Es gibt Trails, die beginnen so spektakulär, dass sich die Abfahrt durchaus mal verzögern kann – und zwar wegen der atemberaubenden Landschaft, die in den Bann zieht. Genau das kann einem auf dem neuen Blauseetrail auf der Riederalp passieren.
SSchon der Start auf der Moosfluh wirkt wie eine Sequenz aus einem epischen Mountainbikefilm: hier der mächtige Aletschgletscher, am Horizont die Walliser Viertausender, weit unten im Talboden die Rhone. Und mittendrin ein «all in one» Trail, der, vorbildlich angelegt, sich durch das alpine Gelände über 1500 Tiefenmeter von der Riederalp bis zum Fluss am Talboden schlängelt. Mit Blick auf den Aletschgletscher startet der verspielte Singletrail auf der Moosfluh.
Schmale Passagen, natürliche Kanten, kleinere Steinfelder wechseln sich mit kurzen Flow-Sektionen. Nichts an dem Abschnitt wirkt geschniegelt. Pures erstklassiges Trailbiking in einmaliger Umgebung. Wenig später glitzert im Blausee, auf Höhe der Mittelstation der Moosfluhbahn, das Wasser im Sonnenlicht. Türkis, fast kitschig und unverschämt fotogen. Hier steht der erste Charakterwechsel hinsichtlich Trailbeschaffenheit an: Seit diesem Sommer ist der Blauseetrail geöffnet. Ein Flowtrail, der kleine Wellen, sauber modellierte Anlieger und Passagen von Sprüngen in sich vereint. Alles wechselt sich harmonisch ab, sodass man hier ständig zwischen Schräglage und Grinsen pendelt. Nichts wirkt übertrieben gebaut oder künstlich aufgeblasen. Stattdessen fährt sich der zu 100 % familientaugliche Trailabschnitt, als hätte er schon immer genau dort hingehört. Man rollt durch Landschaft statt durch Infrastruktur. Der Trail lädt dazu ein, ständig mit dem Bike zu spielen. Man pumpt Wellen, zieht Linien und lässt die Bremsen für die korrekte Geschwindigkeit gerade genug offen. Im Dorf Riederalp wird man direkt an der Talstation der Moosfluhbahn ausgespuckt. Selbstverständlich schreit das nach einer zweiten Runde, falls die Kondition es zulässt. Denn es geht noch weiter!
Von der Riederalp talwärts folgt man dem Riederalp Enduro Trail hinab zur Rhone. Wie es der Name vermuten lässt, vollzieht sich ein weiterer Charakterwechsel. In den steilen und manchen Tags heissen südexponierten Hängen ist Aufmerksamkeit gefragt. Denn mit dem Eintauchen in die Wälder wird auch der Trail anforderungsreicher. Wurzelteppiche, Blockpassagen und steilere Abschnitte erfreuen gerade jene, welche weiter oben fahrtechnisch noch unterfordert waren.
Kurz vor dem Talboden geht es die letzten Meter auf Asphalt nach Mörel. Rund 1500 Tiefenmeter sind es, bis man verschwitzt, aber glücklich an der Talstation ankommt. Was für ein Ritt! Aber in diesen Tag passt noch mehr rein. Deshalb flugs nochmals die Bergbahn besteigen und eintauchen in die spezielle Aletsch-Atmosphäre. Auf der Rieder-, Bettmer- und Fiescheralp gibt’s nämlich keine Autos. Kuhglocken statt Motorenlärm. Das ist die passende Geräuschkulisse für eine weitere Mountainbike-Runde. Gut, dass die Aletsch Enduro Arena mit zahlreichen weiteren interessanten und herausfordernden Trails aufwartet.
«Beim Anblick des Aletschgletschers steht für einen Moment die Zeit still. Da wird sogar der Trail kurz zur Nebensache.»
Nico Renggli
Redakteur
Praktische Informationen zur Tour
CHARAKTER
Alpiner Trail mit Style- und Flowabschnitten, der von der Gletscherzunge des Aletsch hinab an die Rhone verläuft. Gerade der obere und sanftere Streckenteil – der Blauseetrail – lädt Bikende verschiedener Levels ein. Alsbald der Trail in die bewaldeten Hänge abtaucht und man sich damit auf den «Riederalp Enduro» begibt, beginnt es über Wurzeln und Blockwürfe zu schütteln. Solide Kompetenzen sind gefragt. Der oberste Teil verläuft über Shared Trails, also Augen auf, um andere Wegenutzende nicht zu gefährden oder zu stressen.
ROUTE
Von Moosfluh (2333 m) via Blauseetrail zur Riederalp. Von dort aus loopen oder direkt via Riederalp Enduro Trail weiter hinab ins Tal.
DETAILS
Fahrtechnik: 3/5
Distanz: 9.5 km Höhendifferenz:1500 m
SAISON
Juni – Oktober
Tourenkarte & GPX-Download
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