Cannondale
Jekyll 29 1

Text & Fotos: Christian Penning
12.08.2019

Variabler Trail-Bomber

Mit der Gemini-Dämpfertechnologie hat Cannondale dem neuen Jekyll 29 1 zwei Seelen in die Brust gepflanzt. Der Hustle-Mode verspricht zurückhaltenden Charakter mit reduziertem Federweg. Doch wehe, wenn man per Remote-Control das Fahrwerk entfesselt – dann wird das Bike zum Trail-Bomber, der kaum Wünsche offenlässt.
Cannondale Jekyll 29 1
Eine Macht in grobem Gelände – auf verblockten Trails spielt das Fahrwerk sein ganzes Potenzial aus.
Baby Baby balla balla – genauso wie der Uralt-Song von The Rainbows ist auch das Cannondale Jekyll mittlerweile ein Klassiker – und ein Bike, das zum Ballern einlädt. Enduro World Series Racer Jerôme Clementz jagt damit seit Jahren über die Rennstrecken. Da darf man auch von der neu vorgestellten 29er-Version einiges erwarten – vor allem bergab.

Top-Fahrwerk mit Federwegsverstellung

Wie gut Dr. Jekyll tatsächlich aussah, ist nicht überliefert. Einigen wir uns also auf eine markante Erscheinung. Eine solche ist auch der Carbon-Hauptrahmen mit Aluminium-Schwinge, der das Herzstück des Jekyll 29 1 bildet. Doch wie bei den Versuchen von Dr. Jekyll geht es ja auch beim Cannondale Jekyll nicht in erster Linie um attraktive Optik, sondern darum, ein Ziel zu erreichen. Für Dr. Jekyll war es das Elixier, welches das Gute und das Böse in ihm trennt. Beim Jekyll 29 ist es das Eliminieren von störenden Fahreinflüssen durch Wurzeln, Felsen und sonstigen Hindernissen. Mittel dazu ist ein schluckfreudiges Fahrwerk, dessen Kern der Fox DPX2 Dämpfer mit Gemini-Technologie bildet. Was steckt dahinter? Gemini bedeutet so viel wie Zwilling. Gemeint sind damit die zwei per Remote-Control anwählbaren Modi des von Cannondale und Fox in Kooperation entwickelten Dämpfers. Der Hustle-Mode ist vor allem für schnelle, flowige Trails gedacht und verkürzt den Federweg von 150 auf 120 mm. Auch Zwischensprints oder technische Passagen mit Rhythmuswechseln oder Anstiege lassen sich so besser bewältigen. Der Flow-Modus dagegen stellt die kompletten 150 mm zur Verfügung – für sattes Federungsverhalten im Downhill. 
Cannondale Jekyll 29 1 - Gemini-Dämpfer
Cannondale Jekyll 29 1 - Sram X01 Eagle

Böse wie Mr. Hyde

Geht die Rechnung auf? Bergauf entpuppt sich das Bike im Hustle-Mode als smarter Dr. Jekyll. Die Front ist tief genug, um auch steile Anstiege ohne Aufbäumen zu meistern. Ein Favorit für Bergankünfte wird das 29er Jekyll allerdings nicht. Das Jekyll bietet zwar eine gute Traktion und klettert auch auf wurzeligen und verblockten Passagen ordentlich – aber immer mit Gemach. Bei Bergsprints verpufft doch einiges an Vortrieb in der Federung. Dafür verwandelt sich das Jekyll mit dem Umlegen des Remote-Schalters bergab in einen wilden Mr. Hyde. Der ist wie entfesselt, scheint permanent «schneller, schneller» zu rufen. Kein Wunder, selbst in verblockten Passagen fällt es dem Fahrer nicht schwer, die Kontrolle zu behalten – auch dank der zentralen, leicht gestreckten Position und dem breiten Lenker. Das Bike scheut kein Hindernis und bügelt auch grobe Brocken aus. Fluffig weich rollt das Jekyll 29 über Felsen und Wurzeln. Konstruktionsbedingt spricht der  Hinterbau auch bei harten Bremsmanövern an – und bietet auch bei Fahrsituationen am Limit genügend Traktion. Enge Turns erfordern jedoch etwas Körpereinsatz, denn quirlig und verspielt ist dieses Geländefahrzeug nicht unbedingt. Dafür ist das Jekyll 29 eine brutale Bergabmaschine, wenn man’s richtig laufen lässt. Experiment gelungen!
Cannondale Jekyll 29 1 - Sram Code RSC
Cannondale Jekyll 29 1 - Flaschenhalter
Cannondale Jekyll 29 1 - Im Test
Peter Vallance
Peter Vallance
Global Director of Product Management Mountainbike
«Es war grossartig, vergangenes Jahr mit dem neuen Jekyll zurück ins Enduro-Segement zu kommen. Und es war für uns selbstverständlich, auch eine 29er-Version davon zu bauen. Das Bike ermöglicht dem Fahrer eine andere Sicht auf den Trail, andere Lines zu nehmen oder auch mal die Spur zu verlassen. Der Gemini-Dämpfer verleiht dem Bike mit seinen zwei Modi eine grössere Vielseitigkeit, als sie andere Bikes in dieser Kategorie haben. Im Flow-Modus ist es leistungsfähig und aggressiv. Und in Situationen, in denen der Fahrer mehr Effizienz oder ein direkteres Ansprechverhalten benötigt, also bergauf, beim Pushen durch Anlieger oder beim Absprung, sorgt der Hustle-Modus für mehr Lebhaftigkeit und Spass.»
Cannondale
Jekyll 29 1
Spezifikationen
Preis7499 CHF
GrössenS,M,L,XL
MaterialCarbon Hauptrahmen, Aluminium Hinterbau
FedergabelFox Float Factory 36, FIT Grip2
DämpferFox Float Factory DPX2 EVOL Gemini
SchaltungSram X01 Eagle 1x12
SchalthebelSram X01 Eagle 1x12
KurbelTruvativ Stylo 7K (30 T)
BremsenSram Code RSC (200/180 mm)
LaufräderStan’s NoTubes Flow / Sram 900
ReifenMaxxis, vo.: Minion DHF WT 29 x 2,5 hi.: Minion DHR II WT 29 x 2,4
LenkerCannondale C1 Riser, 780 mm
VorbauCannondale C1, 35 mm
StützeFox Transfer, 150 mm
SattelFabric Scoop
Websitewww.cannondale.com
Geometrie & Daten (Grösse L)
1 Lenkwinkel65°
2 Sitzwinkel75°
3 Kettenstrebe442  mm
4 Radstand1243  mm
5 Tretlager Höhe360  mm
6 Sitzstrebe460  mm
7 Oberrohr (horiz.)636  mm
8 Steuerrohr127  mm
9 Reach463  mm
10 Stack617  mm
Federweg vorn150  mm
Federweg hinten150  mm
Gewicht14.41  kg