Scott präsentiert das neue Genius

Text: Jürg Buschor
03.11.2022
2003 gewann Thomas Frischknecht die erstmals ausgetragene Marathon-Weltmeisterschaft in Lugano. Ein Puzzle-Teilchen seines Erfolgs: Das erste Scott Genius. Pünktlich zum 20-Jahr-Jubiläum rollt jetzt das komplett überarbeitete Scott Genius auf die Trails. Wenig überraschend steht es in einer Design-Linie mit dem im letzten Jahr lancierten Bestseller Spark – maximale Integration und eine cleane Optik waren das Ziel. 
Scott präsentiert das neue Genius
Wie das Spark setzt auch das Genius im Modelljahr 2023 auf volle Integration. Mit 160 bzw. 150 mm Federweg ist es abfahrtsorientierter als sein Vorgänger.
Scott präsentiert das neue Genius
Das Original Genius aus 2003 wurde von Thomas Frischknecht mitentwickelt und trug zu seinem Erfolg bei der ersten Marathon-WM bei.
Bike Marketing Manager Julian Wagner umschreibt das so: «Wir haben die vielseitige DNA des alten Genius beibehalten und es noch leistungsfähiger gemacht. Das neue Genius ist unsere Vision davon, was ein modernes Trailbike sein sollte: Super vielseitig und in der Abfahrt noch leistungsfähiger.» Diese Aussage stützt auch die Tatsache, dass das bewährte Genius zum Jubiläum ein neues Geschwister bekommt - das Genius ST wobei ST für Supertrail steht. Es ist etwas abfahrtsorientierter ausgelegt mit 160/150 mm Federweg. Im Fokus stand bei der Entwicklung auch der neue Float X Nude Dämpfer, den Scott in Zusammenarbeit mit Fox entwickelt hat. «Ein echtes Master Piece», wie Mountainbike Senior Product Manager René Krattiger nicht ohne Stolz erklärt im Interview mit BORN.

Der Float X Nude ist der erste in Zusammenarbeit von Scott und Fox entwickelte Dämpfer mit Piggy Back. Für bestmögliche Performance bei den ST-Modellen musste allerdings der Lockout-Modus geopfert werden. «Aber die Dämpferperformance und die Art und Weise wie der Dämpfer mit der Federgabel harmoniert, sind es wert», erklärt Krattiger. Die Genius ST-Modelle kennen einen Uphill- und einen Downhill-Modus, die vom Lenker aus aktiviert werden. Die Genius-Modellserie hält am Twinlock-System fest, das drei Fahrmodi kennt: Lockout für Uphillstrecken auf Asphalt- oder Schotterstrassen, Trail mit reduziertem Federweg für die Bergfahrt auf Trails und schliesslich der Abfahrtsmodus mit voll offenem Dämpfer.
Scott präsentiert das neue Genius
Der Dämpfer ist unsichtbar und geschützt im Inneren des Rahmens untergebracht. Die Abdeckung lässt sich per Knopfdruck öffnen, so dass das Setup leicht gelingt.

Durchdachte Details

Wie schon beim Spark ist auch beim neuen Genius der Dämpfer komplett im Rahmen untergebracht. Neben der sehr aufgeräumten Optik bringt das dem Bike einen sehr tiefen Schwerpunkt und einen kompletten Schutz vor Verschmutzung. Und natürlich wird sie die Fahrerin oder den Fahrer regelmässig in die Situation bringen, sich erklären zu müssen: Nein, da drin steck definitiv kein Motor! Sorgen bezüglich Zugänglichkeit des Dämpfers können wir nach unseren ersten Praxistests sofort zerstreuen: Die Abdeckung der Rahmenöffnung ist per Knopfdruck ebenso schnell geöffnet, wie sie auch wieder verschlossen ist. Praktisch: An der Innenseite der Abdeckung sind auch gleich die Standardsettings für diverse Fahrergewichte notiert. Der Zugriff auf den Dämpfer – zur Anpassung von Luftdruck, Druck- und Zugstufe – ist sehr einfach möglich. Zur korrekten Einstellung des Sags haben sich die detailverliebten Scott-Ingenieure natürlich auch ihre Gedanken gemacht. Beim Drehpunkt der Hinterradschwinge ist hierfür eine Skala angebracht, an welcher der entsprechende Wert einfach abgelesen werden kann.
Scott präsentiert das neue Genius
Der in Kooperation zwischen Fox und Scott entwickelte Float X Nude Dämpfer trägt wesentlich zur Performance des Bikes bei.
Scott präsentiert das neue Genius
Am Drehpunkt der Hinterradschwinge ist ein SAG-Indikator untergebracht, an dem der korrekte Wert abgelesen werden kann.

