SCOR
Neue Schweizer Bikebrand

Text: Thomas Werz
28.08.2021

Time to Play

Im Jura erblickt ganz aktuell die Mountainbike-Marke Scor das Licht der Welt. Die Entwickler, Designer und Ingenieure sind mit dem Ziel angetreten, potente und spassige Bikes für sich selbst zu bauen. «Play the Mountains» heisst ihr Motto. Voller Spannung sind wir zum Spielen nach Chamount gefahren.
Es passiert ja nicht alle Tage, dass in der Schweiz eine neue Mountainbike-Marke aus der Taufe gehoben wird. Vor einigen Monaten wurde dem Autor von einem Kollegen lediglich ein leicht verwackeltes Foto von einem Prototypen zugespielt. Mehr Infos? Bis dato Fehlanzeige. Dementsprechend gross war die Neugier im Vorfeld. Wenn dann zum Launch der Bikes ausschliesslich die Koordinaten geschickt werden, ähnelt das schon fast einer Schatzsuche. Am Zielort der Koordinaten oberhalb des Neuenburger Sees steht etwas verlassen auf einer grossen Wiese ein einsames Steinhaus mit Blick auf die zweite Jurakette . Im Jura gibt es ja etliche abgelegene Plätze, aber Scor scheint es besonders spannend machen zu wollen.

«Kompromisslos auf Spass modifiziert»

Eines vorweg: Leider können wir in diesem Text noch nicht alle Details zu den Bikes verraten. Denn offiziell wird Scor erst ab dem 8. September am Markt in Erscheinung treten. Doch ein paar Informationen zur Marke und zur Idee der Bikes konnten wir den Verantwortlichen auf der Terrasse bei Chamount schon entlocken. Einer der verantwortlichen Köpfe hinter Scor ist Mariano Schoefer. Vor mehr als drei Jahren begann der BMC-Entwickler den mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommenen Trailfox-Rahmen zu über- und bearbeiten. Eigentlich mehr als ein privates Projekt: «Das gab es doch Potenzial. Ich wollte ein Bike, das mir gefällt und das zu meinen steilen Hometrails im Jura besser passt», erzählt Mariano. Er zersägte also den BMC Trailfox Carbon-Rahmen und laminierte ihn mit längerem Reach wieder zusammen, experimentierte mit verschiedenen Lenkwinkeln, veränderte die Hinterbau-Anlenkung und die Kinematik. Mit dem Ziel, ein modernes Longtravel-Bike zu entwickeln. «Kompromisslos auf Spass modifiziert», wie er erklärt.
Das private Projekt wuchs, schnell kamen weitere Kollegen aus Design und Entwicklung mit dazu, und irgendwann gaben die Verantwortlichen bei BMC das offizielle Go, aus dem persönlichen Projekt ein neues Bike zu entwickeln. Doch mit dem eigentlichen Fokus auf Race und Performance sei man sich bei BMC schnell bewusst gewesen, dass «dieses Bike doch recht weit von dem weg ist, was wir sonst verkaufen», sagt Scor-Brandmanager Thomas Knecht.  «Create Speed» und «Play the Mountains» gehen da nicht so recht zusammen.

SCOR Neue Schweizer Bikebrand
Start als Privat-Projekt:
«Ich wollte ein Bike, das zu meinen steilen Hometrails im Jura passt», sagt der verantwortliche Ingenieur Mariano Schoefer mit einem der Prototypen - einem modifizierten BMC Trailfox.
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Prototyp mit tiefer Kinematik
In den drei Jahren Entwicklungszeit für die neue Scor Trail- und Enduro-Plattform gab es insgesamt drei Prototypen-Phasen, hier ein weites Stadium mit Lower-Link-Konstruktion und tiefem Dämpfer.

