Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen nach dem Winter zuverlässig über 25 Grad steigen, fällt die Entscheidung leicht: raus aufs Bike. Ob spontane Feierabendrunde oder ausgedehnte Tagestour – der Sommer weckt die Lust aufs Radfahren, auf neue Strecken und grössere Abenteuer. Genau dann beginnt auch die Planung: neue Regionen entdecken, unbekannte Pässe erklimmen und Touren fahren, die landschaftlich wie fahrtechnisch in Erinnerung bleiben. Eine solche Gravelbike-Tour erwartet dich rund um den Col de la Croix bei Villars.
Tourdaten im Überblick: Gravelbiken um den Col de la Croix
Auf dem Papier wirkt die 49 Kilometer lange Runde mit 1370 Höhenmetern und einer Schwierigkeit von 3 von 5 zunächst kompakt und moderat. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass sie mit dem Gravelbike durchaus fordernd ist. Der abwechslungsreiche Mix aus 60 Prozent Asphalt und 40 Prozent Schotter sorgt für ein vielseitiges Fahrerlebnis, das sowohl Ausdauer als auch Fahrtechnik verlangt. Charakteristisch sind die gleichmässigen, gut zu fahrenden Anstiege, die immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die Region freigeben, sowie die teils technisch anspruchsvollen Abfahrten, die Konzentration und Bike-Handling erfordern. Die Route bei Villars-sur-Ollon führt durch eine spektakuläre Gebirgslandschaft und lebt vom ständigen Wechsel der Szenerie – von offenen Panoramapassagen bis hin zu ruhigeren, naturbelassenen Abschnitten. Befahrbar ist die Tour in der Regel von Mai bis November, wobei im Frühjahr oberhalb von etwa 1500 Metern noch mit Schneefeldern zu rechnen ist – im Sommer sind diese dann verschwunden. Wer hier in die Saison startet, bekommt eine Gravelbike-Runde geboten, die trotz ihrer scheinbaren Kürze mit alpinem Charakter, Vielseitigkeit und echtem Abenteuergefühl überzeugt.
Perspektivwechsel: Für Rennrad-Pros und Gravel-Enthusiasten
Für Rennradfahrer ist der Col de la Croix ein Klassiker, geadelt von der Tour de Suisse und der Tour de France. Doch der Übergang von Villars-sur-Ollon über dem Rhonetal nach Les Diablerets punktet auch mit einer weltmeisterschaftsreifen Gravel-Variante. Der Teerbelag endet inmitten der grünen Wellen der Alpwiesen bei Bretaye. Das dunkelgraue Band, das sich gleichmässig und ohne Rampen durch den schattigen Bergwald geschlängelt hat, löst sich auf. Es changiert zu hellem, festem Schotter. Das Knirschen der Reifen mischt sich mit dem ruhigen Klang der Kuhglocken, den der Wind über die Weideflächen trägt. Der Blick schweift über die Landschaft: tief unten das Rhonetal, am Horizont die Felszacken der Dents du Midi. Der Col de la Croix ist für Velo-Enthusiasten kein Geheimtipp. Viele sind den 1776 Meter hohen Pass schon mit dem Rennrad gefahren. Er verbindet Les Diablerets mit Villars-sur-Ollon und dem Rhonetal. Die Tour de Suisse war hier. Die Tour de France auch. Doch dass derselbe Pass eine Gravel-Version bereithält, wissen (noch) die wenigsten. Diese alpine Runde bietet neben geteerten Passagen Schotter, Singletrails und eine Schlusseinkehr, die jeden Ernährungsplan sprengt.
Villars etabliert sich als Velo-Destination: Tour de France, Gravel-WM 2029 und mehr
Die Macher im radsportbegeisterten Ort Villars haben sich etwas vorgenommen. 2029 gastieren die UCI Gravel-Weltmeisterschaften in Villars. Und die Schotterrunde am Col de la Croix wird das Herzstück der Grossveranstaltung. Schon jetzt misst sich hier im Juli die internationale Gravel-Elite: The Majestics UCI, Teil der UCI Gravel World Series und Qualifikationsrennen für die Weltmeisterschaften, zieht rund 400 Fahrer an den Start – Profis und Amateurfahrer gemeinsam.
Die Rennen der dritten Ausgabe finden vom 10. bis zum 12. Juli 2026 statt. Die Gravel-Runde beginnt entspannt auf dem Sonnenplateau über dem Rhonetal. Ab Villars rollt man die ersten Kilometer sanft dahin, durch die Weiler Les Ecovets und Plambuit, bevor der Anstieg nach Bretaye beginnt. Keine Rampen, die einem gleich am Anfang den Saft aus den Beinen ziehen. Die gleichmässige Steigung lädt ein, in Ruhe einen harmonischen, kontrollierten Rhythmus zu finden. Gut so. Denn sobald man den Wald verlässt, geht es auf geschotterten Alpwegen weiter. Die können auch mal rau sein, rütteln Fahrer und Material durch. Das kostet Kraft.
