Serfaus-Fiss-Ladis:
Familie im Flow

31.08.2020
Was braucht man, um mit der Familie entspannte Tage auf dem Mountainbike zu verbringen?
Die richtige Ausrüstung für die Kids und die passenden Strecken für jedes Alter!
Genau das bietet der ­Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis.
Hier können Eltern und Kinder ihre Grenzen ausloten – und gemeinsam Spass haben.
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Selbst Dreijährige können auf dem Übungsparcours erste Runden drehen – und auch die Eltern bleiben in Bewegung.
«Papa, hast du das gesehen? Der Junge ist gerade von der Hütte gesprungen!» Emil hält mir das iPad unter die Nase. Mit dem Mountainbike von einem Hüttendach zu springen, das ist derzeit mit das Coolste, was sich mein siebenjähriger Sohn vorstellen kann. Der Junge im Video heisst Jackson Goldstone. Der 15-jährige Kanadier mit dem wilden Lockenkopf ist aktuell eines der grossen Idole im Kinderzimmer. «Traust du dich das auch, Papa?», fragt Emil mit scheinheiliger Miene. «Dann könnten wir doch da mal hinfahren.» Ziemlich schlau, die Argumentation pro Biketrip mit einer Mutprobe zu kombinieren. Aus dieser Nummer kommt man als Vater kaum mehr raus. Und genau diese Hütte steht im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis im Westen Tirols. So ist das Ziel des Familienwochenendes definiert.

Emil und sein kleiner Bruder Theo sind ziemlich aufgeregt, als wir in Fiss unsere Bikes aus dem Auto laden. Tief beeindruckt beobachten sie, wie die grösseren Mountainbiker mit ihren Protektoren und den locker auf dem Kopf sitzenden Fullface-Helmen ihre Downhill-Bikes in Richtung Gondel schieben. Da braucht natürlich auch der Dreijährige noch eine zusätzliche Ausrüstung. Mit Mamas Ellenbogenprotektoren über den Knien schiebt auch er sein 12-Zoll-Kinderbike lässig über den Parkplatz.


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Setup wie bei den Grossen – Christian Zangerl stellt das Fahrwerk auf «Fliegengewicht» ein.
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Airtime – auf der Kicker-Line können selbst Kids sich gefahrlos an die Sprünge herantasten.

Ein Grinsen mehr mit jeder Welle

Viele mountainbike-begeisterte Eltern mit kleinen Kindern stehen vermutlich vor ähnlichen Herausforderungen: Es ist gar nicht so einfach, einen Ort zu finden, an dem die verschiedenen Bike-Bedürfnisse zueinanderpassen. Die Mama mag Airtime, Papa schnelle Enduro-Trails, ein Kind rollt noch mit dem Laufrad, das andere kann schon mit den Eltern die ersten Trails erkunden. Das alles unter einen Hut zu bekommen ist alles andere als einfach. Bis alle zufrieden auf dem Bike sitzen, braucht es eine ausgefeilte Organisation. Und man braucht die Möglichkeit, immer wieder schnell an einen Ausgangspunkt zurückzukommen, damit abgewechselt werden kann. Bikeparks bieten dafür meist die passende Infrastruktur.

Die Jungs zieht es magisch in Richtung Pumptrack. Während Emil motiviert alleine seine Runden dreht und schon über den ein oder anderen kleinen ­Kicker springt, rollt der kleine Bruder mit Respekt hinterher – noch. Mit jeder Runde wird Theo mutiger, und fährt mit anderen Kids um die Wette. Eine kleine Wippe, eine Schanze und andere Holz­elemente trainieren Geschicklichkeit und Balance. Sicherheit und das Grinsen im Gesicht wachsen von Welle zu Welle – bis der Übermut ihn in einer staubigen Wolke einbremst. Die Protektoren haben ihren ersten Einsatz.

