Baden – Nyon: 400 km Jura

  1. Regionen & Touren
  2. Touren
  3. Baden – Nyon: 400 km Jura
Datum: 24.08.2026

Der Jura ist kein Gebirge für den schnellen Triumph. Die Gravel Trans Jura verlangt mehr Zeit, mehr Geduld. Aber wer sich darauf einlässt, wird belohnt: mit stillen Hochtälern, schroffem Kalkstein, endlosen Trockenmauern und Aussichtsbalkonen mit Blick bis zum Montblanc. Die Strecke von Baden nach Nyon ist ein mehrtägiges Gravel-Abenteuer durch eine Schweiz, die oft im Schatten der Alpen steht — und hinter jeder Gebirgsfalte anders aussieht.

Gravel Trans Jura im Detail

Grosse Unternehmungen beginnen nicht mit den ersten Metern Schotter. Sondern am Vorabend, mit einer Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung. Noch ist alles sauber und ausgeruht: Kette, Schuhe, Beine, Kopf. Noch sind die über 400 Kilometer bis Nyon nur eine Linie auf dem GPS-Gerät.

Das Trafo Hotel in Baden ist ein passender Startblock für dieses Vorhaben: ein Bikehotel mit industriellem Charme, urban, unkompliziert, nah am Bahnhof und nah an der Altstadt. Draussen die Limmat, Kopfsteinpflaster und die warmen Quellen, die Baden seit Jahrhunderten seinen Ruf als Kurort geben. Drinnen sortiert man Taschen, lädt die Geräte, checkt noch einmal die Route — und realisiert langsam, dass das hier keine Feierabendrunde wird. Vor einem liegen Wälder, Jurahöhen, Schotter, Stille und mehrere Tage bis an den Genfersee.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

1. Baden – Km 0 – 383 M.ü.M.

Schon ganz am Anfang der Strecke macht Baden seinem Namen alle Ehre. Aus einem Brunnen am Limmatufer sprudelt Thermalwasser — eine warme Erinnerung daran, dass man hier auch ganz anders in den Tag starten könnte. Das GPS deutet allerdings eine andere Geschichte an: 11’000 Höhenmeter, mehrere Tage Jura. Für ein Mittelgebirge sind das stattliche Zahlen. Aber der Jura ist nicht wegen eines einzelnen Anstiegs gross. Das Abenteuer liegt in der Summe: ein Rücken, ein Tal, eine Rampe, eine Abfahrt, dann die nächste Linie am Horizont. Man fährt nicht über den Jura hinweg. Man arbeitet sich durch seine Falten.

2. Naturpark Thal – Km 97 – 
1145 M.ü.M.

Die Kilometerzahl wird schon bald dreistellig. Mehrfach wurde die Tausender-Höhenlinie bereits überquert. Langsam zeigt sich der Charakter der Route. Während die erste Falte bereits hinter einem liegt, zeichnet sich am Horizont längst die nächste ab. Asphalt geht über in Schotter, Schotter in Waldwege, Waldwege zurück auf Asphalt. Der Kalk des Jura färbt viele Wege hell, beinahe weiss. Selbst an trüben Tagen scheint der Untergrund das Licht zu reflektieren – und erinnert einen daran, worauf man sich hier eigentlich bewegt: auf dem ehemaligen Grund eines tropischen Meeres, auf den versteinerten Überbleibseln von Korallenriffen und Meerestieren. Und dann ist da immer wieder diese Aussicht. Salhöhe, Belchenflue, die Höhenzüge des Aargauer Juras – sie alle zeigen dieselbe Besonderheit: Der Jura ist ein endloser Aussichtsbalkon.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

3. Tour de Moron – Km 128 – 
1336 M.ü.M.

Grosse Unternehmungen beginnen nicht mit den ersten Metern Schotter. Sondern am Vorabend, mit einer Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung. Noch ist alles sauber und ausgeruht: Kette, Schuhe, Beine, Kopf. Noch sind die über 400 Kilometer bis Nyon nur eine Linie auf dem GPS-Gerät.

Das Trafo Hotel in Baden ist ein passender Startblock für dieses Vorhaben: ein Bikehotel mit industriellem Charme, urban, unkompliziert, nah am Bahnhof und nah an der Altstadt. Draussen die Limmat, Kopfsteinpflaster und die warmen Quellen, die Baden seit Jahrhunderten seinen Ruf als Kurort geben. Drinnen sortiert man Taschen, lädt die Geräte, checkt noch einmal die Route — und realisiert langsam, dass das hier keine Feierabendrunde wird. Vor einem liegen Wälder, Jurahöhen, Schotter, Stille und mehrere Tage bis an den Genfersee.

