Verhältnissen eine ganz neue Bedeutung. Natürlich gab es bei diesen Bedingungen auch die ersten Stürze, ernsthafte Zwischenfälle blieben zum Glück aus. Trotz Wetter und Kälte war die Stimmung gut. An den Stages wurden gemeinsam Hampelmänner und Skippings gemacht, im Ziel wurde gelacht, über Linien diskutiert und gemeinsam über den Schlamm geflucht. Die letzte Stage führte lang hinunter ins Val Müstair. Unten wartete beim Nucleus Bike Shop bereits die Verpflegung mit warmen und kalten Getränken, Essen und einem kleinen After-Race-Happening. Bevor es mit dem Shuttle zurück nach Scuol ging, stand allerdings noch eine ausführliche Reinigung an. Am Bike Wash wurden irgendwann nicht mehr nur die Fahrräder abgespritzt. Wer an diesem Tag sauber werden wollte, brauchte Hilfe von den anderen. Nach dem ersten Renntag waren entsprechend alle ziemlich froh über eine warme Dusche. Ein harter, aber verbindender erster Tag mit vielen wilden Momenten auf dem Bike.
Regen, Dreck und beschlagene Gläser: Viel zu sehen gab es auf manchen Stages am ersten Tag nicht.
Nass, rutschig und ziemlich wild...
...aber genau deshalb mit maximalem Spassfaktor
Renntag 2: Samnaun fällt aus – Scuol springt ein
Auch am Freitagmorgen sah das Wetter nicht wesentlich besser aus. Eigentlich hätte der zweite Renntag nach Samnaun geführt. Ein grosser Teil der Strecke hätte dort oberhalb von 2000 Metern und in schwer zugänglichem Gelände stattgefunden. Bei den tiefen Wolken konnte jedoch nicht gewährleistet werden, dass ein Rettungshelikopter im Notfall fliegen könnte. Das Organisationsteam von Bike Media und Aventyr-Ideengeber Arno Galmarini entschied deshalb, die komplette Samnaun-Etappe abzusagen und kurzerhand eine Alternativroute rund um Scuol zu stecken. Für viele wäre Samnaun zwar eines der grossen Highlights des Wochenendes gewesen. Umso beeindruckender war dagegen, was kurzfristig als Alternative auf die Beine gestellt wurde. Aus Fahrersicht funktionierte die Umplanung praktisch reibungslos und die Crew schüttelte sich vier absolute Premium-Stages aus dem Ärmel.
Die ersten beiden Stages waren eher felsig, rough und teilweise tretintensiv. Danach wechselte der Charakter komplett: weicher Waldboden, Loam, Wurzeln und teils richtig steile Passagen bestimmten die zweite Hälfte des Tages. Zwar regnete es durchgehend, da die Stages jedoch unterhalb von 1800 Metern lagen, blieben die Temperaturen erträglich. Und die nassen Conditions? Die sorgten auf dem griffigen Waldboden vor allem für eines: fettes Grinsen im Ziel. Gleichzeitig musste man konzentriert bleiben: Wer die Linie verpasste, fand sich schnell quer zwischen den Wurzeln wieder. Am Ende des Tages waren wieder alle nass, kalt und ziemlich müde. Nach zwei Tagen Regen merkte man langsam, dass das Wetter Kraft kostete. Nach einer warmen Dusche Die Stimmung blieb trotzdem gut und die Hoffnung für gutes Wetter lag auf dem nächsten Tag. Ein grosser Vorteil gegenüber dem ersten Tag: Diesmal endete das Rennen direkt in Scuol. Kein Shuttle mehr – sondern geradewegs unter die warme Dusche.
Wald, Wiesen, alpines Gelände – die Stages zeigen sich extrem vielseitig.
Gute Aussichten inklusive: Die Transfers führten durch einige der schönsten Ecken des Engadins.
Kontrolliertes Rutschen: Bei diesen Bedingungen musste öfter mal mit Fuss gefahren werden.