Die Wellenbahn ist nicht genug. Emil will nach oben – auf die richtige ­Strecke. Selbstbewusst reiht er sich mit seinem Kinder-Hardtail in der Schlange vor der Gondel ein. Die Vorfreude und die Anspannung steigen. «Schau mal Papa, da hüpfen sie vom Hausdach.» Fasziniert schaut Emil aus der Gondel. «Sieht schon ganz schön hoch aus.» Statt über das Hausdach schiessen wir durchs Weltall: Milky Way heisst unsere erste Abfahrt. Emil rollt motiviert über die blaue Brechsandpiste voraus. Anlieger folgen auf kleine Wellen, dann die erste Schanze. Diese ist so gebaut, dass sich auch Anfänger ohne Angst an die ersten Sprünge herantasten können. «Papa, schau mal, wie weit ich fliege», schreit er und zieht seinen Lenker am nächsten Absprung in die Höhe. Kurve für Kurve steigt das Selbstvertrauen. «Ich glaube, mit einem Fully könnte ich noch besser fahren», meint Emil, während er ein Gummibärchen in den Mund schiebt. Nochmal kurz die Arme ausschütteln – die Bremswellen kosten mit den kleinen Reifen ganz schön Kraft.
Anlieger, Wellen, kleine Schanzen: Statt übers Hausdach schiessen wir durchs Weltall. «Milky Way» heisst unsere erste Abfahrt. 
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Auf dem Milky Way – das Fully gibt Emil Sicherheit, und das freut auch den Papa.
Zurück an der Talstation, biegt Emil zielstrebig zum Bike-Verleih ab. «Servus, ich bin der Christian. Wer bist denn du?» Bikepark-Manager Christian Zangerl begrüsst Emil mit einem High five und holt dann ein kleines Fully hinter der Theke hervor. «Das müsste doch für dich passen.» Emils Augen strahlen. Christian stellt die Bremsen ganz nah an den Lenker. «Wie schwer bist du?», fragt er. Ein schüchternes «17 Kilo» kommt unter dem Helm hervor. Christian grinst und lässt noch einmal etwas Luft aus Federgabel und Dämpfer. Emil ist nicht zu halten: raus, eine Runde über den Pumptrack, bei der Mama noch einen Riegel und zurück geht’s zur Gondel: «Auf geht‘s Papa, noch eine Runde, jetzt gilt‘s!»

Tatsächlich verleiht das graue Bike dem Jungen Flügel – und mächtig Sicherheit. Ohne längere Pausen geht es hoch und runter. Milky Way, ­Vuelta, Morning Glory, mal eine Runde mit der Mama, mal eine mit mir. Parallel dreht der kleine Bruder auf dem Pumptrack seine Runden. Auf den Strecken sind auffallend viele Kids mit ihren Eltern unterwegs. Bei einer kleinen Pause schütteln zwei weitere Bike-Zwerge mit Fullface neben uns die Hände aus. Till und Lina, samt Vater René, lassen es schon ordentlich laufen. «Vor zwei Jahren waren wir im Brandnertal beim Wandern und haben die Biker im Park beobachtet. Das hat uns echt beeindruckt. Seitdem sind wir dabei», erzählt René. Die Familie kommt aus der Nähe von Lindau am Bodensee und mittlerweile sitzen er und seine Kids so gut wie jedes zweite Wochenende auf ihren Bikes. Richtig gut findet René, dass die Kinder «hier im Bikepark ganz leicht starten können. Zudem gibt es coole Varianten.»
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Flow mit Aussicht – der Frommestrail schlängelt sich fast zehn Kilometer ins Tal. Macht Spass, braucht aber ganz schön Schoggi-Power.