4. Chasseral – Km 191 – 1577 M.ü. M.

Es ist der höchste Punkt der Route. Aber längst nicht die letzte Falte. Fast 200 Kilometer liegen hinter einem. Offene Höhen, lange Kämme und unzählige Trockenmauern. Dann erscheint die markante Sendeantenne – wie eine absurde Rakete, entworfen von einem grössenwahnsinnigen Bond-Bösewicht. Dahinter öffnet sich die Landschaft. Viele Gipfel sind höher als der Chasseral. Aber nur wenige Aussichten reichen weiter. Vor einem breitet sich das Mittelland aus, dahinter türmen sich die Bergketten der 3000er und 4000er auf. Kaum irgendwo sonst wirkt die weisse Wand der Alpen eindrücklicher als vom Jura aus betrachtet.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

5. Val-De-Travers – Km 248 – 755 M.ü.M

Selbst das bekannteste Tal der Route macht im Jura nicht das, was Täler normalerweise tun: Es liegt falsch herum. Nicht umsonst bedeutet Val de Travers wörtlich «Quertal». Während die meisten den Falten des Gebirges folgen, schneidet dieses Tal quer durch sie hindurch. Das wirkt eigensinnig. Und genau das passt zu dieser Gegend. Einst wurde hier der Absinth erfunden. Aber nachdem die grüne Spirituose Anfang des 20. Jahrhunderts verboten wurde, verschwand sie nicht. Viele Familien brannten heimlich weiter – in Kellern, Scheunen und abgelegenen Waldhütten. Über Jahrzehnte entstand eine Schattenwirtschaft, von der fast jeder wusste. Und über die kaum jemand sprach.

6. Creux du Van – KM 265 – 1400 M.ü.M.

Auf alten Karten taucht für den Creux du Van gelegentlich noch ein anderer Name auf: «Creux du Vent» – Tal des Windes. Das passt. Denn hier wirkt der Jura plötzlich nicht mehr sanft gefaltet, sondern aufgerissen. Wind, Wasser, Eis und Zeit haben einen gewaltigen Felsenkessel in den Kalk gefressen. Rund 200 Meter fallen die Wände fast senkrecht ab. Oben öffnet sich eine Arena aus Stein, unten liegt Wald, und irgendwo dazwischen erspäht man mit etwas Glück Steinböcke und Gämsen in den Felsen. Der Creux du Van ist einer dieser Orte, die kaum noch verborgen sind. Zu eindrücklich, zu leicht zu fotografieren, zu perfekt für das schnelle Bild. Und trotzdem bleibt er mehr als ein Aussichtspunkt. Nach all den Kilometern «auf dem Jura» bietet sich hier ein ungewöhnlicher Anblick: ein kurzer Blick hinein, ins Innere der Faltenkette.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

7. Romainmôtier – Km 322 – 689 M.ü.M.

Mit jeder Falte verändert sich die Landschaft. Und manchmal verbirgt sich zwischen ihnen etwas völlig Unerwartetes. Romainmôtier ist ein solches Beispiel. Keine 600 Menschen leben hier. Die alten Häuser drängen sich rund um die ehemalige Klosteranlage. Rosen ranken über Steinmauern, schmale Gassen führen durch den historischen Ortskern. Wer auf Gravel-Pneus hier hindurchrollt, fühlt sich für einen Moment eher im Burgund als im Jura. Solche Orte sind es, die die Monotonie der Höhenmeter immer wieder durchbrechen.

8. Vallée de Joux Km 345 – 1036 M.ü.M.

Im Waadtländer Jura verändern sich die Dimensionen. Die Dörfer liegen weiter auseinander. Die Wälder werden weitläufiger. Wald und Weide gehen fliessend ineinander über. Einzelne Fichten stehen mitten auf offenen Weiden. Mauern verschwinden im Wald und tauchen wenig später wieder auf. Erstaunlich, dass in den Falten dieser abgelegenen Landschaft einige der präzisesten Maschinen der Welt entstanden sind. Uhrmacher-Namen wie Jaeger-LeCoultre oder Audemars Piguet sind eng mit der Region verbunden. Aber ihre Geschichte beginnt nicht in luxuriösen Ateliers, sondern in den langen Wintern. Wenn die Felder unter Schnee lagen und die Bauern wenig Arbeit hatten, blieb Zeit für feine mechanische Arbeiten. Aus dieser Notwendigkeit entstand ein Handwerk, das dem Tal zu Weltruhm verhalf.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

9. Col du Marchairuz – Km 362 – 1361 M.ü.M.

Während man am Chasseral über den Jura hinwegblickt, taucht man am Marchairuz in ihn ein. Wald und Weide sind hier kaum voneinander zu trennen. Kühe stehen zwischen einzelnen Fichten. Lichtungen öffnen sich und schliessen sich wieder. Die Wege sind breit, die Schotterstrassen schnell. Und es ist erstaunlich still. Nirgends auf der Route kommt man leichter in diesen eigentümlichen Gravel-Rhythmus. Die Route ist weniger technisch als viele Abschnitte im Berner Jura. Weniger dramatisch als der Creux du Van. Dafür fliesst die Strecke hier fast mühelos dahin.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

