durch die felswüste von san gottardo nach biasca
ist erfrischend anders als das Bild, das man sich gemeinhin vom Tessin macht.
Ein Grund mehr, den südlichsten Kanton vom Alpenhauptkamm aus zu erkunden.
Bei der Vorstellung, sich zu Fuss über diese elende Treppe hinaufquälen zu müssen, fühlt sich die Entscheidung pro Seilbahn einmal mehr als die genau richtige an. Klar hätten wir diese 800 Höhenmeter ansonsten auf einer Strasse überwunden. Doch die ist auch nicht gerade flach, und zudem nach Süden exponiert. Bei den Temperaturen, die sich Mitte Juli im Talkessel vor Airolo bilden, geriete dieses Asphaltband zu einem würdigen Kandidaten für einen «Highway to Hell». Dann lieber doch den «Stairway to heaven» – vor allem aber steigen durch die Standseilbahn unsere Chancen, trockenen Fusses den Gewitterwolken zu entkommen, die bedrohlich aus dem Val Bedretto herausquellen.
Transit auf allen Stockwerken
Bike Route 65 mit zig Singletrails würzen.
Gottardo Bike – Route 65
Den Beweis erbringt Marco schon bald. Nach 200 Höhenmetern Anstieg ist der höchste Punkt erreicht. Nun führt die Strasse in schneller Abfahrt durch die in voller Blüte stehenden Alpwiesen. Immer wieder öffnen sich Tiefblicke auf das Valle Leventina. Eine Viertelstunde cruisen wir dahin, dann führt uns Marco von der Route 65 weg und rollt in Richtung des Alpdorfs Pontino. Hier kosten wir endlich von dem Stoff, aus dem für Mountainbiker die Träume sind. Knapp hinter der Alp verengt sich der Jeeptrack zu einem Singletrail, der bald durch dichten Kiefernwald nach unten zackt. Ausgesetzte Querungen in steilem Gelände lassen ihn uns anfangs noch mit Vorsicht geniessen. Dann aber lässt uns der Trail mit seinen Spitzkehren und Wurzelpassagen alle Register des Fahrkönnens ziehen. Bestens gelaunt spuckt uns der Weg in Airolo wieder aus.
Wetterküche Val Piora
Bei unserem Besuch schlägt das Wetter Kapriolen.
Kuh-Rallye ins Val Blenio
Doch der Einstieg ist haarig. Granitblöcke und hohe Stufen fordern volle Konzentration. Dann aber wird das Gelände flacher und der Trail zerfasert sich in ein Netz aus kleinen, von Kühen getrampelten Wegen. Ein flüssig zu fahrender, alpiner Trail – und doch eine Challenge: Oft gilt es mit einem Blick die Linie zu erkennen, die sich zu einem schmal eingeschnittenen Graben verengen wird, in dem sich die Pedale verfangen. Nach einer Stunde spassigem «Trial and Error» erreichen wir schliesslich die Waldgrenze. Auch hier geizt der Weg nicht mit fahrtechnisch anspruchsvollen Passagen, reizt mit Wurzelteppichen und Fels und gibt uns immer wieder Ausblicke auf das Valle di Blenio frei.
Wir sind zurück in der Zivilisation. In Biasca beginnt der Gotthard-Basistunnel. Von hier wären wir mit dem Zug wieder in zwei Stunden in Zürich. Doch dort zieht es uns im Moment nicht hin. Das Wetter mag zwar ausser Rand und Band sein. Doch das raue «Alto Ticino» mit seinen erstklassigen und wilden Trails hat es uns angetan.
in nur zwei Stunden in Zürich.
Doch da zieht es gerade niemanden hin.
Infos Tessin
Charakter
Route
Nach dem Start wartet ein erster Anstieg über 200 Höhenmeter auf einer geteerten Strasse. Am höchsten Punkt angekommen quert diese oberhalb des Valle Leventina nach Osten. Beim Alpdorf Pontino beginnt die Singletrailabfahrt.
Der Trail ist zu Beginn schmal und etwas ausgesetzt. Im weiteren Verlauf warten anspruchsvolle Passagen mit Wurzeln und engen Kehren auf konstantem S2-Niveau. Der Trail am Lago Ritóm kombiniert kurze, aber sehr steile Anstiege mit schön zu fahrenden Flowpassagen (S1).
Länge: 27,1 km, Höhenmeter: ↑ 580 m, ↓ 1410 m
Etappe 2: Capanna Cadagno – Passo Sole (2376m) – Alpe Stabbio – Alpe Pian Segno – Centro Sci Nordico – Pianezza – Piede del Sasso – Foppa – Brüsacü Trail – Corzonesco – Biasca
Der Anstieg zum Passo Sole hat es in sich und wartet mit einigen sehr steilen Rampen auf. In der Abfahrt wartet ein langer Trail auf S1 Niveau in mit Granitblöcken gespicktem Alpgelände. Ab der Waldgrenze wird das Terrain steiler, die Schwierigkeiten steigen auf S2 an. Oberhalb des Val Blenio beginnt nun der 700 Höhenmeter Gegenanstieg nach Foppa. Zuerst über eine geteerte Strasse, dann auf geschottertem Untergrund. Am höchsten Punkt der Tour wartet der Brüsacü-Trail mit einem Mix aus technischen (S1-S2) und Flowpassagen.
Länge: 57,8 km, Höhenmeter: ↑ 1450 m, ↓ 3140 m
Übernachtung
Capanna Cadagno capannadadagno.ch,
Tel. 0918681323, info@capannacadagno.ch
Achtung! Wegen der Corona-Beschränkungen steht nicht die komplette Übernachtungskapazität der Hütte zur Verfügung. Eine Reservierung ist dringend zu empfehlen!
Weitere Übernachtungsmöglichkeiten unter
airolo.ch
Guiding
Bike-Guide Marco Steiger und sein Team bieten geführte Touren in der Region und vermieten Bikes von E-Bike bis Freerider.
Infos:
bike-port.ch
Bike-Shop
Sarcisport Olivone,
Tel. +41 91 872 14 50,
sarcisport.ch
Tour-Infos
Weitere Mountainbike Touren aller Schwierigkeitsgrade inklusive GPS-Download:
bellinzonese-altoticino.ch/mtb
Für weitere Touren im Bleniotal:
bleniobike.ch
Alle Tessin Infos für Mountainbiker:
ticino.ch/bike
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