Graveln am Col de la Croix

49 Kilometer, 1370 Höhenmeter und jede Menge Abwechslung: Die Gravel-Runde ab Villars verbindet Alpwege, Singletrails und Bergpanorama – und führt über Strecken der UCI Gravel World Series.

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Datum: 01.10.2026

Für Rennradfahrer ist der Col de la Croix ein Klassiker, geadelt von der Tour de Suisse und der Tour de France. Doch der Übergang von Villars-sur-Ollon überm Rhonetal nach Les Diablerets punktet auch mit einer weltmeisterschaftsreifen Gravel-Variante.

Der Teerbelag endet inmitten der grünen Wellen der Alpwiesen bei Bretaye. Das dunkelgraue Band, das sich gleichmässig und ohne Rampen durch den schattigen Bergwald geschlängelt hat, löst sich auf. Es changiert zu hellem, festem Schotter. Das Knirschen der Reifen mischt sich mit dem ruhigen Klang der Kuhglocken, den der Wind über die Weideflächen trägt. Der Blick schweift über die Landschaft: tief unten das Rhonetal, am Horizont die Felszacken der Dents du Midi. Der Col de la Croix ist für Velo-Enthusiasten kein Geheimtipp. Viele sind den 1776 Meter hohen Pass schon mit dem Rennrad gefahren. Er verbindet Les Diablerets mit Villars-sur-Ollon und dem Rhonetal. Die Tour de Suisse war hier. Die Tour de France auch. Doch dass derselbe Pass eine Gravel-Version bereithält, wissen (noch) die wenigsten. Diese alpine Runde bietet neben geteerten Passagen Schotter, Singletrails und eine Schlusseinkehr, die jeden Ernährungsplan sprengt.

Im Visier: Gravel WM 2029

Die Macher im radsportbegeisterten Villars haben sich etwas vorgenommen. 2029 gastieren die UCI Gravel-Weltmeisterschaften in Villars. Und die Schotterrunde am Col de la Croix wird das Herzstück der Grossveranstaltung. Schon jetzt misst sich hier im Juli die internationale Gravel-Elite: The Majestics UCI, Teil der UCI Gravel World Series und Qualifikationsrennen für die Weltmeisterschaften, zieht rund 400 Fahrer an den Start – Profis und Amateurfahrer gemeinsam. Die Rennen der dritten Ausgabe finden vom 10. bis zum 12. Juli 2026 statt. Die Gravel-Runde beginnt entspannt auf dem Sonnenplateau über dem Rhonetal. Ab Villars rollt man die ersten Kilometer sanft dahin durch die Weiler Les Ecovets und Plambuit, bevor der Anstieg nach Bretaye beginnt. Keine Rampen, die einem gleich am Anfang den Saft aus den Beinen ziehen. Die gleichmässige Steigung lädt ein, in Ruhe einen harmonischen, kontrollierten Rhythmus zu finden. Gut so. Denn sobald man den Wald verlässt, geht es auf geschotterten Alpwegen weiter. Die können auch mal rau sein, rütteln Fahrer und Material durch. Das kostet Kraft.

Atemberaubendes Bergpanorama

Zwischen Bretaye und dem höchsten Punkt der Tour folgt die Route dem Verlauf des The Majestics UCI Gravel-Weltrennens. Das Terrain wird anstrengender, selektiver. Hinter weiten Alpwiesen ragt das mehr als 3000 Meter hohe Massif des Diablerets auf. Doch so dünn wie dort oben ist die Luft zum Glück noch nicht. Am Kulminationspunkt auf 1810 Metern angekommen, weitet sich der Blick in alle Himmelsrichtungen. Eine Gelegenheit, durchzuatmen und das Panorama zu geniessen. Rund um die Passhöhe des Col de la Croix (1776 m) ist die Strecke kurz geteert, ehe sie wieder rauer wird. Die Abfahrt nach Taveyanne führt über kurze Singletrail-Abschnitte, technische Schwierigkeit S1, stellenweise S2. Mit dem Mountainbike eine entspannte Sache. Auf einem starren Gravelbike ist das eine andere Geschichte. Jede Vibration geht direkt in Beine und Unterarme. Die schmalen Reifen fordern die Linie sorgfältiger zu wählen als auf dem MTB. Doch ein bisschen Nervenkitzel gehört beim Graveln dazu. Wer es dennoch einfacher und entspannter haben möchte, nimmt die Strasse. Egal, ob herausfordernde Gravel-Passage oder «Chicken-Line» auf Asphalt, bis zur verdienten Belohnung ist es nun nicht mehr weit. Um im Refuge de Solalex unterhalb der senkrechten Kalksteinwand Miroir d’Argentine einzukehren, bedarf es keiner grossen Überzeugungsarbeit. Ein Blick auf die Speisekarte reicht. Spezialität des Hauses: Le Modzet de la Véronique – Käse, Kartoffeln, Speckwürfel, Zwiebeln, serviert mit Weisswein. Objektiv gesehen nicht unbedingt die perfekte Sportlerdiät. Doch das sanfte Schlussstück auf Asphalt zurück nach Villars ist selbst im Käsekoma kein Problem.

«Auf den Spuren der UCI Gravel World Series – die Gegend um Villars mit dem Massif de Diablerets zählt zu den attraktivsten alpinen Gravel-Routen in der Schweiz.»

Alain Rumpf, Journalist

Graveln am Col de la Croix
Graveln am Col de la Croix
Graveln am Col de la Croix

Info Col de la Croix

CHARAKTER 

49 Kilometer, 1370 Höhenmeter, Schwierigkeit 3 von 5. Auf dem Papier klingt die Route am Col de la Croix kompakt und nicht allzu schwer. Doch mit dem Gravelbike entpuppt sie sich als durchaus anspruchsvoll. Mit einem Anteil von 60 Prozent Asphalt und 40 Prozent Schotter ist die Strecke vielseitig. Befahrbar ist sie von Mai bis November. Im Frühjahr kann oberhalb von etwa 1500 Meter noch Schnee liegen. Charakteristisch sind das landschaftliche Wechselspiel, gleichmässige Anstiege und die technisch fordernden Abfahrten.

ROUTE 

Villars (1250 m) – Les Ecovets – Plambuit – Aufstieg nach Bretaye – Lac des Chavonnes – Col de la Croix (Ausblick auf Massif des Diablerets) – Alp Col de la Croix – technisch anspruchsvolle Passage zum Weiler Taveyanne – Anstieg nach Les Chaux – auf Alpwegen und leichten Singletrails nach Solalex – Refuge de Solalex – auf Strasse zurück nach Villars

DETAILS 

Fahrtechnik: 3/5
Distanz: 49 km
Höhendifferenz: 1370 m

SAISON 

Mai – November

Tourenkarte & GPX-Download

Text: Alain Rumpf
Fotos: Alain Rumpf

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