10. La Barilette – Km 398 – 
1422 M.ü.M.

Nach mehreren Tagen im Sägezahnprofil sind die Beine müde. Der letzte grosse Anstieg liegt vor einem. Dann erscheint die markante Radarkuppel auf dem La Dôle. In der Wetterstation werden Wind und Niederschlag gemessen. Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h sind hier keine Seltenheit. Für die Route markiert der Berg einen Wendepunkt. Hinter der letzten Falte wartet keine weitere mehr. Und dann hat man plötzlich das Ziel vor Augen: Nyon, der Lac Léman, die Weinberge der La Côte. Nach Tagen im Inneren des Jura öffnet sich die Landschaft noch einmal. Nicht als weiterer Prüfstein, sondern als Versprechen: Jetzt geht es runter. Bald kommt man an.

11. Nyon – Km 419 – 375 M.ü.M.

Mit jedem verlorenen Höhenmeter verändert sich die Luft. Die kühle Jurabrise bleibt oben zurück. Unten warten Nyon, die Weinberge und die fast schon mediterrane Wärme des Genfersees. Nach über 400 Kilometern fühlt sich selbst das Ausrollen durch die Stadt wie ein kleiner Luxus an. Kopfsteinpflaster, Seeluft, Schloss, Hafen, vielleicht ein Sprung ins Wasser. Wer hier direkt wieder abreist, verpasst vielleicht das Beste: Nyon ist kein Zielstrich, sondern ein Ort zum Ankommen und Runterkommen. Hinter einem liegen einsame Wälder, stille Dörfer und zahllose Kilometer weisser Schotter. Viele halten den Jura für die kleinen Alpen. Doch das trifft es nicht. Die Gravel Trans Jura ist ein grosses Abenteuer: weniger dramatisch auf den ersten Blick, aber reich an Momenten, die bleiben. Gerade weil man sich Zeit nehmen muss. Gerade weil die Route nicht alles auf einmal offenbart. Sondern Falte für Falte.

Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
Baden – Nyon: 400 km Jura
© Tom Malecha

Individuell oder gemeinsam

Die Strecke führt von Baden im Aargau bis nach Nyon am Genfersee – über rund 400 Kilometer und 11‘000 Höhenmeter. Unter ridegravel.ch/transjuraindividual erhalten Interessierte gegen eine Gebühr von CHF 39.– nicht nur Zugriff auf den GPX-Track, sondern auch auf die eigens entwickelte Gravel Trans Jura App mit allen wichtigen Informationen entlang der Strecke: Übernachtungsmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten, Bike-Shops und Verpflegungsmöglichkeiten. So kann die Route von April bis Oktober jederzeit auf eigene Faust gefahren werden.

Wer dieses Radabenteuer lieber im Kollektiv erleben möchte, hat im Juni Gelegenheit dazu. Beim Gravel Trans Jura gehen die Teilnehmenden gemeinsam an den Start, können danach aber völlig ohne Wettkampfstress und im eigenen Tempo unterwegs sein. Ob Hotelübernachtung oder Isomatte – die Gestaltung der Reise bleibt jedem selbst überlassen. Sechs Tage haben die Teilnehmenden Zeit, Nyon zu erreichen. Dass die Strecke tatsächlich zurückgelegt wurde, wird mittels der digitalen Stempelkarte in der App und Checkpoints entlang der Route dokumentiert.

Text: Tom Malecha
Fotos: Tom Malecha

Weitere Artikel, Tests und Touren

  • Menschen
    17.08.2026
    Darco Cazin: Von Trail-Visionen und der Poesie des Bikens

    Kaum einer hat professionellen Trail-Bau und Mountainbike-Tourismus so geprägt wie der Bündner DARCO CAZIN. Führende Bike-Destinationen weltweit tragen seine Handschrift. Heute betreut er ausgewählte [..]

  • E-Mountainbikes
    Test
    Specialized S-Works Turbo Levo R im Test

    Mit dem S-Works Turbo Levo R schickt Specialized einen leichten Bruder des bulligen Levo 4 auf die Trails. Mit weniger Federweg, weniger Gewicht und demselben kraftvollen Antrieb versprechen die [..]

  • Aktuelles
    17.08.2026
    Gravel-Trend erreicht das Sunstar Hotel Lenzerheide

    Das Gravelbiken gewinnen auch in der Ferienregion Lenzerheide an Bedeutung. Das Sunstar Hotel Lenzerheide richtet sein Angebot deshalb stärker auf den Sport aus und bietet neben Velokeller, [..]

  • City-Rides
    18.08.2026
    City Ride Chur

    Ob auf dem Weg ins Bündner Oberland, ins Tessin oder gleich weiter nach Italien: Chur ist seit Jahrhunderten eine Stadt der Durchreise, die allzu oft links liegen gelassen wird. Völlig zu Unrecht. [..]

Drücken Sie die Eingabetaste zum Suchen