Die Regionen Disentis Sedrun und Andermatt wollen sich als neue Mountainbike-Hotspots der Schweiz etablieren. Mit Trailbau-Camps, neuen Flowtrails und grossen Projekten wie dem «St. Gotthard Bike Labyrinth» entsteht rund um den Oberalppass Schritt für Schritt eine der spannendsten Bike-Regionen der Alpen.
Rund um den Oberalppass gibt es Trail-Juwelen, die erst noch geschürft werden wollen.
Trailbau am Oberalppass
«Respekt, wer’s selber macht» – kaum ein Satz beschreibt die Stimmung beim Trailbau-Camp am Oberalppass besser.
Im August 2025 trafen sich Freiwillige zwischen Maighels-Pass und Vermigel-Hütte, um einen stark erodierten Abschnitt der legendären Schweizer Bikeroute Nr. 1 zu sanieren. Unter Anleitung von Trailbau-Profis wurde während drei Tagen geschaufelt, Steine versetzt, Wasserläufe angelegt und technische Schlüsselstellen entschärft.
Gearbeitet wurde ausschliesslich mit natürlichen Materialien. Ziel war nicht, den Charakter des Trails zu verändern, sondern ihn nachhaltig instand zu setzen. Der obere Abschnitt wurde dadurch wieder besser fahrbar, während der untere Teil weiterhin technisch anspruchsvoll und als schwarze Route eingestuft bleibt.
Organisiert wurde das Camp von Andermatt-Urserntal Tourismus gemeinsam mit lokalen Partnern. Untergebracht waren die freiwilligen Helfer in der Vermigel-Hütte des SAC.
Gemeinsames Trailbau-Projekt über Kantonsgrenzen hinweg
Bereits am ersten Tag kam es auf der Passhöhe zum symbolischen «Gipfeltreffen»: Helferinnen und Helfer aus Graubünden und Uri arbeiteten gemeinsam an der Strecke rund um den Oberalppass.
Nach getaner Arbeit ging es direkt weiter ans Bike-Event «Just Ride» in Disentis Sedrun, wo die Beteiligten nicht nur gemeinsam Trails fuhren, sondern auch feierten.
Für viele war schnell klar: Das Trailbau-Camp soll 2026 in die nächste Runde gehen.
Auch im Kanton Uri sollen noch mehr Singletrails entstehen, so wie hier am Furkapass.
Warum der Ausbau von MTB-Trails so lange dauert
Der Ausbau moderner Mountainbike-Infrastruktur ist komplex. Gemeinden, Grundbesitzer, kantonale Fachstellen, Bergbahnen, Tourismusverbände, SchweizMobil und der öffentliche Verkehr müssen eingebunden werden.
Gleichzeitig entsprechen viele bestehende SchweizMobil-Routen längst nicht mehr den heutigen Erwartungen vieler Mountainbikerinnen und Mountainbiker. Oft fehlen längere Singletrail-Abschnitte oder moderne Bike-Angebote.
Deshalb braucht es Menschen, die Projekte aktiv vorantreiben – Menschen wie Remo Eberle.
Remo Eberle: Der Macher hinter der Bike-Region
Remo Eberle stammt aus Liechtenstein und arbeitete früher als Mechaniker im Thömus-Maxon-Rennteam von Ralph Näf. Während der Pandemie verschlug es ihn nach Disentis, wo er zunächst als Bike-Mechaniker arbeitete. In jeder freien Minute erkundete er die Trails rund um seine neue Wahlheimat – und erkannte schnell das enorme Potenzial der Region.
«Ich dachte mir: Wahnsinn, die haben hier so viele Trails und Möglichkeiten. Warum macht niemand mehr daraus?», erzählt Eberle.
Mit der Zeit begann auch bei den Bergbahnen und Tourismusverantwortlichen ein Umdenken. Investor Marcus Weber entwickelte rund um die Talstation ein grosses Resort und wollte die Region auch im Sommer attraktiver machen. Schliesslich übernahm Remo Eberle die Rolle des MTB Produkt Managers in Disentis Sedrun – obwohl er anfangs selbst nicht genau wusste, was dieser Job eigentlich beinhaltet.
