Yeti
SB130 Turq

Text & Fotos: Christian Penning
12.08.2019

Mini-Enduro

Ist es möglich, ein abfahrtsorientiertes Bike auf 29-Zoll-Laufräder zu stellen, das bergauf richtig abgeht? Mit dem neu konzipierten SB130 kurbeln Fahrer, die sich weder auf Uphill noch auf Downhill festlegen wollen, in den Bikerhimmel.
Yeti SB130 TURQ
Trailbike oder Mini-Enduro? Das Yeti SB130 ist wie gemacht für die alpine Langstrecke – sowie für flowige als auch für knifflige Singletrails.
Wieso zählen Trailbikes mit 29-Zoll-Laufrädern mittlerweile zu den angesagtesten Mountainbike-Modellen? Die Antwort ist einfach: weil sie enorm vielseitig sind. Ginge es darum, den Idealtyp eines modernen, universellen Bikes zu entwerfen und diese Modelle in ein Rennen zu schicken, dann hätte das neue Yeti SB130 Turq mit Sicherheit gute Chancen auf einen Podestplatz. Das SB130 ist der komplett neu konstruierte Nachfolger des SB4.5 – mit mehr Federweg – in­spiriert von den harten, ruppigen Trails in den Bergen Colorados. Der Hinterbau mit hochwertigem Fox Factory DPX2 Dämpfer liefert 130 statt bisher 115 Millimeter Federweg. An der Front spendieren die Entwickler dem Bike eine Fox 36 Factory Gabel mit 150 Millimetern Federweg. Yeti hat eben Downhill-Tradition – und das wollen die Macher aus Golden/Colorado auch bei ihrem Trailbike nicht leugnen. Die Geometrie ist moderner, der Reach deutlich länger, der Lenkwinkel zwei Grad flacher als beim Vorgänger. In Kombination mit dem bewährten Switch Infinity Federungssystem klingt das nach ordentlich Bumms auf knackigen Abfahrten. Doch der Reihe nach.

Viel Grip und Vortrieb bergauf

Schwingt man sich in den Sattel, fühlt man sich auf dem Yeti SB130 auf Anhieb wohl. Die Sitzposition ist angenehm neutral. Das Cockpit wirkt durch die serienmässig montierten Spacer auf den ersten Eindruck etwas hoch, was sich in der Praxis aber nicht nachteilig bemerkbar macht. Auf Antritte reagiert das Bike sofort. Es zieht spritzig ab, auch wenn das Gewicht mit 13,5 Kilogramm über dem von stärker Cross-Country-inspirierten Trailbikes liegt. Für ein Fully mit mittlerem Federweg, das auch in die aussterbende Allmountain-Kategorie passen würde, fährt es sich wie eine Turbo-Version. «Klettert sehr ausgewogen, vor allem, wenn der Untergrund fahrtechnisch anspruchsvoll wird. Das Vorderrad klebt förmlich am Boden», notierten die Tester nach ihren Fahrten auf Trails im Vinschgau. Die Sram X01 Eagle 1x12-Schaltung mit 30er-Kettenblatt stellt auch für harte Uphills die passende Übersetzung. Auf steilen Anstiegen entpuppt sich das Bike als williger Kletterer – trotz seiner recht abfahrtsorientierten Geometrie. In welligem Terrain ist das SB130 ein wahrer Wirbelwind und fördert den Spieltrieb des Piloten.
Yeti SB130 TURQ - Carbon Rahmen
HOCHWERTIG: Top verarbeitet ist der Carbon-­Rahmen des SB130. Das Design ist nicht nur edel, sondern auch funktionell: Gummi-Protektoren schützen Ketten- und Sitzstrebe.
Yeti SB130 TURQ - Fox Float Factory DPX2 Dämpfer
SANFT: Der Fox Float Factory DPX2 Dämpfer bildet zusammen mit dem Switch Infinity Fahrwerk die Basis, um grossen und kleinen Hindernissen aggressiv-sanft zu begegnen.

Imponierende Vorstellung bergab

Und bergab? Da schreit das SB130 nach Gas. Natürlich bietet es nicht die Reserven seiner potenteren Verwandten. Doch solange der Trail nicht extrem verblockt wird, ist man auch mit dem SB130 auf der sicheren Seite. Das Fahrwerk spricht sehr fein an, schluckt kleine Wurzeln genauso wie grobe Brocken und bietet dabei ein smoothes und direktes Fahrgefühl, gepaart mit guter Laufruhe. Für Grip und Sicherheit sorgt die Maxxis Reifenkombi aus Minion DHF und Agressor. Die Shimano XT Bremse mit 180-Millimeter-Scheiben verzögert ordentlich. Wer sehr abfahrtsorientiert unterwegs ist, kann überlegen, für noch mehr Bremskraft auf eine Vier-Kolben-Bremse umzurüsten. Doch die würde das Yeti SB130 dann endgültig zum Mini-Enduro machen.
Yeti SB130 TURQ - Steuerrohr Logo
KULT: Das Yeti-Logo ziert das Steuerrohr. Wie es sich für einen Edelrahmen gehört, ist es nicht aufgeklebt, sondern genietet.
Yeti SB130 TURQ - Flaschenhalter
PROST: Dank der neuen Rahmenkonstruktion ist am SB130 nun sogar Platz für eine Trinkflasche.
Yeti SB130 TURQ - Im Test
Jubal Davis
Jubal Davis
Yeti Teamrider
«Der Wechsel auf die neue Bike-Plattform mit dem längeren Reach und der progressiveren Federung erforderte zunächst eine kleine Anpassung, aber hat sich in Bezug auf Geschwindigkeit und Stabilität bezahlt gemacht. Das SB130 ist für mich ein ‹Brot- und Butter-Bike›, das Bike für meine Hometrails, aber auch das Bike für die Reise, wenn ich nicht genau weiss, was mich er­wartet. Denn das SB130 ist vielseitig. Zum einen super verspielt, selbst auf flachen Trails schnell – und robust genug, um ohne Probleme deine Lieblings-DH-Strecke hinunterzupflügen.»
Yeti
SB130 Turq
Spezifikationen
Preis7690 CHF
GrössenS,M,L,XL
MaterialCarbon
FedergabelFox 36 Factory FIT4
DämpferFox Factory DPX2
SchaltungSram X01 Eagle
SchalthebelSram GX Eagle
KurbelSram X01 Carbon Eagle 30T
BremsenShimano XT (180 / 180 mm)
LaufräderDT Swiss 29 M1700
ReifenMaxxis: v: Minion DHF 2.5 / h: Aggressor 2.3
LenkerYeti Carbon 35 x 780 mm
VorbauRace Face Aeffect R
StützeFox Transfer S: 125 mm, M – XL: 150 mm
SattelWTB Custom Volt
Websitewww.yeticycles.com
Geometrie & Daten (Grösse M)
1 Lenkwinkel65.5°
2 Sitzwinkel77°
3 Kettenstrebe433  mm
4 Radstand1205.6  mm
5 Tretlager Höhe337.7  mm
6 Sitzstrebe410  mm
7 Oberrohr (horiz.)601.9  mm
8 Steuerrohr99.2  mm
9 Reach460.2  mm
10 Stack614.8  mm
Federweg vorn150  mm
Federweg hinten130  mm
Gewicht13.5  kg