Renntag 3: Sonne und Hike-a-Bike auf den Piz Clünas
Am Samstagmorgen war der Regen endlich vorbei. Die Sonne kam heraus, die Temperaturen stiegen und der Boden begann langsam abzutrocknen. Vor uns lagen sechs vielseitige Stages rund um Scuol. Der Tag begann mit der Bergbahn nach Motta Naluns und anschliessend mit einem weiteren Lift Richtung Piz Clünas. Danach war Schluss mit komfortablem Höhengewinn: Rund 400 Höhenmeter mussten die Bikes bis zum Gipfel gestoßen und getragen werden. Mit analogem Bike gut machbar, mit E-Bike durchaus zäh. Oben angekommen zogen die Wolken auf und der Ausblick über die Engadiner Bergwelt liess die Anstrengung schnell vergessen. Für viele war allein der Aufstieg auf den Piz Clünas eines der Highlights des Wochenendes. Direkt vom Gipfel startete die erste Stage. Hochalpin, offen und technisch. Ein ziemlich spektakulärer Einstieg in den Tag. Danach ging es rund um Motta Naluns mit einer längeren und deutlich flowigeren Stagee weiter. Viele flache Kurven und offene High-Speed Passagen machten die Stage physisch sehr herausfordernd, zumal die ersten drei Stages des Tages alle mit kurzen Transferzeiten ohne Erholung stattfanden. Eine weitere Stage von der Alp Laret kombinierte anschliessend gleich mehrere Trails: zuerst natürlicher Wanderweg, danach ein steiler Loamer, ein kurzer Gegenanstieg und zum Abschluss ein Teil mit gebauten Anliegern und Sprüngen im Trailcenter in Ftan. Der Trail spuckte uns direkt in Ftan bei Lai Padnal aus. Eine kleine Oase mit See, wo die Lunchpause mit kalten Getränken und top Essen auf uns wartet. Perfekte Gelegenheit, um die Füsse ins Wasser zu halten oder einen kurzen Mittagsschlaf in der Wiese zu machen. Zum ersten mal wurde es richtig warm, eine Wohltat nach zwei Tagen im Regen. Generell war die Verpflegung über das gesamte Wochenende super gut. Neben den Mittagspausen und Verpflegungsstationen gab es jeden Abend gemeinsames Essen: Pasta, Bündner-Spezialitäten und Barbeque am letzten Abend. Caro Gehrig konnte verletzungsbedingt nicht am Rennen teilnehmen, versorgte uns dafür mit gutem Kaffee vom Specialized Coffee Bike.
Spicy: Grip war hier eher Verhandlungssache.
Wenig Grip, viel Gefälle: Die nassen Trails verlangten saubere Linienwahl.
Gute Stimmung, guter Kaffee: Caro Gehrig an der Specialized Coffee Station.
Ein richtig rundes Wochenende trotz schwieriger Bedingungen
Was vom Wochenende neben den Trails besonders hängen bleibt, ist die Organisation. Das Wetter stellte das Team gleich mehrfach vor schwierige Entscheidungen. Eine Stage musste gestrichen, eine komplette Tagesetappe in Samnaun ersetzt werden. Aus Fahrersicht bekam man von der Arbeit dahinter quasi nichts mit. Die zeitlichen Abläufe funktionierten, die Strecken waren sauber abgeflattert und an allen relevanten Punkten standen Marshals. An Start und Ziel jeder Stage gab es Ansprechpartner, teilweise auch entlang der Trails. Gerade beim Thema Sicherheit wurde sehr professionell gearbeitet. Bereits vor dem Start wurde klar kommuniziert, wie man sich bei einem Unfall verhalten soll und wie die Rettungskette funktioniert. Dass unter den schwierigen Bedingungen konsequent Strecken gestrichen oder verlegt wurden, war entsprechend nachvollziehbar. Dabei befindet sich Aventyr als eigenständiges Event eigentlich noch in den Kinderschuhen. Dass Bike Media viel Erfahrung mit Bike- und Enduro-Veranstaltungen mitbringt, war über das gesamte Wochenende deutlich zu merken. Gleichzeitig blieb das Event mega persönlich. Trotz 134 Teilnehmenden traf man über die drei Tage immer wieder dieselben Leute, stand gemeinsam an den Stages und kam automatisch ins Gespräch. Das zeigte sich auch am letzten Abend, das komplette Fahrerfeld war vernetzt, da man mit vielen irgendwann am Wochenende Kontakt gehabt hatte.
