E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

Zwischen mediterranen Trails, versteckten Singletrails und italienischer Gelassenheit zeigt Ex-Downhill-Profi Andi Stettler, wie genussorientiertes E-Mountainbiken in der Toskana funktioniert. Rund um Follonica führt der ehemalige Schweizer Nationaltrainer seine Gäste über flowige Küstentrails, durch Pinienwälder und zu spektakulären Aussichtspunkten – ganz ohne Leistungsdruck, dafür mit umso mehr Fahrspass.

Mit dem E-MTB durch die Toskana

Schallendes Gelächter hallt durch den Laubwald. Sogar die Nussbäume scheinen sich vor Vergnügen zu schütteln. Bikeguide Andi Stettler ist mit acht Gästen in der Toskana unterwegs und sorgt mit pointiert witzigen und unkonventionellen Fahrtechniktipps für beste Stimmung. Der Aargauer führt zweimal im Jahr E-Mountainbikerinnen und E-Mountainbiker über die versteckten Wege rund um Follonica – einmal im Mai und einmal im Oktober. Heute ist der erste von sechs Tourentagen. Acht Individuen wachsen langsam zu einer Gruppe zusammen. Und ganz nebenbei verbessert sich auch die Fahrtechnik. Andis Gäste haben die Zeiten des jugendlichen Vollgas-Modus längst hinter sich. Trotzdem sind sie nicht nur wegen der mediterranen Landschaft hier. Sie wollen im Sattel noch dazulernen – mit Spass statt Leistungsstress. «Nach 40 Jahren Vollgas im Job musst du dir und der Welt im Ruhestand nichts mehr beweisen. Schon gar nicht auf dem Trail», sagen Rita und Martin aus Laufen bei Basel. Seit 38 Jahren sitzen sie gemeinsam auf dem Bike. Erst mit Martins Pensionierung vor vier Jahren wechselten die beiden aufs E-MTB.

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
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E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

Cypress Hill: Das Hinterland zwischen Follonica und Grosseto ist Toskana wie aus dem Bilderbuch. 

Genuss statt Leistungsdruck

Der andere Martin in der Gruppe ist jugendliche 70 Jahre alt. Sein Leben lang fuhr er Rennvelo und Mountainbike – ohne Motor. «Ich habe mir geschworen, dass ich mir erst zum 70er das erste E-Bike kaufe», sagt er lachend. Rund 4000 Kilometer fährt er pro Jahr. Noch immer ohne Unterstützung. Auch Susann und Edith aus der Nordwestschweiz sind erfahrene Bikerinnen. Zuhause betreiben sie Mountainbike-Orienteering, eine Mischung aus Mountainbike und Orientierungslauf. Eine Kollegin ihrer Gruppe wurde in dieser Sportart sogar Weltmeisterin. In der Toskana geniessen die beiden jedoch vor allem eines: entspannt geführte Touren ohne Kartenlesen und Wettkampfstress.

«Im Sattel noch dazulernen, mit Spass statt Leistungsstress» – genau darum geht es auf diesen Touren.

Die Locals haben ihr jahrelang gesammeltes Trail-Wissen nun gebündelt und ihre gesamte Erfahrung auf einer Trail-Map zusammengefasst. Hier sind die wichtigsten und schönsten Touren verzeichnet, übersichtlich und sauber gestaltet. Wer es lieber digital mag, der findet passende QR-Codes mit Links zur Website, wo alle Touren auch als GPS-Tracks zur Verfügung stehen. «Da steckt viel Arbeit drin. Unser Grafiker hat sich extra dafür einen neuen Computer gekauft», erzählt der bikende Apotheker schmunzelnd. Und schon ein kurzer Blick auf die Karte lässt erahnen: Auf zwei Rädern lässt sich zwischen Biasca und Lukmanierpass viel entdecken!

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
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Der Boxenstopp im Caffè Le Logge am Marktplatz von Massa Marittima ist ungeschriebene Bikerpflicht. 

