Südtirol
Grosses Kino – vor den Felsgiganten
der Dolomiten fühlt man sich ganz klein.
der Dolomiten fühlt man sich ganz klein.
Eine Szene, wie sie Bergfex und Bergfilmer Luis Trenker, einer der bekanntesten Söhne des Grödnertals, nicht packender hätte inszenieren können. Dramatisch. Bewegend. Mit garantiertem Gänsehaut-Effekt. Doch für Moni steht heute Abend nicht «Berge in Flammen» oder «Der Berg ruft» auf dem Programm, sondern ein feiner Singletrail-Ride runter nach St. Christina. Sozusagen als krönendes Dessert eines filmreifen Tages. «Komm’, auf der Abfahrt zeig’ ich dir noch einen meiner Lieblingsplätze», ruft Stefan und macht sich mit Freudenhüpfern über ein paar kleine Bodenwellen davon. Um einen Weg im Grödnertal zu finden, den Stefan nicht kennt, müsste man lange suchen. In seiner Jugend unternahmen er und seine Freunde aus dem Tal im Sommer fast jeden Tag mit dem Bike Streifzüge in der Umgebung von St. Christina. Heute gehören solche Exkursionen zu seinem Beruf. Der 26-Jährige ist Bikeguide und Junior-chef des Bikehotels Alpenhotel Plaza in St. Christina. Ein Stück weiter steuert er auf eine Hügelkuppe zu. Gut versteckt liegt dahinter in einer kleinen Senke die Pieralongia Hütte. Eine Alp wie aus dem Bilderbuch. «Hast du jetzt den Heidi-Film eingelegt?», meint Moni augenzwinkernd.
Weit weg vom Trubel
«Erinnerst du dich noch an den Trail heute beim Start unserer Tour?», fragt Stefan. «Der Wald oberhalb von St. Christina und St. Ulrich war in der Jugend unser Spielplatz.» Die Pfade, von denen Stefan spricht, stammen aus Zeiten, in denen noch kaum einer an Wanderwege für Touristen und schon gleich gar nicht an Mountainbike-Trails dachte. Das Leben im Grödnertal war damals noch hart, geduldiges Schnitzen von Holzfiguren für Weihnachtskrippen in den langen, kalten Wintern eine der wenigen Einnahmequellen. Das Holz dafür «schmuggelten» einige Schnitzer auf nicht ganz legale Weise vom Bergrücken Raschötz ins Tal. Dafür legten sie die schmalen Wege an, die auch heute immer noch existieren. «Ein Paradies für Biker, wenn du weisst, wo du sie findest», sagt Stefan. Denn ausgeschildert sind viele von ihnen nicht. Und vielleicht ist das ja auch gut so. Schliesslich gehören «geheime» Trails ja zum Mythos jeder guten Bikeregion.
Vor dem Frühstück gibt’s «Berge in Flammen»
Wie im Film – eine Berglandschaft,
an der man sich kaum sattsehen kann.
an der man sich kaum sattsehen kann.
SellaRonda: Klassiker mit Traumpanorama
Stunden später brauen sich schwarze Wolken zusammen. Blitze zucken. Donner grollen. Gut, dass Stefan das Unwetter hat kommen sehen und rechtzeitig eine Hütte angesteuert hat. Zeit für eine kleine Stärkung. Schlutzkrapfen oder Knödel-Tris? Draussen schüttet es wie aus Eimern. Eine gute Gelegenheit, von Stefan noch ein bisschen mehr übers Biken rund ums Grödnertal zu erfahren. Das bietet noch weit mehr als die Sellaronda. Denn viele grossartige Trails sind nicht als Bikewege markiert. «Um sie zu entdecken, lohnt es sich, mit einem Local oder einem Guide auf Tour zu gehen», meint Stefan. Er ist gerne bereit, das eine oder andere Geheimnis zu teilen. «Dafür müssen wir noch an einem schlüssigen Konzept für ein gutes, sinnvolles Netzwerk an Trails arbeiten, das auch die Interessen von Wanderern und Naturschutz berücksichtigt.» Da ist Kreativität gefragt. Aber um diese sind die Grödner mit ihrem Sinn für Kunst ja nicht verlegen. Von der Holzschnitzerei als Handwerk leben heute nur noch ganz wenige. CNC-Fräsmaschinen haben die Arbeit übernommen. Aber vielleicht wird ja Trail-Shapen zum Creative-Job der Zukunft.
Zackig: Singletrails unterm Langkofel
Top-Trails und Traumpanorama
Das Grödnertal liegt auf der Südtiroler Seite der Dolomiten, eingerahmt vom Naturpark Puez-Geisler auf der einen Seite und dem Langkofel-Massiv auf der anderen. Die Anreise per Auto erfolgt über die Brennerautobahn (A22) bis zur Ausfahrt Klausen / Gröden. Von dort auf der Staatsstrasse 20 km bis St. Christina. Die Bikesaison in den höheren Lagen beginnt im Juni, ab dann laufen auch die Lifte. Liftbetrieb im Herbst teils bis Ende Oktober /Anfang November.
TRAILS & Touren
Ob mit oder ohne Liftunterstützung – das Grödnertal bietet viele Möglichkeiten für Biketouren aller Schwierigkeitsgrade. Auf gebauten Flowtrails, alpinen Bergpfaden, Wald- und Forstwegen kommen Biker aller Couleur auf ihre Kosten. Zu den Klassikern zählt die Sellaronda: 58 km, 4000 hm, davon 330 hm bergauf mit dem Bike, der Rest mit Liftunterstützung.
Info: sellaronda-mtb.com
Weitere Touren: mtb-dolomiten.com, herotrails.com
HÜTTEN & EINKEHREN
Pieralongia Hütte (Geislergruppe), urige Alphütte, erreichbar über die Seceda Seilbahn: Tel. +39 0471 79 30 29
Rifugio Emilio Comici, vielfach ausgezeichnete Gourmet-Hütte am Fusse des Langkofels, benannt nach dem Bergsteigerpionier Emilio Comici: Tel. +390 471 79 41 21, rifugiocomici.com
Daniel Hütte, Seceda, regionale Küche: Tel. +39 335 648 26 60, seceda.cc
ÜBERNACHTUNG
Das Vier-Sterne Alpenhotel Plaza hat den Namen Bikehotel wirklich verdient. Juniorchef Stefan Schenk ist erfahrener Downhiller, ausgebildeter Bikeguide und führt zusammen mit Christof Schenk regelmässig Touren. Ein videoüberwachter Bikekeller mit Schuhtrockner gehört ebenso zum Service wie Waschplatz, Wäscheservice, Werkstatt und Infos zu Touren sowie GPS-Routen. Weitere Unterkünfte für Biker: Mountain Bike Holidays: bike-holidays.com
BIKE-VERLEIH
Bike Adolf: bikeadolf.com
Dolomiti Adventures: dolomiti-adventures.com
LIFTE
Gardena Card (nur Liftanlagen Gröden), 3 Tage 67 Euro plus 5 Euro Biketransport pro Fahrt, gardenacard.it
Dolomiti Super Summer: für alle im Sommer geöffneten Anlagen des Verbundes Dolomiti Superski, Tagespass 46 Euro, 3 Tage 107 Euro; dolomitisupersummer.com
EVENTS
Sellaronda Hero Bikemarathon: herodolomites.com
Knödeljagd Val Gardena: Spass-Rennen auf Singletrails, 7. – 9. 9. 2018, dierasenmaeher.de/knoedeljagd
ALLGEMEINE INFOS
Tourismusverein Gröden: val-gardena.net
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