Burnout durch
zu viel Bewegung

16.10.2019

wie viel sport ist noch gesund?

«Mens sana in corpore sano» - in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Der Weg dorthin führt über regelmässige Bewegung und Sport. Wer es allerdings übertreibt, der zeigt nicht nur körperliche, sondern auch geistige Ermüdungserscheinungen wie ein Pariser Forscherteam nun herausgefunden hat.

Übertrainingssyndrom

Als Ausgangspunkt der Studie dienten die Befunde bei einigen Leistungssportlern, die das sogenannte «Übertrainingssyndrom» vermuten liessen. Dessen Kennzeichen sind unter anderem eine verminderte Leistungsfähigkeit, langanhaltende Muskelschmerzen, eine verstärkte Müdigkeit in Verbindung mit Antriebslosigkeit, häufiger Trainingsausfall aufgrund von Krankheiten, eine erhöhte Reizbarkeit und Aggressivität, ein erhöhter Ruhepuls sowie unter Umständen auch Muskelabbau und ein gestörter Appetit. Es sind die gleichen Anzeichen wie bei einem Burnout. Die Wissenschaftler gingen daher der Frage nach, ob das Übertrainingssyndrom nicht nur mit einer Überlastung des Körpers, sondern auch mit einer neurologischen Belastung einhergeht.

Sport-Wissen-Bewegung
Wer dauerhaft auf Höchstleistung getrimmt ist, provoziert einen körperlichen wie geistigen Leistungsabfall.

Die Studie

Insgesamt untersuchte das Forscherteam vom Hôpital de la Pitié-Salpêtrière in Paris 37 Leistungssportler, die entweder ihr normales Trainingspensum fortsetzten oder über einen Zeitraum von drei Wochen um 40 Prozent pro Einheit zu erhöhen. Während dieses Zeitraums wurde die Leistungsfähigkeit der Probanden ständig überprüft und ihre subjektiven Ermüdungserfahrungen alle zwei Tage anhand von Fragebögen gemessen. Hinzu kamen kognitive Tests und Untersuchungen der Hirnaktivität der Studienteilnehmer mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI).

Das Ergebnis

Bei der Auswertung ihrer Daten stellten die Forscher fest: Die Probanden, die angehalten wurden ihr Trainingspensum stark zu erhöhen und damit das Übertrainingssyndrom zu provozieren, ermüdeten nicht nur körperlich sondern auch mental. Bei den durchgeführten kognitiven Tests schnitten sie signifikant schlechter ab als die Kontrollgruppe, die ihr Trainingspensum beibehielt. Zudem konnte eine Tendenz zu impulsiven Entscheidungen nachgewiesen werden, die laut den Forschern auf eine mangelnde geistige Kontrolle schliessen lässt. Ausserdem zeichnete sich eine verminderte Aktivierung des lateralen präfrontalen Kortex ab. Dabei handelt es sich um die gleiche Hirnregion, die ermüdet, wenn Menschen übermässig geistig arbeiten. Die Hirnregion ist gleichzeitig für die kognitive Kontrolle verantwortlich.

Die Vermutung

Den Zusammenhang von übermässiger sportlicher Belastung und dem Abbau von kognitiver Kontrolle erklärten die Wissenschaftler damit, dass zum Erreichen eines Ziels neben der körperlichen Anstrengung auch ein hohes Mass an kognitiver Kontrolle nötig ist. „Man muss den automatischen Prozess steuern, der das Weitermachen ermöglicht, auch wenn Muskeln oder Gelenke schon schmerzen“, sagt Mathias Pessiglione, der an den Untersuchungen mitgewirkt hat. Kurzum: Der Kopf überstimmt den Körper zum Weitermachen. Das kostet mentale Kraft.

Die Folgen

Wer sich dauerhaft am Limit seiner körperlichen Leistungsfähigkeit bewegt, nimmt nicht nur einen Abfall seiner körperlichen, sondern auch seiner geistigen Leistungsfähigkeit in Kauf. Davon betroffen sind nicht nur Leistungssportler, sondern vor allem auch Hobbysportler, die ihrem Sport neben einer Reihe von beruflichen und privaten Verpflichtungen nachgehen. Mit ausreichend Schlaf, einer gesunden Ernährung, einem strukturierter Trainingsplan und gezielten Erholungspausen lassen sich das Übertrainingssyndrom und seine Folgen verhindern.