Als kurz nach Fuorns das Val Medel flacher wird, und gleichzeitig die Bergflanken enger zusammenrücken, hält uns nichts mehr im Shuttle-Fahrzeug. «Dort drüben verläuft der alte Säumerweg über den Lukmanierpass», erklärt Remo. «In unserer Route ist dieser Weg als Downhill vorgesehen. Aber wenn man von hier aus startet, kann man ihn problemlos auch bergauf fahren.» Grund genug für eine kurzfristige Planänderung. Für heute hatten wir uns ja ohnehin vorgenommen, die neue SchweizMobil-Route mit dem Arbeitstitel «St. Gotthard Bike Labyrinth» mit ein paar Singletrail-Varianten zu pfeffern. Da kommt es auf eine Eskapade mehr oder weniger auch nicht mehr an.
Mit unserer «Mehr Trails ist immer besser»-Haltung sind wir bei Remo Eberle goldrichtig. Schliesslich ist er als Produktmanager bei Sedrun Disentis Tourismus mit dafür verantwortlich, dass sich das Singletrail-Netz zwischen Oberalppass und Disentis kaum noch als «Geheimtipp» bezeichnen lässt. Und auch für unsere dreitägige Runde über den Lukmanier-, Nufenen-, Furka- und Oberalppass dürfte sich kaum ein besserer Pfadfinder auftreiben lassen. «Ich bin jetzt seit vier Jahren im Projektteam für diese Route», erzählt Remo. «In dieser Zeit habe ich den Gotthard auf jeder nur denkbaren Variante zigmal umrundet!» Vier Jahre für die Planung einer Mountainbike-Strecke? Die Nachfrage ringt Remo gerade einmal ein müdes Lächeln ab. «Die Planungen haben vor sechs Jahren begonnen», erzählt er. «Vor drei Jahren sind wir in die Umsetzungsphase gegangen. 2025 ist es so weit: Dann wird die Strecke vorgestellt und befahrbar sein. Grösstenteils zumindest!»
Trailbau mit Hindernissen
Dass das nicht nur eine Herausforderung für die Trailbauer darstellt, wird im Val Medel bald deutlich. Allenthalben markieren Weidezäune und Trockenmauern Grundstücksgrenzen. Dann passiert der Weg eine Seilbahnstation des Militärs. Und schliesslich dürfte wohl auch die sattgrüne Wiese unterhalb der monolithischen Staumauer einen eigenen Katasteramtseintrag besitzen. «Wir haben versucht, die Strecke weitgehend auf bestehenden Wegen zu planen», erzählt Remo. «Davon verlaufen viele über Privatbesitz. Wenn nur ein Eigner keine Bikestrecke auf seinem Grund haben möchte, heisst es: zurück ans Reissbrett. Da war einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten!»
Auf Abwegen ins Tessin
Wallis mit Hindernissen
Dank Remo und unserem privaten Shuttlebus ist der Furkapass, und damit der Übergang nach Uri, schnell erreicht. Schon während der Auffahrt kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Die enge Rottenschlucht; die Murmelbahn von einer Strasse zum Grimselpass; die historische Furka-Dampfbahn, die nur mit höchster Mühe dem Scheiteltunnel entgegenschnauft; vor allem aber die Gletscherblicke, die wir in den Kehren vor der Passhöhe erhaschen – das alles macht eine Extratour im Wallis fast obligatorisch. Auf der Passhöhe folgen wir einem breiten Weg. Was anfangs wie eine breite Militärstrasse wirkt, verfällt bald zu einem schmalen, teils ausgesetzten Trail, auf dem grobe Felsblöcke nach Schaltwerken angeln. Doch der Eiertanz lohnt sich: Am Bidmer angekommen, erschliesst sich gegenüber ein Blick auf Rhônegletscher, Dammastock und all die anderen Dreitausender im Rund, der selbst bei diesem trüben Wetter den Unterkiefer auf den Lenker sacken lässt. Noch ist hier eine Sackgasse, denn der Weg, der von hier aus zurück ins Rhônetal schlängelt, ist verfallen und soll erst im Sommer 2024 für das Projekt ertüchtigt werden. Doch bei dem offensichtlichen Know-how der Walliser Trailbauer werden wir es hier in naher Zukunft mit einem echten Trail-Highlight zu tun haben!
Auf der Durchreise in Uri
Rheinquelle-flow
Informationen zum «Gotthard Bike Labyrinth» finden sich auch unter den Routennamen «St. Gotthard Vier-Pässe Bike 84» sowie «St. Gotthard Fünf-Pässe Bike 85» im Mountainbikeland Schweiz von SchweizMobil. Auf diesen beiden Routen wird das Gotthard-Massiv im bzw. gegen den Uhrzeigersinn umrundet. Die hier beschriebene Runde im Uhrzeigersinn ist bereits komplett ausgebaut und befahrbar. In der Runde gegen den Uhrzeigersinn fehlen aktuell noch Teilabschnitte, die sukzessiv gebaut und beschildert werden. Die Seiten auf SchweizMobil werden ständig aktualisiert und enthalten ausführliche Tourbeschriebe, Bildergalerien und wertvolle Infos zu den Transfers.
Links:
Charakter:
Der Singletrail-Anteil der Strecke ist bemerkenswert hoch. Dabei wurden viele Trails neu gebaut bzw. bestehende verbessert. Insgesamt ist eine sichere Fahrtechnik im alpinen Gelände vonnöten. Da die Auffahrten zu den Pässen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überbrückt werden können, ist der konditionelle Anspruch überschaubar. Allerdings ist aktuell kein Gepäcktransport buchbar und muss also selbst transportiert werden.
Etappen:
Abweichend von den Tourenbeschrieben auf SchweizMobil haben wir das Gotthard-Massiv für diese Reportage in drei Tagesetappen umrundet. Neben Disentis kann die Tour auch problemlos in Airolo oder Andermatt gestartet werden.
1. Etappe: Disentis – Biasca (offiziell)
- Fahrtechnik: 2/5, Kondition: 2/5
- Distanz: 41,8 km
- Höhendifferenz: Uphill: 460 m, Downhill: 2085 m
Variante: Disentis – Biasca
- Fahrtechnik: 4/5, Kondition: 4/5
- Distanz: 73 km
- Höhendifferenz: Uphill 2290 m, Downhill 3450 m
- Transfer: Morgens: Mit dem Postauto nach Fuorns bzw. zum Lukmanierpass, postauto.ch
- Abends: Mit dem Zug von Biasca nach Airolo, sbb.ch
2. Etappe: Airolo – Andermatt
- Fahrtechnik: 4/5, Kondition: 3/5
- Distanz: 38,5 km
- Höhendifferenz: Uphill 640 m, Downhill 2750 m
- Transfer: 2x Shuttle mit Postauto zum Nufenen-/Furkapass
3. Etappe: Andermatt – Disentis
- Fahrtechnik: 4/5, Kondition: 3/5
- Distanz: 38,4 km
- Höhendifferenz: Uphill 1330 m, Downhill 2750 m
- Transfer: Morgens: Zug bis Bahnhof Nätschen bzw. Oberalppass, sbb.ch, Nachmittag: Seilbahn Salins-Cuolm da Vi
Übernachtung:
Die Talorte Disentis, Sedrun, Andermatt sowie die Talorte im Goms und in der Region Bellinzona und Täler sind touristisch geprägt und bieten zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Reservierung ist anzuraten.
Links:
disentis-sedrun.ch
myswitzerland.com
andermatt.swiss
bellinzonaevalli.ch
goms.ch
GPX-Datei: LINK
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