Damit etwas vorangeht, braucht es Macher wie Remo Eberle.
Neue Bike-Infrastruktur in Disentis Sedrun
Statt lange Konzepte abzuwarten, begann Eberle direkt zu handeln. Er installierte Wegbeschilderungen, entwickelte eine Bike-Karte und knüpfte Kontakte zu Gemeinden, Bergbahnen und Tourismusorganisationen.
Mit einem Budget von rund einer Million Franken wurden anschliessend verschiedene Bike-Projekte umgesetzt. Herzstück ist der «Catrina Flowtrail», der 2021 eröffnet wurde.
Der rund vier Kilometer lange Trail führt von Gendusas nach Caischavedra und bietet alles, was moderne Mountainbiker suchen:
- Flowige Linienführung
- Anliegerkurven
- Wellen und Mulden
- Holzbrücken
- Panorama über die Surselva
Er ergänzt den Skills Park beim Catrina Resort und bildet den Kern der neuen Bike-Infrastruktur in Disentis Sedrun.
Mit Schaufel und Spitzhacke beim Trail-Camp waren Muckis gefragt.
Andermatt will beim Mountainbiken aufholen
Auch auf der Urner Seite des Oberalppasses bewegt sich einiges. Während Andermatt bereits ein etabliertes Ziel für Rennvelo- und Gravelbike-Fans ist, besteht beim klassischen Trailbiken noch Nachholbedarf.
Miriam Eicher von Andermatt-Urserntal Tourismus erklärt, dass derzeit verschiedene neue MTB-Verbindungen diskutiert werden. Unter anderem fehlt noch eine attraktive Verbindung vom Nätschen hinunter nach Andermatt.
Besonders viel Potenzial bietet der Höhenweg oberhalb des Furkapasses Richtung Andermatt. Problematisch ist derzeit lediglich die Einfahrt in die Schöllenenschlucht, wo Mountainbiker aktuell direkt auf eine stark befahrene Strasse gelangen. Eine Brücke als Umfahrungslösung steht bereits zur Diskussion.
Das «St. Gotthard Bike Labyrinth»
Als grosses Vorzeigeprojekt gilt das «St. Gotthard Bike Labyrinth». Die rund 182 Kilometer lange Mountainbike-Runde verbindet die Kantone Uri, Tessin, Wallis und Graubünden rund um das Gotthardmassiv.
Die Strecke kombiniert spektakuläre Alpenlandschaften mit einem hohen Singletrail-Anteil und verbindet bekannte Alpenpässe wie:
- Furka
- Nufenen
- Lukmanier
- Oberalp
Besonders spannend: Viele Passübergänge lassen sich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.
Das Projekt wurde mit rund 2,6 Millionen Franken gefördert und erforderte jahrelange Planung zwischen Kantonen, Tourismusorganisationen und privaten Akteuren.
Remo Eberle war auch hier massgeblich beteiligt. «Vier Jahre dauerte allein die Planungsphase», erzählt er.
Bereits heute ist die Runde in beide Richtungen fahrbar, auch wenn einzelne Trailabschnitte noch finalisiert werden.
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«Just Ride» in Disentis Sedrun
Vom 21. bis 23. August 2026 findet in Disentis Sedrun erneut das Bike-Festival «Just Ride» statt.
Die Teilnehmenden erwartet:
- Über 300 Kilometer Trails und Weg
- Geführte Touren
- Freeride-Angebote
- Kids-Bike-Programm
- Workshops und Community-Rides
Passend dazu soll auch das Trailbau-Camp 2026 erneut durchgeführt werden.
Mountainbike-Zukunft rund um den Oberalppass
Disentis Sedrun und Andermatt verfolgen ein gemeinsames Ziel: eine moderne, kantonsübergreifende Bike-Destination rund um den Oberalppass zu schaffen.
Statt nur über neue Trails zu sprechen, wird hier aktiv gebaut, saniert und vernetzt. Genau deshalb dürfte die Region in den kommenden Jahren zu den spannendsten Mountainbike-Destinationen der Schweiz gehören.