Von der Station mit der markanten «Himmelskurve» führt ein Wanderweg in angenehmem Gefälle bergab. Ein absoluter Klassiker, und eins der Herzstücke der «Bernina Express Tour». Der Trail ist perfekt zum Einrollen: ein flowiger Slalom zwischen scharfkantigem Granit, der bei falscher Linienwahl schon mal einen Durchschlag kostet. Heute ist dort kein Mensch zu sehen, und wir haben freie Fahrt. In der Hochsaison sollte man diesen Trail aber eher meiden: Er zählt zu den meist frequentierten am Berninapass, sodass dann weder Mountainbiker noch Fussgänger viel Spass aneinander hätten.
«TRAIL RECYCLING»
Doch auch im weiteren Verlauf lässt sich der Weg nicht lumpen. Jetzt wieder deutlich zahmer, lädt er zum spielerischen Cruisen im schattigen Bergwald ein. Ein umgestürzter Baum angelt beim Unterqueren nach dem Rucksack. Immer wieder lassen sich Bodenwellen zu kleinen Kickern umfunktionieren, während der dicke Nadelteppich ein Shredding mit reinem Gewissen erlaubt. Nach einer Spitzkehre steuern wir auf den Grund der Cavagliasco-Schlucht zu und bestaunen schliesslich Matteos und Francescos Meisterwerk: wohl die einzige Seilbahn des Valposchiavo, gebaut ausschliesslich für den Bike-Transport. Solcherart von der Last des Velos befreit, lässt es sich doch gleich weit entspannter über die glatten Felsblöcke im Wildbach balancieren!
KEIN SKIGEBIET, KAUM BIKER?
Dass Touristen zunehmend auf Nachhaltigkeit Wert legen, und «agritouristische» Angebote immer stärker nachgefragt werden, spielt dem Valposchiavo dabei in die Karten. Selbst im stark von Bio-Produktion geprägten Graubünden nimmt das Valposchiavo eine einsame Spitzenposition ein. Hier werden 94 Prozent der Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet. Mit der Initiative «100 % Valposchiavo» versucht man nun seit einigen Jahren, die aus dem Bioanbau resultierende Wertschöpfung im Tal zu halten. Restaurants und Hoteliers kaufen direkt beim Biobauern vor Ort, sodass eine lokale Kreislaufwirtschaft entsteht, von der Touristen profitieren. «Seilbahnen und Flowtrails sind für uns weder machbar noch finden wir sie erstrebenswert», konstatiert Kaspar Howald. «Wir bieten Slow Food und Slow Biking auf Wegen mit teils historischer Bedeutung, auf denen man das Valposchiavo hautnah kennenlernen kann!»
Geschichte AUF STOLLENREIFEN
Spätestens, wenn man nach solch einer Tour wieder den Bernina Express zurück ins Valposchiavo nimmt, wird auch dem ärgsten Bio-Muffel klar, dass dieses Tal weit mehr bietet als touristische Durchschnittskost. Und da man dort ja auch regelmässig neue Trails aus dem Hut zaubert, ist die Gefahr einer Wiederholungstat durchaus gegeben.
Touren und Infos
Der Ciak si Gira ist eine Variante im unteren Drittel des Passo Bernina, und gleichzeitig ein fahrtechnisches wie landschaftliches Highlight. Die Schlüsselpassage fahren nur Kaltblütige, alle anderen schieben kurz, und haben immer noch 3,5 Kilometer Trail vor sich.
Details
- Schwierigkeit: Fahrtechnik 4,
- Ausdauer 1
- Distanz: 10,3 km
- Höhendifferenz: - 50 m, +1130 m
2. San Romerio
Insgesamt 1530 Höhenmeter Anstieg sind die Eintrittskarte für eine megaspassige Trailquerung, auf der sich immer wieder tolle Ausblicke auftun. Die Wallfahrtskirche San Romerio ist ein Highlight für sich. Die direkte Trailabfahrt zum See ist eine fahrtechnisch anspruchsvolle Variante.
Details
- Schwierigkeit: Fahrtechnik 2
- (Variante: 4), Ausdauer 3
- Distanz: 23,6 km
- Höhendifferenz: -1530 m, +1530 m
3. Col d'Anzana
Für den Anstieg wird meist auf einen Shuttle zurückgegriffen, der gut 600 Höhenmeter einspart. So bleibt genügend Kraft für die nicht enden wollende Singletrailabfahrt nach Tirano. Zurück geht's mit dem Bernina Express.
Details
- Schwierigkeit: Fahrtechnik 3,
- Ausdauer 3
- Distanz: 23,6 km
- Höhendifferenz: -1150 m, +1800 m
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