Flowy: Einer der schnelleren Trails führte hinunter Richtung Alp Laret.
Erst tragen, dann geniessen: Der Uphill zum Piz Clünas forderte noch einmal ordentlich Körner.
Gemeinsam unterwegs: Neben dem Racing kam auch der Spass nie zu kurz.
Racing und Abenteuer funktionieren nebeneinander
Sportlich wurde vorne durchaus ernst gemacht. Die Abstände blieben bis zum Ende klein und entsprechend spannend war das Rennen für diejenigen, die wirklich um Positionen kämpften. Gleichzeitig spielte die Zeit für einen grossen Teil des Feldes nur eine Nebenrolle. Viele fuhren die Stages zusammen mit Freunden und warteten an den Starts aufeinander. Dadurch entstand nie das Gefühl eines verbissenen Rennwochenendes, sondern eher ein Bikewochenende in guter Gesellschaft, auch unter den ersten Fahrerinnen und Fahrern. So wie es sich für ein Enduro-Rennen eben gehört. Die Trails verlangen dennoch entsprechendes Fahrkönnen. Aventyr ist kein Einsteiger-Rennen. Wer teilnimmt, sollte sich auf natürlichen, technischen und teilweise steilen Singletrails sicher bewegen können und lange Tage auf dem Bike gewohnt sein. Wer fit zum Event anreist, wird belohnt. Man muss aber definitiv nicht mit dem Ziel anreisen, das Rennen zu gewinnen.
Verdiente Pause: Lunch, Sonne und neue Energie für die letzten Stages.
Siegerehrung, BBQ und Live-Musik
Nach dem letzten Zieleinlauf blieb zunächst Zeit zum Duschen und Erholen. Am Abend trafen sich alle wieder im Event-Hub zur Siegerehrung und zum gemeinsamen BBQ. Dazu gab es passenden Sound von Tawara und From Kid. Der Abend rundete das Wochenende sauber ab, die liebevoll gestaltete Event-Area lud zum Verweilen ein, man sass lange zusammen und traf die Leute wieder, denen man während der vergangenen Tage ständig irgendwo auf dem Trail begegnet war. Nach drei Renntagen waren aus vielen unbekannten Gesichtern Bekannte geworden. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl hatte Aventyr schon beim Prolog im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Trotz des deutlich grösseren Fahrerfelds ist davon 2026 nichts verloren gegangen. Am Ende auf dem Podium:
Open Women: Anita Gehrig, Ines Thoma, Tanja Naber
Open Men: Jonas Bernet, Christian Textor, Oliwier Bruwiere
Master Women: Sabrina Morell, Daniela Michel, Sabrina Schaefer
Master Men: Balz Weber, Ben Pauwels, James Barnes
Trails aus, Musik an: Tawara und From Kid begleiteten den Abend mit Live-Musik.
Letzter Abend in Scuol: Anstossen auf drei intensive Renntage.
Gut verpflegt: Nach jedem Tag wartete neue Energie für den nächsten Tag.
Fazit: Aventyr besteht den Härtetest
Natürlich war es schade, dass die geplante Etappe in Samnaun nicht stattfinden konnte. Gleichzeitig zeigte gerade dieses Wochenende, dass das Aventyr-Konzept auch dann funktioniert, wenn nicht alles nach Plan läuft. Die kurzfristige Alternative rund um Scuol war nicht einfach irgendein Ersatzprogramm, sondern bot einige der besten Trails des gesamten Rennens. Dazu kamen abwechslungsreiche Strecken, gute Verpflegung, professionelle Abläufe und eine durchgehend persönliche Atmosphäre. Vor allem aber fühlt sich Aventyr nicht wie ein Event an, bei dem sich alles nur um die Stoppuhr dreht. Natürlich wird geraced. Gleichzeitig bleibt genug Platz für lange Transfers, gute Mittagspausen, gemeinsame Abfahrten und Gespräche mit Menschen, die man drei Tage zuvor noch nicht kannte. 2025 hatte Aventyr beim Prolog gezeigt, dass die Idee funktioniert. 2026 hat das Event bewiesen, dass daraus ein richtig gutes Multiday-Enduro geworden ist!
Wir kommen wieder!
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