Von Alpine bis Airtime

So fiel bei BMC die Entscheidung, nicht einfach nur ein neues Bike zu bauen. Sondern dieses mit eigener Marke und einem komplett eigenständigen Design für eine andere Zielgruppe zu entwickeln. Scor war geboren. «Mehr als zwei Wochen zeichnete ich allein an der Kinematik», verrät Mariano. Über drei Prototypen-Phasen arbeitete die interdisziplinäre Gruppe aus Ingenieuren, Produktdesignern, Grafikern, Marketingmanagern und Verkäufern weiter an ihrem Baby. Von der Leidenschaft getrieben, «von Grund auf ein eigenes Bike zu bauen, das zum persönlichen Fahrstil und der Vision von Mountainbiken» passt. So viel sei verraten: Der Fokus liegt bei Scor ganz klar auf dem Fahrspass bergab. «Wir wollten ein Longtravel-Bike, mit dem man spielerisch im Bikepark Spass haben kann – und das nah an der Zielgruppe ist.» Die ist deutlich jünger als bei BMC. «Aber wir wollten nicht einfach noch ein weiteres Enduro-Racebike bauen.» Schon früh konnten sie auch den Walliser Ludo May, bis dato ebenfalls auf BMC unterwegs, als Ambassador für das neue Bike begeistern. Dieses sollte nicht nur auf den anspruchsvoll-steilen Waldtrails im Jura oder im Bikepark, sondern auch im alpinen Gelände überzeugen.

Zwei Plattformen mit 160 und 140 Millimeter Federweg

Daher wird es zwei Plattformen mit 160 und 140 Millimeter Federweg geben, die wir bereits im Jura testen konnten. Zudem sind auch zwei E-Mountainbikes im Programm. Wie die Scor-Bikes tatsächlich aussehen, wie unser erster Fahreindruck war und welche Details uns besonders beeindruckt haben, lest ihr ab dem 8. September hier auf bornmagazin.ch. Eins können wir versprechen: Wir haben ordentlich gespielt!

Foto: Scor
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Play the mountains
Scor setzt bewusst nicht auf Racing, sondern auf verspielte und spassige Bikes. «Wir wollten ein Longtravel-Bike, mit dem man spielerisch im Bikepark Spass haben kann – und das nah an der Zielgruppe ist.»

Ludo May: «Ich hab mich auf dem Bike direkt zu Hause gefühlt»

SCOR Neue Schweizer Bikebrand
Neue alte Heimat:
Bisher war der Walliser Ludo May mit BMC-Bikes unterwegs. Nun ist er eines der Gesichter des Scor-Collectives. «Im Vergleich zu meinem alten Bike gibt mir das Scor mehr Vertrauen in meinem Heimgelände», beschreibt Ludo sein neues Bike.
Neues Bike, neue Brand: Ludo, vielleicht kannst du ein paar Worte zu deiner neuen Kooperation mit Scor sagen?
Ludo May: Ja, es ist ein neues Bike und eine komplett neue Story. Mit Scor öffnet sich für mich ein neues Kapitel und eine neue Perspektive. Das neue Bike fühlt sich richtig gut an. Ich bin draufgesessen und habe mich direkt zu Hause gefühlt. Es ist verspielt, auch wenn es ein «grosses» Enduro-Bike ist. 

Was ist das perfekte Einsatzgebiet des Bikes, wo ist es deiner Meinung nach zu Hause?
Gute Frage. Ich fahre ja gern auch ein bisschen Park und hier ist es wirklich stabil und dennoch verspielt. Man kann damit richtig Bikepark-Lines shredden. Aber zu Hause im Wallis gibt es vor allem alpine Trails, enge, steile Spitzkehren und technische Sachen. Und da funktioniert es auch. Ich kann nicht genau sagen, ob es am Lenkwinkel liegt oder an der Kombi aus Geometrie und mehr Federweg. Aber im Vergleich zu meinem alten Bike gibt mir das Scor mehr Vertrauen in meinem «Heimgelände», wo es schon ganz schön steil und technisch ist.

Wie früh warst du als Ambassador in das Projekt integriert?
Vor circa drei Jahren haben Mariano und ich uns unterhalten und er gab mir die Möglichkeit, die unterschiedlichen Evolutionsstufen der Prototypen zu fahren. Ich denke, ich habe ihn ein bisschen dabei unterstützt und es freut mich, dass ich meinen Input dazugeben konnte. Aber das Bike ist komplett von ihm und seinen Kollegen. Die Zeit verfliegt und doch haben wir uns jetzt eine lange Zeit damit beschäftigt, und es war grossartig, sich mit Mariano und den anderen Ingenieuren auszutauschen. Und heute ist es super cool, hier zu sein und das finale Produkt zu sehen.

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