Tiefenmeter statt Midlife Crisis
«So ein Midlife-Crisis-Ding»
Gusti Wildhaber vom Cube Action Team (rechts) startete zusammen Tim Bratschi (Bold Cycles). Die beiden wurden schon im Vorfeld als Favoriten gehandelt und fuhren das Rennen souverän von vorne nach Hause.
Gusti Wildhaber: «Genau das, was der Enduro-Sport braucht
Ich fahre ziemlich viele Events. Und das Rennen in Davos ist genau das, was ich unter Enduro verstehe. Drei Tage, verschiedene Stages ohne ein Training. Klar, ich komme aus der Gegend und kenne hier viele Strecken. Trotzdem macht es immer wieder Spass, die Trails im Rennmodus zu fahren. Und: Es ist ein gutes Level hier, mit fast 500 Leuten am Start und ganz vielen Tiefenmetern. Das ist absolut das, was der Enduro-Sport braucht.
Dazu kommt die lockere Atmosphäre und ein bisschen Party, auch wenn diese im grossen Rahmen in diesem Jahr leider ausfallen musste.
Ja, bei mir ist Party sowieso ein bisschen weniger. Ich hab‘ jetzt zwei Kinder, meine Frau ist schwanger mit dem dritten, somit hat sich das bei mir eh erledigt. Aber klar, das ist schade. Die Leute stehen hier und wollen noch gemeinsam etwas trinken. Die Situation lässt das halt zurzeit nicht zu. Aber es ist trotzdem schön, dass das Event überhaupt stattfinden konnte.
Wenn du als Profi-Racer dieses Event gegenüber der Enduro World Series (EWS) einordnen müsstest: Wie viel härter ist ein EWS-Rennen und ist so ein Event für dich dann eine reine Hobby-Veranstaltung?
Erstmal, die Stages hier sind absolut auf dem Niveau der EWS. Wir hatten hier Stages mit 800 bis 900 Tiefenmetern. Ich war heute komplett am Limit mit den Armen. Auch physische Aspekte sind hier mit dabei, die Schwierigkeit hier ist genauso wie bei einem EWS-Rennen. Hut ab vor jedem Fahrer, der das hier zu Ende fährt. Das Level war absolut vorhanden. Zudem: Es waren ein paar schnelle Jungs am Start, wie Joe Barnes oder Joe Connell, beide übrigens Top-30 in Zermatt. Oder das Team Bratschi, zwei Jungs aus der Schweiz. Es gibt keine Hobby-Races mehr. Überall wo eine Startlinie ist und die Zeit gemessen wird, sind die guten Leute da. Und: Wenn du Favorit am Start stehst, musst du es erst einmal heimbringen. Wir haben alle Stages gewonnen, kein Crash, kein Defekt – so nach Hause zu gehen, macht richtig Spass.
Ist es gerade in diesem Jahr, in dem viele Rennen Corona-bedingt ausfallen, eine gute Möglichkeit im Rennmodus zu bleiben?
Ja absolut. Ich bin hier schon 2017 mitgefahren. Das hatte mir sehr gut gefallen. 2018 und 19 war ich beides Mal in Whistler, da hatte es sich leider nicht ergeben. Aber ich weiss, wie schön es ist, in Davos Rad zu fahren. Davos ist meiner Meinung nach eine der besten Destinationen der Welt. Nirgends gibt es mehr Lifte, Tiefenmeter und Trails als hier. Und dass ich 2020 hier nochmal fahren durfte, habe ich Corona zu verdanken.
Ob zu zweit, oder in der Fun-Kategorie mit mehreren Startern. In Davos zählt der Team-Gedanke.
Spass haben und das Beste geben
Und die Veranstalter haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, um die vierte Auflage des Rennens für die 450 Fahrerinnen und Fahrer aus 17 Nationen trotz Corona-Chaos und den damit verbundenen Restriktionen in einen Erfolg zu verwandeln.
Die gewerteten neun Stages führen über die besten Trails rund um Davos und Klosters. Und nach einem ordentlichen Prolog starten wir zuversichtlich und auf Platz 36 liegend in den zweiten Tag. Was wir noch nicht wissen als wir gut gelaunt mit den anderen Fahrern die Parsennbahn am Weissfluhjoch verlassen: Tag zwei wird uns ganz schön unsere Grenzen aufzeigen. Aber war es nicht genau das, warum wir uns angemeldet hatten? Auf Stage 4 hinab zur Parsennhütte lässt der fiese Gegenanstieg hoch zur Parsennfurga den Puls nach oben schnellen und die Oberschenkel brennen. Das kann ja heiter werden. Von oben hat man einen fantastischen Blick ins Vereinatal und den eingezuckerten Silvrettagletscher. Doch für Sightseeing ist keine Zeit. Von hinten rauscht ein schnelleres Duo an. Gas geben, dagegenhalten – irgendwann müssen wir sie ziehen lassen…
Das «BORN Mountainbike Team» am ersten von drei Renntagen.
Durchatmen unter der Casanna. Denn Stage 5 «Chalbersäss» bis nach Klosters wird von uns alles fordern.