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

Das bezaubernde Piombino ist noch ein echter Geheimtipp und viel mehr als nur Fährhafen nach Elba. 

Vom Downhill-Weltcup zum MTB-Guide

Andi Stettler ist Mountainbiker der ersten Stunde. Bereits Anfang der Achtzigerjahre entdeckt der gelernte Automechaniker seine Leidenschaft fürs Mountainbike. Erst fährt er Bikes von Pinarello, später ein legendäres Klein Adroit. Gemeinsam mit rund 40 Bikern des Bike Club Olten reist er an die frühen Rennen der Schweizer Mountainbike-Szene – Rennen, die er heute schmunzelnd «Picknickkorb-Rennen» nennt.

Später gründet er ein eigenes Yeti-Team und fährt Downhill-Weltcup-Rennen. Dabei bewegt er sich mit US-Legenden wie John Tomac oder Greg Herbold auf Augenhöhe. Mit nur 28 Jahren wird Andi Schweizer Nationaltrainer. Er betreut unter anderem Albert Iten, Rita Bürgi und Walter Brändli. Danach folgen Stationen als Teamleiter des Scott-Worldcup-Teams sowie Entwicklungsarbeit für Marken wie MET, Shimano, Gonso oder Odlo.

Heute produziert er unter dem Label «Odlocustom» personalisierte Bekleidung – beispielsweise für die Schweizer Langlauf-Nationalmannschaft. Und seit einigen Jahren guidet er E-MTB-Gruppen in der Toskana. Nicht aus Langeweile, sondern aus echter Leidenschaft.

Fahrtechniktraining vor dem ersten Trail

Guiding bedeutet für Andi weit mehr, als einfach einer GPS-Linie zu folgen. «Als Guide musst du den Gästen immer ein gutes Gefühl vermitteln», erklärt er. Kondition, Fahrtechnik und Navigation müssen so gewählt sein, dass alle genügend Reserven haben und sich sicher fühlen. Deshalb beginnt der erste Tourentag nicht direkt auf dem Trail, sondern auf dem Parkplatz der Ferienanlage «Golfo del Sole». Dort nehmen die Teilnehmer ihre Miet-E-MTBs entgegen. Gemeinsam mit Andi werden Sattelhöhe, Fahrwerk und Reifendruck individuell eingestellt. Danach folgt ein spielerisches Fahrtechniktraining. Die Gruppe fährt langsam Slalom um Rucksäcke, übt Balance und versucht möglichst präzise auf Kreidelinien zu stoppen. Die Stimmung ist locker, überall wird gelacht. Gleichzeitig lernen sich Mensch und Maschine besser kennen.

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

Wenn die Zeit mal kurz stillsteht: Andi sinniert im verlassenen Dörflein Vignale über vergangene Zeiten. 

Trails zwischen Zypressen und Olivenhainen

Kurz darauf geht es endlich los. Vom Ferienresort direkt am Meer steuert Andi seine Gruppe durch die Strassen von Follonica und über kleine Wege direkt hinein ins toskanische Hinterland.

Zypressen säumen die Zufahrt zu alten Villen, Olivenhaine ziehen sich bis zum Horizont und überall liegt der Duft mediterraner Kräuter in der Luft. Das Hinterland von Follonica wirkt wie aus einem Bilderbuch.

Ein dichtes Netz aus Wirtschaftswegen, Feuerschneisen und Singletrails durchzieht die Wälder. Auf dem «Simone-Trail» flowt die Gruppe durch die Laubwälder oberhalb der Küste. Die Stimmung ist bestens – auch dank Andis lockerer Art und seinen humorvollen Fahrtechniktipps.

Dolce Vita auf dem Bike

Wer gut kurbelt, soll auch gut essen. Deshalb gehört auch der Einkehrschwung fest zum Tagesprogramm. Am frühen Nachmittag kehrt die Gruppe in der «La Bottega la Cura» ein. Der Wirt freut sich sichtbar über die hungrigen Mountainbiker. Fast alle bestellen Spaghetti Ragù, dazu alkoholfreies Bier und Espresso.

