Zwischen Altstadt, Aare, Wohlensee und Naturpark Gantrisch zeigt sich Bern von seiner grünen Seite. Fünf abwechslungsreiche Gravel-Touren führen durch Wälder, Hügellandschaften und entlang des Wassers – inklusive Tipps für Einkehr, Übernachtung und Events.
Eben noch rollte man auf geschmeidigen breiten Reifen über abgeschliffenes, altes Kopfsteinpflaster. Ockerfarbene prächtige Sandsteinbauten aus vergangenen Jahrhunderten bildeten die einzigartige Kulisse. Und eh man sich versieht, ist plötzlich alles grün. Glücklich ist, wer in Bern Gravelbike fährt. Bern ist zwar die fünftgrösste Stadt der Schweiz, fühlt sich auf zwei Rädern aber an wie ein grosses Dorf. Nur wenig Agglomeration wuchert, die Natur bahnt sich ihre Wege bis zum Stadtrand. Ein Naturpark kratzt gar an der Stadtgrenze.
Vor dem sportlichen GravelTag ein leckeres Frühstück bei Bread à Porter geniessen.
Im grünen Park
Und der könnte auch als Gravel-Park durchgehen. Der Naturpark Gantrisch reicht bis in die Voralpen, beginnt mit weiten Hügeln und weiterem Blick, Schotterwege als Aufstiegshilfen, Schotterwege als Panoramastrassen, Schotterwege mit Waldkühlung, Schotterwege zum Glück. Im Park gibt es Grün à discrétion und mehr. Gravelbikers Lieblingserrungenschaften der Zivilisation liegen pausentauglich verstreut über den Park: Cafés und Bäckereien – vom Aaretal bis hoch zum Schwarzsee. Wasser hat grosse Teile der Landschaft rund um Bern geformt. Wasser machte Velorouten herrlich flach wie im Gürbetal. Wasser kühlt im Giessenbad mit Bergbachtemperatur. Wasser trägt Schwimmende auf der Aare. Und dann ist da noch der Wohlensee am Stadtrand, der vor über 100 Jahren durch die aufgestaute Aare entstand.
Bern gilt als Velostadt – und zeigt sich auf zwei Rädern überraschend grün und vielseitig.
Auf dem grünen Band
Die Uferwege des Wohlensees sind von schwerem Geäst überdacht, im lauwarmen Seewasser spiegelt sich die Sommersonne, Schwäne schaukeln auf den Wellen. Ein autofreier Uferweg ist auch Radweg. Die E-Bike-Route über den Friesisberg streift hier den Wohlensee. Genauso wie die Highlight-Route «Grünes Band» – eine ländliche Route um die Stadt. Egal, ob mit oder ohne Motor – beide Touren sind für echte Velogeniesser. Bern ist grünes Gravel-Glück und mehr. Weil die selbst ernannte Velohauptstadt noch länger als eine Gravel- auch eine Mountainbike-Szene hat, schlängeln sich auch so einige knackige Abfahrts-Trails durch die bewaldeten Flanken der zahlreichen Stadthügel. Unter Zweiradfans steht der Gurten mindestens so sehr für Trail- wie Musikgenuss. Die Standseilbahn könnte velofreundlicher kaum sein. Der frisch umgebaute Trail lässt nicht nur Könner fliegen, er hat auch ein Herz für Einsteiger. Genauso wie der Swiss Bike Park in Oberried. Von der Lernstrecke für die Jüngsten bis zum Trickparcours für Unerschrockene.
Rasante Abfahrt auf der Gravel-Route Belpberg Gürbe.
In der grünen Aare
In Bern lebt die Velokultur auch dann weiter, wenn das Zweirad geparkt ist. Velogrüppchen treffen sich in den Bars und in den Parks. Selbst in der «Gelateria di Berna» trägt das Personal Velokäppi. Ob ihre Gelati tatsächlich zu den besten der Schweiz gehören, kann man unter anderem in der Filiale gleich neben dem Marzilibad selbst herausfinden. Der Eintritt zum berühmten Aarebad ist gratis, der Sprung in den Fluss nach einer Tour sowieso unbezahlbar. In die Aare, die wie so vieles rund um Bern grün ist.