Dank Sicherheitskonzept und Maskenpflicht auch in den Bergbahnen kann das Mondraker Enduro Team stattfinden.
Einmal einschlagen und mit vollem Elan auf die Stage.
«Hopp, hopp, trampa, trampa!»
Es scheint, dass nicht nur wir auf dieser Stage etwas Federn gelassen haben. Die Einschätzungen der anderen Fahrer reichen von «bizzli rutschig» bis «ganz schön hart». Es wird diskutiert und analysiert. Einige hatten Bodenkontakt. Doch die meisten grinsen, die Stimmung ist gut, die Sonne scheint, das Mittagessen wartet.
Was ebenfalls bei allen Gesprächen anklingt: Wie viel mehr Spass es macht, zu zweit oder auch mit noch mehr Fahrern im Team in der Fun-Kategorie im Rennmodus unterwegs zu sein. Denn jedem Fahrer liegen andere Streckenabschnitte besser, so pusht man sich gegenseitig – und ein technischer Defekt oder ein platter Reifen ist zu zweit viel schneller repariert, als wenn man das alleine regeln muss. Und noch wichtiger. Wenn’s hart wird, hält man trotzdem drauf, denn wer lässt schon gern gegen den Kollegen Zeit auf der Strecke liegen. Und nach der letzten Stage freut man sich gemeinsam auf ein kühles Bier.
Epischer Trail – maximaler Fokus
Wurzeln, Wurzeln, Wurzeln – gar nicht so einfach hier die perfekte Line zu finden.
im doppelten Sinn. Nicht nur die Siegerehrung wurde mit Abstand verfolgt. Auch die Sieger Gusti Wildhaber und Tim Bratschi gewannen mit 1:57 Minuten Abstand vor den zweitplatzierten BIXS Family.
Am Start der letzten Stage an der Chörbschhornhütte. Ausblick geniessen, noch einmal die Kräfte sammeln und Gas geben – auch wenn die Muskeln schmerzen..
«Last Stage Jungs, geniesst es!»
Wir sitzen gemeinsam mit den anderen Teams, belohnen uns mit einem kühlen Bier. Von den Bestzeiten sind wir weit entfernt – und freuen uns dennoch, dass wir die drei Tage ohne harte Stürze oder grössere Defekte überstanden haben. «Ein mega Event», meint Team-Partner Norbert mit einem fetten Grinsen. «Ein bisschen mehr wäre drin gewesen.» Mit der ein oder anderen Stage haben wir noch eine Rechnung offen. Aber wir kommen wieder! Den 2. bis 4. September 2021 haben wir uns zumindest fett im Kalender markiert. So ein Team-Rennen ist was für Wiederholungstäter – auch für eigentliche Nicht-Rennfahrer mit einer leichten Tendenz zur Midlife-Crisis.
All Infos zum Mondraker Enduro Team
Trails und Touren
Die Trails rund um Davos und Klosters sind ein lohnendes Ziel, auch wenn man nicht im Rennmodus unterwegs ist. Hier gibt es alle Infos zu den Mountainbike-Möglichkeiten rund um Davos-Klosters.
Unterkünfte
Während des Rennens waren wir im Hotel Strela untergebracht. Das Hotel gehört zu den Davos-Klosters Bike-Hotels.Diese Hotels haben sich mit diversen Angeboten auf die Bedürfnisse von Bikern spezialisiert.
Guiding und Verleih
Davos Bike Academy: Michi Wild und sein Teamwissen nicht nur, wie man ein mega cooles Rennen organisiert, sondern auch, wo es in Davos und Klosters die besten Trails zu entdecken gibt. Die Bike Academy bietet zudem Fahrtechnik-Trainings, Guiding, Bike-Vermietung und Reparaturen.
Man kann die Trails rund um Davos und Klosters im Rennmodus befahren, man muss aber nicht.
Weitere Artikel und Tests
-
E-MountainbikesTest
Im Test: Mondraker Crafty Carbon R
Effizientes HeizkraftwerkStylisch, sportlich und zugleich komfortabel. Das Mondraker Crafty R besticht nicht nur durch elegante Linien. Sein Fahrwerk und Handling lassen keine Wünsche offen – egal, [..]
-
E-MountainbikesTest
Mondraker Sly RR
Was haben ein Comic-Magier und das Mondraker Sly RR gemeinsam? Beide sind Meister der Illusion! Während Comic-Held Mandrake mit Hypnose seine Gegner täuscht, lässt Mondraker einen Alu-Rahmen fast [..]
-
MountainbikesProduktvorstellung
Mondraker Raze Carbon R
Trail-KönigSchlank und sportlich – das Mondraker Raze Carbon R ist nicht nur für Fans edler Optik ein Objekt der Begierde. Die funktionelle, stimmige Ausstattung und ein edler Carbon-Rahmen [..]
-
E-MountainbikesTest
Im Test: Mondraker Neat R
Mit einem neuen, schlanken Rahmen startet Grafity-Experte Mondraker mit dem Neat R nun auch bei den Light-E-Mountainbikes durch. Im Rahmen unseres Tests «E-MTB-Test 2024: Die elektronischen [..]