Emil bestimmt das Tempo

«Und, Emil, wie läuft’s?» In der Mittagspause treffen wir Christian wieder. «Wenn du noch Power hast, musst du unbedingt mit dem Papa auf den Frommestrail», lautet sein Tipp. «Das ist eine super Abfahrt.» Schnell ist die Curry-Wurst verputzt und das Getränk geleert. Nach ein paar knackigen Höhenmetern durchs Dorf sitzen wir in der Bergbahn zum Fisserjoch. Oben erwartet uns eine gigantische Aussicht, was Emil wie die meisten Kinder eher kalt lässt. Schliesslich wartet auch eine zehn Kilometer lange, alpine Abfahrt mit 1000 Tiefenmetern auf einem flowigen Singletrail. Unter dem Gipfelkreuz am Schönjöchl gibt es noch einmal ­einen High five und eine Extraportion Schoggi-­Power. Motiviert tritt Emil in die Pedale. Ich warte und beobachte fasziniert, wie natürlich er das Bike in die Anlieger legt, wieder antritt, die Wellen nutzt. Nichts wie hinterher. Der Siebenjährige bestimmt das Tempo, meistert auch kleinere Absätze und enge Kurven. Doch der Tag war anstrengend, die Pausen werden länger. Ein Biberli aus den Tiefen meines Rucksacks gibt noch einmal Power. Den fahrtechnisch anspruchsvolleren Teil unten lassen wir da lieber aus und rollen auf der Forststrasse zurück zum Bikepark, wo der Rest der Familie bereits etwas ungeduldig wartet.

Nach so vielen Abfahrten und Runden auf dem Pumptrack lockt uns der Pool im Garten des Hotels. Schlagartig ist die Power zurück. Die Jungs überbieten sich mit Kopfsprüngen, Arschbomben und Bauchplatschern. Doch glücklicherweise ist diese zweite Luft nur von kurzer Dauer. Bevor es für die beiden ins Bett geht, schaut mich Emil grinsend an: «Papa, das war echt cool heute. Aber du hast dich gar nicht getraut, vom Hausdach zu springen.»
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Abklatschen am Gipfel – auf uns warten flowige 1000 Tiefenmeter Abfahrt.
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Park-Kids – mit Fullface-Helm und Protektoren stehen die kleinen den grossen Downhillern in nichts nach.

Serfaus-Fiss-Ladis

ALLGEMEINE INFOS
Serfaus-Fiss-Ladis liegt in einer Höhe von rund 1400 Metern auf einem sonnigen Hochplateau, gut 500 Meter über dem Tiroler Inntal. Die Region ist vor allem für Familien geeignet. Denn neben den Bike-Möglichkeiten für die ganze Familie gibt es zahlreiche Spielplätze, Seen und den Sommer-Funpark murmli-berta.at, serfaus-fiss-ladis.at

ANREISE
Mit dem Auto: Über die Grenze nach Vorarlberg und auf der A14 nach Landeck, von dort weiter auf der B180 in Richtung Reschenpass bis zur Ausfahrt Ried im Oberinntal. Oder aus dem Rheintal über das Prättigau (mit Autoverlad Vereina) ins Unterengadin und weiter auf B180 zur Ausfahrt Ried.

BIKEPARK
Der Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis ist in Fiss an der Waldbahn. Der Park ­bietet für Anfänger und Experten neun unterschiedliche Strecken. Direkt an der Waldbahn gibt es für Kinder einen Übungsparcours und einen Pumptrack. Zudem gibt es einen Slopestyle-Bereich mit unterschiedlichen Jumplines, einer Drop-Batterie und einem Bag-Jump. Direkt an der Waldbahn gibt es einen grossen Shop mit Werkstatt und Verleihstation. info@bikepark-sfl.at, bike-sfl.at

TRAILS, TOUREN, GUIDING
Neben den Bikepark-Trails gibt es rund um Serfaus-Fiss-Ladis etliche ausgeschilderte und gebaute Singletrails in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Mit der imposanteste ist der zehn Kilometer lange Frommestrail. Neu für diese Saison ist der Jochtrail, der das Fisser Joch mit der Bergstation der Komperdell-Bahn verbindet. bikeschule@bikepark-sfl.at

ÜBERNACHTUNG
Für die Recherche übernachteten wir im Hotel Fisserhof. Das sehr familienfreundliche Hotel verfügt über einen grossen Garten mit zwei Aussenpools und Wellnessbereich. Das Hotel liegt keine 500 Meter vom Bikepark entfernt. fisserhof.com

Weitere Übernachtungsmöglichkeiten für Mountainbiker: bike-holidays.com
Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis: serfaus-fiss-ladis.at