Zwischen Gipfeln und Weite: Gravel-Abenteuer in Villars-sur-Ollon
Zwischen Bretaye und dem höchsten Punkt der Tour folgt die Route dem Verlauf des The Majestics UCI Gravel-Rennens – und spätestens hier zeigt die Runde ihren echten Charakter. Das Terrain wird anstrengender, selektiver, die Belastung konstanter. Hinter weiten Alpwiesen ragt das über 3000 Meter hohe Massif des Diablerets eindrucksvoll in den Himmel. Am Kulminationspunkt auf 1810 Metern angekommen, öffnet sich der Blick in alle Himmelsrichtungen – ein Moment zum Durchatmen, bevor es weitergeht. Rund um die Passhöhe des Col de la Croix (1776 m) ist die Strecke kurz geteert, ehe sie wieder deutlich rauer wird. Die folgende Abfahrt nach Taveyanne führt über kurze Singletrail-Abschnitte (S1, stellenweise S2). Was mit dem Mountainbike spielerisch wirkt, verlangt auf dem Gravelbike deutlich mehr Präzision. Jede Unebenheit überträgt sich direkt in Beine und Unterarme, die schmaleren Reifen erfordern eine saubere Linienwahl. Genau dieser Mix aus Herausforderung und Flow macht den Reiz aus – wer es entspannter angehen möchte, kann jederzeit auf die Asphaltvariante, die sogenannte «Chicken-Line», ausweichen.
So oder so: Die wohlverdiente Belohnung wartet bereits. Das Refuge de Solalex, gelegen unterhalb der imposanten Kalksteinwand des Miroir d'Argentine, ist der perfekte Ort für eine genussvolle Pause. Ein Blick auf die Speisekarte genügt, um die Entscheidung leicht zu machen. Die Spezialität des Hauses – Le Modzet de la Véronique mit Käse, Kartoffeln, Speckwürfeln und Zwiebeln, serviert mit Weisswein – ist vielleicht keine klassische Sportlernahrung, aber genau das Richtige nach einer intensiven Tour. Das sanfte Schlussstück auf Asphalt zurück nach Villars gelingt selbst im Käsekoma mühelos.
Dass diese Runde weit mehr ist als nur eine schöne Feierabendtour, zeigt sich nicht zuletzt in ihrem internationalen Bezug: «Auf den Spuren der UCI Gravel World Series – die Gegend um Villars mit dem Massif de Diablerets zählt zu den attraktivsten alpinen Gravel-Routen in der Schweiz», bringt es Alain Rumpf auf den Punkt.
Häufig gestellte Fragen zu Gravelbike-Touren bei Villars-sur-Ollon
Wann ist die beste Zeit, um in Villars-sur-Ollon mit dem Gravelbike zu fahren?
Die beste Zeit, um rund um Villars-sur-Ollon mit dem Gravelbike unterwegs zu sein, liegt in der Regel zwischen Mai und November. In diesen Monaten sind die meisten Wege gut befahrbar und bieten ideale Bedingungen für abwechslungsreiche Touren. Allerdings kann es – je nach Winter, aktueller Wetterlage und Höhenlage – auch in den späten Frühlings- oder frühen Herbstmonaten noch vereinzelt Schneefelder geben, insbesondere in höheren Lagen.
Wo kann ich in Villars-sur-Ollon gut übernachten?
In Villars-sur-Ollon findest du eine grosse Auswahl an Unterkünften – von gemütlichen Lodges bis hin zu komfortablen Hotels inklusive Spa-Angeboten. Eine besonders hilfreiche Übersicht gibt es auf alpesvaudoises.ch, wo du zahlreiche Optionen vergleichen und direkt buchen kannst. Vor Ort profitierst du zudem vom Know-how der Mitarbeitenden in Hotels und Tourismusbüros: Sie geben dir wertvolle persönliche Tipps zu Gravel-Routen, aktuellen Bedingungen und Highlights in der Region.
Gibt es Mietmöglichkeiten für Gravelbikes in Villars?
Ja, in Villars-sur-Ollon gibt es mehrere Sportgeschäfte, die moderne Gravelbikes und Zubehör vermieten. So kannst du auch ohne eigenes Bike die Region erkunden. Die Mitarbeitenden vor Ort beraten dich gerne bei der Wahl des passenden Equipments und geben dir zusätzlich Tipps zu geeigneten Touren.
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