Nach Inkrafttreten des neuen Veloweggesetzes (2023) durch den Bund sind die Kantone gefordert die Planungsfrist bis 2027 einzuhalten. Das Gesetz greift auch im Bereich der Infrastruktur für Mountainbikende. Anlässlich der Cycle Week hat der Kanton Zürich sein kantonales Konzept vorgestellt. Der Event fand im Anschluss an die 1. Generalversammlung der IG MTB Zürich statt, welche über 50 Radsport- und MTB-Vereine als kantonale Dachorganisation vereint.
Mountainbiken erfeut sich im Kanton Zürich zunehmender Beliebtheit. Um die Interessen der Mountainbikenden und anderen Waldnutzenden sowie den Schutz der Umwelt miteinander in Einklang zu bringen, hat der Regierungsrat ein Mountainbike-Konzept beschlossen. Damit soll ein attraktives, sicheres und bedarfsgerechtes Mountainbike-Angebot geschaffen werden. Grundlage bildet ein unabhängiges Rechtsgutachten, das festhält: Mountainbiken im Kanton ist grundsätzlich auf allen in der Swisstopo-Karte verzeichneten Wegen zulässig.
Das Wort ergreift sodann Livio Peterer, Leiter Fachstelle Veloverkehr
«Die Zusammenhänge sind enorm komplex und vielschichtig. Trotzdem glauben wir mit der nun definierten Planungsgrundlage eine solide Basis geschaffen zu haben an der sich der Kanton Zürich sowie dessen Gemeinden für die Umsetzung orientieren können» so Livio Peterer, Projektleiter Veloverkehr des Kanton Zürich.
Die Präsentation, gehalten im Rahmen der Cycle Week, stiess auf offene Ohren.
In den letzten zwei Jahren befasste man sich, unter Einbezug aller relvanten Stakeholder, intensiv mit der Erstellung der Grundlagen. Zur Orientierung diente eine Bestandes- und Bedarfserhebung, von 2023. Diese hat aufgezeigt, dass der Bedarf nach offizieller MTB-Infrastruktur das aktuelle Angebot deutlich übersteigt. Hierfür wurden auch digitale Daten herbeigezogen wie beispielsweise Nutzungsauswertungen von STRAVA. Spannend ist: Die überwiegende Mehrheit der Fahrten startet direkt vor der Haustüre.
Livio Peterer erklärt die Zusammenhänge und Ziele.
Das MTB-Angebot im Kanton wird vervielfacht
Die neue MTB-Strategie basiert auf einem Miteinander statt Verboten. Dies ist nachhaltiger und ressourceneffizienter als den gesamten Bedarf an Trails mit eigener Infrastruktur abzudecken. Im Kanton wurden 19 sogenannte Fokusräume definiert, in denen gezielt ausgebaut werden soll. Bis 2042 sollen neben einem neu signalisierten MTB-Wegnetz auf bestehenden 1 Meter-Wegen (Swisstopo) die MTB-spezifischen Angebote vervielfacht und damit eine zusätzliche Lenkung erzielt werden. Die aktuell rund 15km MTB-Strecken werden auf 50-80km ausgebaut. Zusätzlich sind rund 25 neue Skills- und Trailcenter vorgesehen.
Das Co-Präsidium IG Mountainbike Kanton Zürich: Flurin Dörig, Thomas Suter, Markus Roth v.l.n.r.
Überdies kooperierte man mit den einzelnen bikespezifischen Vereinen des Kantons. «Als Meilenstein bezeichnen wir die Gründung der IG MTB ZH, die gebündelt die Interessen aus der Bike Community vertritt» so Peterer weiter.
Vereine, wie Züritrails, können via die IG ihre Anliegen einbringen.
Aus der Präsentation gehen konkrete Empfehlungen hervor und gleichzeitig wird klar: Bis die grosszügige Umsetzung von Trails, Skills- oder Trailcentern Realität werden kann braucht es zuerst eine Netzplanung. Und das, so Peterer, ist ein Prozess von etlichen Jahren im Zyklus der Teil- und Gesamtplanungsrevisionen.
Als Dank für Präsentation und Engagement gibt es Cycle Week Socken. Diese erhalten Livio Peterer und Steve Coucheman, Leiter Fachstelle Veloverkehr ZH.
Flurin Dörig, Co-Präsident der IG MTB ZH, verspricht hier den Kanton weiterhin zu unterstützen und weist auf den grossen Handlungsbedarf hin. Er lässt verlauten: «Der Kanton Zürich hat bis vor ca. zwei Jahren das Thema Mountainbike eher stiefmütterlich betreut. Wir begrüssen deshalb den Beschluss einer breit abgestützten MTB-Strategie und die klare Kommunikation des Kantons Zürich zur gemeinsamen Wegenutzung. Entscheidend ist nun die Umsetzung, denn der Mountainbikesport muss ganzheitlich gefördert und gleichzeitig so gelenkt werden, dass mögliche Nutzungskonflikte ausgeschlossen und Natur, Wild und Landschaft geschont werden können. Das geht aber nur dann, wenn der Kanton in der Netzplanung und Sensibilisierung vorwärts macht.»
Vertiefte Details, anschauliche Erklärungen und Strategien finden sich neu auf der Internetseite VELO.ZH.CH. Jede:r Biker im Kanton ist hier aufgefordert sich zu formieren und seine Interessen an die IG MTB ZH und somit weiter an den Kanton heranzutragen.
Weiterführende Links:
Biken im Kanton Zürich - Bestand vs. Bedarf
Der Weg ist das Ziel - und die rechtliche Situation ist klar!
Bike-Infrastruktur und Koexistenz im Kanton Zürich
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