Highlight der Fern-sichtroute Frienisberg: ein Halt beim 45 Meter hohen Chutzenturm mit beeindruckender Rundsicht
1 | Fernsichtroute Friesisberg (E-Bike)
Eine Tour zu Berg und See. Der Friesisberg ist zwar kein Riese. Doch der Chutzenturm verhilft ihm zu einer der beeindruckendsten Rundsichten in Berns Umland. Nach 234 Stufen reicht der Blick von Titlis bis Moléson. Bei Frieswil geniesst man den letzten Weitblick auf das Seeland und rauscht hinunter zum Wohlensee. Auch er kein Riese, doch seine Ufer sind trotzdem riesig schön. Tipp zum Schluss: Vom Camping Eymatt über Teile der alten Formel-Eins-Strecke nach Bern. Die ist jetzt für Velofahrer reserviert.
- Distanz: 42 km
- Höhendifferenz: 590 m
- Schwierigkeit: 3/5
2 | Grünes Band Bern (E-Bike)
Typisch Bern: Schon wenige Kilometer ausserhalb des Zentrums wird es grün. Durch diesen Grüngürtel führt die Route rund um die Stadt, auf gepflegten Neben- und Schotterstrassen. Empfohlener Start: im auch per Bahn erreichbaren Köniz. In der Wohlei wartet die Aare auf Badende. Der Aufstieg zur nördlichen Stadtseite belohnt mit Postkartenblick auf Stadt und Alpen. Das Belpmoos ist nicht nur Flugplatz, sondern auch Auenlandschaft von nationaler Bedeutung. Und durch das idyllische Köniztal vergehen die letzten Kilometer im Flug.
- Distanz: 58 km
- Höhendifferenz: 660 m
- Schwierigkeit: 2/5
Grünes Band Bern: In nur neun Minuten von der Stadt in der Natur. Im Bild: Wohleibrücke am Wohlensee.
3 | Belperg-Gürbe (Gravel)
Die lange Runde beginnt mit Sightseeing aus dem Sattel, über das Kopfsteinpflaster der Berner Altstadt. Gravelbike sei Dank. Mit dem Chutzen folgt bald der topografische Höhepunkt. Was auch heisst, Panorama! Vom Emmental bis in die Alpen. Wer sich nicht satt gesehen hat, hat Eiger, Mönch und Jungfrau bis zum Wendepunkt in Wattenwil fast ständig vor den Augen. Zurück geht es im Sausetempo durchs topfebene Gürbetal. Bremsen lohnt sich trotzdem: für die wunderbare Gürbebadi in Mühlethurnen.
- Route: Bern – Belp – Wattenwil – Bern
- Distanz: 66 km
- Höhendifferenz: 700 m
- Schwierigkeit: 4/5
4 | Unteres-Hügelland (Gravel)
Eine Strecke fast durchgehend im Naturpark Gantrisch, dieser Voralpenpark wie gemacht für das Gravelbike. Los geht es in einem weiteren Park, dem Swiss Bike Park. Ein Spielplatz für Velofans. Zweimal quert man dann den Fluss Schwarzwasser in seinem tiefen Tal, zweimal über historische Brücken. Die Bütschelegg belohnt mit Kaffee, Kuchen und Alpenpanorama. Lisiberg und Zingghöch sind weitere Aussichtsterrassen.
- Route: Schwarzwasser - Längenberg
- Distanz: 50 km
- Höhendifferenz: 1253 m
- Schwierigkeit: 4/5
Gravel-Paradies in Bern mit spektakulärem Ausblick auf das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau.
5 | Oberes-Hügelland (Gravel)
Welch schönes Auf und Ab. Wer dazu das Guggisbergland summt, ist genau richtig. Die Aussicht vom Strässchen bei Guggisberg, das Mittelland zu Füssen, sie ist so schön wie das älteste Schweizer Volkslied. Gefolgt von wunderbar schattigen Waldpassagen, Bauernhofsiedlungen, Ortschaften mit Bäckereien und Hügelrücken mit Weitsicht landet die Strecke schon bald wieder beim Ausgangsort Schwarzenburg. Der ist perfekt mit dem Zug erreichbar.