Drei Rahmenmaterialien zur Auswahl

Keine Überraschungen gibt es bei den Geometriedaten. Um das Ziel eines besonders vielseitigen Trailbikes zu erreichen, haben die Scott-Ingenieure dem Rahmen in Grösse M einen Reach von 460 mm verpasst, die Kettenstreben sind 440 mm lang. Der Sitzrohrwinkel beträgt 77.1°, der Steuerrohrwinkel 64.5°, anpassbar +/- 0.6°. In der Top-Version mit HMX-Kohlefasern wiegt der Rahmen 2295 Gramm. Für etwas mehr Gewicht und bedeutend weniger Geld gibt’s die Genius-Modelle mit HMF-Karbon-Hauptrahmen und Aluminium-Hinterradwippe. Interessant ist auch der angebotene Aluminium-Rahmen, dessen Entwicklung nicht weniger Aufmerksamkeit bekam. Der aus 30 Einzelteilen bestehende Rahmen wird in nicht weniger als 25 Prozess-Schritten gefertigt und stellt eine interessante Alternative hinsichtlich Gewicht, Steifigkeit, Preis und Fahrverhalten dar.

Die ersten Fahreindrücke im Rahmen des Presse-Camps im italienischen Val d’Aosta haben gezeigt, dass Scott mit dem Genius wieder ein grosser Wurf gelungen ist. Das Bike klettert genauso gut, wie es in der Abfahrt Sicherheit vermittelt. In den kommenden Tagen tritt das neue Genius zusammen mit den weiteren Testbikes 2023 die Reise nach Finale Ligure an – dann kann es sich im direkten Vergleich mit den Mitbewerbern bewähren. Den ausführlichen Testbericht gibt es dann in der Frühlingsausgabe des Magazins BORN sowie auf dieser Website zu lesen.

Im Interview: René Krattinger

Scott präsentiert das neue Genius
René Krattinger, Senior Produkt Manager Mountainbike bei Scott.
Als die Entwicklung des neuen Scott Genius vor zweieinhalb Jahren gestartet wurde – welches waren die drei zentralen Vorgaben?

René Krattiger: Maximale Integration, ein neuer Dämpfer und die grösstmögliche Vielseitigkeit hinsichtlich des Einsatzbereichs. 

Täuscht der Eindruck oder hat ein tiefes Rahmengewicht etwas an Bedeutung verloren? 

Das ist nicht ganz korrekt - das Gewicht ist nach wie vor sehr wichtig. Aber wir kommen mit dem Rahmengewicht nicht mehr ganz dorthin, wo wir mal waren. Das hat einerseits mit den erhöhten Anforderungen unserer Teststandards zu tun, andererseits mit der Tatsache, wie heute Mountainbike gefahren wird - das erfordert steifere und robustere Rahmen. Das neue Genius wiegt allerdings nur gerade 150 Gramm mehr als das alte.
Welches waren die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung des neuen Scott Genius? 
Die grösste Herausforderung war die Einstecktiefe der absenkbaren Sattelstütze, weil Link und Dämpfer ebenfalls in den Rahmen integriert sind und der Platz entsprechend sehr eingeschränkt ist. Gleichzeitig ist das Sitzrohr 30 mm kürzer und bietet trotzdem die Möglichkeit für durchschnittlich 20 mm mehr Drop. D.h. wer bisher eine 150-mm-Sattelstütze fuhr, kann jetzt einen 170 mm Dropper Post fahren.  

Wie gross war das Entwicklungsteam?
Insgesamt etwa 15 Leute. Das ist heutzutage auch die grosse Herausforderung - all diese Team-Mitglieder zu koordinieren, vom Rahmen-Ingenieur, zum Dämpfer-Ingenieur oder Kunststofftechnologen. 

Mit welchem Zeithorizont wird ein solcher Rahmen entwickelt?
Idealerweise kann man mit einer Plattform vier bis fünf Jahre arbeiten. Selbstverständlich mit entsprechenden Anpassungen dazwischen. 

Worauf bist Du besonders stolz?
Ganz klar der Fox Float X Nude Dämpfer – das ist meiner Meinung ein echtes Master Piece. Es ist unser erster gemeinsam mit Fox entwickelter Dämpfer mit Piggy Back, dafür haben wir den Lockout-Modus geopfert. Aber die Dämpferperformance und die Art und Weise wie der Dämpfer mit der Federgabel harmoniert, sind es wert.

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