Abfahrt oder Absturz?
Der Damm der Steinböcke
Zurück in der Schweiz
Mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft grüner, der Weg flüssiger und wir immer schneller und besser gelaunt. Ab der Furggalp ist sogar Flow pur angesagt und wir machen in fünf Minuten so viel Strecke wie zuletzt in einer ganzen Stunde. Auf der Karte sah das alles ganz einfach aus. In der Praxis hat sich der erste Teil der Tour extrem in die Länge gezogen. Wir müssen uns jetzt sogar beeilen. Denn wir haben für heute noch ein Ziel: die letzte Bahn nach Hohsaas. Also runter ins Tal, rüber nach Saas-Grund und rein in die Bahn – die uns ohne einen weiteren Schweisstropfen wieder auf 3101 Metern über dem Meer ausspuckt.
Auge in Auge mit dem Triftgletscher
Endlich einmal kann man die Bremse öffnen. Der Trail ist weitestgehend einfach zu fahren, immer wieder bieten sich imposante Blicke auf Gletscher, Berge und Tal. Wir passieren die Weissmieshütte, fahren auf einem schmalen Trail auf der Gletschermoräne. Bis wir schliesslich wieder den Lift am Kreuzboden erreichen. Hier ändert sich der Charakter: Es beginnt der neu gebaute Flowtrail, der sich wie eine grosse Murmelbahn talwärts schlängelt. Immer wieder laden kleine Tables und Kanten zum Abziehen ein. Und obwohl ich erklärtermassen kein Freund von geshapten Trails bin – das hier macht Spass, umso mehr als Kontrastprogramm zu dem mühsamen Rumpeln und Stolpern am Morgen.
Ohne Schweiss kein Preis?
Der erste Teil der Tour ist ein beschwerliches Abenteuer. Eine Herausforderung, bei der man sich jeden Tiefenmeter mühsam verdienen muss, nur um festzustellen, dass die Abfahrt fast noch beschwerlicher ist. Es ist keine Bike-Tour in dem Sinne. Sondern eher eine Alpin-Wanderung, bei der man je nach Passage vom Velo unterstützt oder behindert wird. Dafür haben wir nun aber ein grandioses, einsames Naturerlebnis im Portfolio. Ein Abenteuer, bei dem jeder flüssig gefahrene Tiefenmeter zu einem kleinen Glückserlebnis wird.
Der zweite Teil? Das ist Konsum-Biken pur. Ohne jede Anstrengung bekommt man eine tolle Abfahrt von fast 1600 Höhenmetern auf spassigen Trails geschenkt. Aber in der Kombination ist es eine Unternehmung, die einem vor Augen führt, wie vielfältig der Mountainbike-Sport doch ist. Das eine ist mehr «Mountain», das andere mehr «Biken». Und beides hat seinen Wert.
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