Solche Stopps gehören genauso zur Tour wie die Trails selbst. Genuss ist hier kein Nebenschauplatz, sondern Teil des Gesamterlebnisses.

Aussichtspunkte über dem Mittelmeer

Später führt die Tour tief hinein ins Naturreservat «Poggio Tre Cancelli». In der Nähe des «Hügels der drei Tore» versteckt sich ein alter steinerner Aussichtsturm.

Von dort reicht der Blick über Follonica, Punta Ala und Massa Marittima bis weit hinaus aufs Mittelmeer. In der Ferne zeichnet sich sogar der Monte Amiata am Horizont ab.

Am Nachmittag rollt die Gruppe zurück ins Resort «Golfo del Sole». Erst werden die Bikes sauber verstaut und die Akkus geladen, danach beginnt die Freizeit. Die Apartments liegen nur wenige Meter vom Meer entfernt. Pünktlich zum Abend versinkt die Sonne hinter Elba im Mittelmeer.

«E-Biken im toskanischen Oktober: das süsse Leben rund um Follonica.» 

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
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E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

Andi Stettler ist ein Downhiller im Unruhestand. Zweimal im Jahr zeigt er E-Bikern «seine» Toskana. 

Spektakuläre Küstentrails bei Piombino

Am nächsten Tag wartet bereits das nächste Highlight: die Trails von Piombino. Mit dem Reisebus fährt die Gruppe an die Küste südlich von Follonica.

Hier verlaufen spektakuläre Trails hoch über dem Meer. Immer wieder öffnen sich Ausblicke Richtung Elba und Mittelmeer. Manchmal sogar so eindrücklich, dass einzelne Gäste mehr aufs Panorama als auf den Trail achten – inklusive kleiner Stürze und Schürfwunden.

Doch genau diese Mischung aus Abenteuer, Genuss und Gemeinschaft macht den besonderen Charakter der Reise aus.

Am Abend werden beim Buffet die Energiespeicher wieder aufgefüllt. Es wird gelacht, erzählt und über die Erlebnisse des Tages diskutiert. La Dolce Vita auf zwei Rädern.

E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill
E-Mountainbiken in der Toskana: Dolce Vita statt Downhill

Die Küstentrails sind in Sachen Fahrtechnik meist einfach, in Sachen Aussicht aber schwer zu toppen. 

Mountainbiken rund um Follonica

ALLGEMEIN

Follonica liegt an der Küste der südlichen Toskana und gilt längst als beliebtes Bike-Revier. Rund um den Golf von Follonica zieht sich ein dichtes Netz aus Wirtschaftswegen, Feuerschneisen und Singletrails durch Pinienwälder und mediterrane Hügellandschaften. Besonders die Regionen rund um Piombino, Punta Ala und Massa Marittima bieten abwechslungsreiche Trails mit Meerblick, technischen Passagen und flowigen Abschnitten.

BESTE REISEZEIT

Mountainbiken rund um Follonica ist ganzjährig möglich. Besonders beliebt sind die Monate Mai und Oktober mit angenehmen Temperaturen und perfekten Bedingungen auf den Trails.

GEFÜHRTE TOUREN

Der Schweizer Reiseveranstalter Twerenbold bietet siebentägige E-MTB-Tourenwochen rund um Follonica an. Im Paket enthalten sind unter anderem Anreise im Reisebus, Halbpension, Miet-E-Bikes und Guiding.

TOURENPLANUNG
Wer die Region individuell entdecken möchte, findet auf Supertrail Guide zahlreiche GPS-Touren und Informationen zu MTB-Hotels.

UNTERKUNFT
Das Ferienresort Golfo del Sole liegt direkt am Meer und verfügt über Bike-Infrastruktur, Restaurants und Pools.

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