- Route: Schwarzenburg – Riggisberg
- Distanz: 58 km
- Höhendifferenz: 1028 m
- Schwierigkeit: 4/5
Übernachten
Jugendherberge
Zentrumsnah zwischen Bundeshaus und Marzilibad. Der Sprung in den Fluss nach der Tour ist Berner Lebensgefühl pur.
youthhostel.ch
Harry’s Home Bern-Ostermundigen
Modernes Hotel im höchsten Wohngebäude des Kantons, dem Bäretower in Ostermundigen. Preiswerte Zimmer, Studios mit Kochgelegenheit und gar Familien-Apartments.
bern.harrys-home.com
Hotel Jardin
Seit Generationen familiär geführtes Hotel im «Breitsch», dem Breitenrainquartier. Mit Stadtvelo-Vermietung.
hotel-jardin.ch
TCS Camping Eymatt
Campingplatz an der Aare und am Radweg durch den Bremgartenwald, früher die Formel-1-Strecke Berns. Auch Bungalows stehen zur Vermietung.
camping-tcs.ch
Essen und Trinken
Adrianos Bar & Café
Der Kaffee-Pionier in der Altstadt beim Zytglogge. Der Kaffee kommt aus der eigenen Rösterei, das eigene Bier von der Aare-Bier Brauerei aus der Region. Schönster Platz: am spektakulären Rundfenster.
adrianos.ch
Casa d’Italia
Der traditionsreichste Italiener in Bern, gegründet 1982. Kein Schickimicki, einfache italienische Küche und Gastfreundschaft. Und: Die Portionengrössen passen für hungrige Radler.
casaitalia.ch
Einstein au Jardin
Freiluft-Café auf der «Pläfe», der Münsterplattform. Ungezwungenes Café mit Selbstbedienung, offen jeweils bis Sonnenuntergang. Perfekt für den Apéro nach der Tour.
einstein-cafe.ch/au-jardin
Gelateria di Berna
Mittlerweile hat die Gelateria Filialen in der ganzen Schweiz. Die erste wurde 2010 an der Mittelstrasse in Bern eröffnet. Noch heute ein Hotspot im Länggassquartier. Die Angestellten tragen Velokäppi – weil die Gründer Velofans sind. Gut so!
gelateriadiberna.ch
Löscher
Wo bis vor wenigen Jahren die Feuerwehrautos der Stadt eingestellt waren, findet man jetzt ein angesagtes Restaurant mit bunt zusammengewürfeltem Interieur.
loescher.be
Park Café Kleine Schanze
Bar/Restaurant im Park der Kleinen Schanze zwischen Bahnhof und Bundeshaus. Die Wiese des Parks wird an lauen Sommerabenden zur erweiterten Barzone.
kleineschanze.ch
Pizzeria da Nino
An lauen Abenden ist die Warteschlange riesig, auf den Trottoirs vor dem Lokal essen alle Pizza. Sehr lecker! Leider Samstag/Sonntag geschlossen.
pizzeriadanino.ch
Events
Bärner Stadtfescht
19.–21. Juni 2026
Nach vier Jahren Pause lebt das Stadtfest wieder auf. Altstadt inklusive Bundesplatz werden zur Partymeile, zur Musikbühne und zur Kulinarikzone.
bernerstadtfescht.ch
Tour de Berne
Juni 2026
Die Tour de Berne ist ein Radrennen für Frauen aller Leistungsstufen und verbindet sportliche Herausforderung mit gemeinschaftlichem Erlebnis. Die 42-Kilometer-Strecke führt von Bolligen bis auf den Bundesplatz in Bern.
tourdeberne.ch
Gravel Ride & Race Bern
Oktober 2026
Der grösste Gravelanlass der Schweiz mit rund 1500 Teilnehmenden. Für Ambitionierte gibt es eine 52-Kilometer-Strecke mit Rangliste, für Geniesser 25 Kilometer ohne. Auch wer nicht fahren mag, kann im Village Velos begutachten und lecker essen.
ridegravel.ch
Gurtenclassic
Oktober 2026
Die gurtenClassic ist eine klassische Strassenrundfahrt rund um Bern mit Ziel auf dem Gurten. Die abwechslungsreiche Strecke bietet allen «Gümmler:innen» und «Gravelbiker:innen» etwas. Garantiert: Aussicht über Jura, Voralpen und Berner Alpen.
gurtenclassic.ch
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