roadtrip zwischen kiefern und chianti
Wenige Tage zuvor stehen wir noch etwas ratlos vor unseren beiden Campingbussen, packen die Bikes ein und statten die Fahrerkabine mit Studentenfutter und Schokolade aus – ohne einen genauen Plan, wohin die Reise gehen soll. Doch ein Roadtrip wird ja bekanntlich erst dann zum richtigen Erlebnis, wenn man sich von seinem Bauchgefühl leiten lässt und dem Weg ins Ungewisse folgt. Und genau danach steht uns – das sind Manuel Mayer, Mia Knoll, Mäx Löffler und ich – in diesem verrückten Jahr der Sinn: einfach losfahren, Sonne tanken – und zusammen ein paar entspannte Tage auf dem Bike verbringen.
Wie es der Zufall so will, sind Claudi und Roman gerade in der Toskana, um die besten Spots für ihre geplante Toskana-Reise zu erkunden. Ein Glück, dass wir flexibel sind – und uns sowieso treiben lassen wollten. Wenige Autostunden und ein paar Espressi später, treffen wir die beiden also in Piombino, der kleinen Hafenstadt in der Provinz Livorno. In den nächsten Tagen wollen wir mit ihnen die Toskana jenseits der typischen Bike-Hotspots erkunden. «Trails, an denen man keine Menschenseele trifft», hatte Roman versprochen. Schon gar nicht im Herbst und Frühling. «In der Toskana ist in der Off-Season kaum etwas los. Die wenigen Biker, die in dieser Region um diese Jahreszeit unterwegs sind, fahren meist in Punta Ala oder Massa Marittima. Die Spots, die wir suchen, scheinen auf des Bikers Landkarte kaum noch auf», verspricht uns Roman.
Als wir gerade unsere Gemüsebomben und Grillspiesse auf den Rost legen, hören wir ein lautes «Ciao Amici». «Matteo», stellt er sich vor und schüttelt uns die Hand. Offensichtlich ein Freund von Roman und Claudi, der sich zum Essen zu uns gesellt. Unter Lichterketten geniessen wir den ersten Abend und erfahren langsam mehr über den Local Matteo, dem Gründer und «Trailarchitekt» von Tuscany Bike. Tatsächlich hat Matteo früher als Architekt gearbeitet. Beim Essen erklärt er uns, warum er nun statt Häusern Trails entwirft: «Ich habe einfach irgendwann gemerkt, dass ich etwas finden muss, das mich glücklich macht, denn das Architektur-Büro war es nicht. Man verbringt schliesslich den Grossteil seines Lebens in der Arbeit. Ich wollte etwas machen, das meine Leidenschaft ist», sagt der gebürtige Toskaner. «Seit ich die Entscheidung getroffen habe, Tuscany Bike zu gründen, fühlt sich kein Tag mehr wie Arbeit an.» Seine Lebensfreude ist ansteckend und wir sind auf die Trails gespannt, die der 30-Jährige rund um seinen Heimatort geschaffen hat. Es steht ausser Frage, dass wir uns auch hier von dieser Begegnung leiten lassen und Matteos Trails in Campiglia erleben wollen.
Und tatsächlich hat Matteo nicht zu viel versprochen. Das Gebiet um Campiglia ist ein wahres Trailparadies. Rund um Campiglia Marittima, einem mittelalterlichen Dorf mit vielen kleinen Gassen, herrlichen Trattorien und gemütlichen Cafés, haben Matteo und seine beiden Shaper eine gute Hand voll Trails geschaufelt. Wir lassen den losen Erdboden in den naturbelassenen Kurven fliegen, lassen die Finger über schnelle Wurzelteppiche von der Bremse und pedalieren den 300 Höhenmeter hohen Monte Calvi wieder und wieder hoch. «Hey Leute! Ich kann nicht mehr», muss ich mir nach der vierten Runde eingestehen. Der Rest der Crew will noch einmal hoch. «Easy! Ich such inzwischen die beste Pizza der Stadt», verabschiede ich mich und werde in der Pizzeria «Il Pozzo Lungo» fündig.
ein paar entspannte Tage auf dem Bike verbringen.
Zeit, weiterzuziehen
Die moderaten 550 Höhenmeter bergauf lassen wir tags drauf dank der angenehmen Steigung sowie dem traumhaften Meerblick fast ohne Anstrengung hinter uns. Eine kühle Brise weht uns stetig um die Nase, die Stille rund um die Insel wird nur durch Vogelzwitschern durchbrochen. Während uns Roman nach der ersten Abfahrt durch den Dschungel von «Madonnina» seinen Lieblingstrail hier am Monte Argentario – den «Sentinel», auf Deutsch Wächter, – schmackhaft macht, zaubert Claudi Kekse, Nüsse und andere Leckereien für die ganze Gruppe hervor. Eine Mischung aus steilen Kehren, losem Waldboden und schnellen, flowigen Parts bringt uns zum «Vipera», der uns mit seinen verspielten Jumps und einem fotogenen «Rockface» Freudenschreie entlockt. Der Trail mündet direkt in den nächsten – und der «Parassiti» steht in seiner Charakteristik seinem Vorgänger in nichts nach. Wir sind uns einig: Diese Trailkombination ist nicht zu Unrecht Romans Favorit! Wir sind fix und fertig, glücklich und zufrieden. Und das, obwohl wir gerade mal die Hälfte der Trails am Monte Argentario gesehen haben.
Das sind die Momente, die einen Roadtrip so besonders machen. Eindrücke und Gefühle werden intensiver und Bekanntschaften besonderer.
Vom Roadtrip zum Boattrip
Am nächsten Morgen spüren wir die Höhen- und Tiefenmeter der vergangenen Tage in den Knochen. Mit frisch gebrühtem Kaffee in den Tassen sitzen wir vor den Bussen und geniessen die warmen Sonnenstahlen im Gesicht. Wie schön wäre es, zu bleiben. Und doch zieht es uns weiter. Den Vormittag verbringen wir mit Pläne schmieden, Karten- und Wetter-Apps checken. «Wollten wir nicht eigentlich nach Finale?», meint Manuel mit einem Grinsen. «Wie wäre ein Tag Kultur und ein Abstecher nach Siena», wirft Mia mit ein. Wir verstauen unsere Sachen in den Campern und packen die Bikes auf den Träger. Wir werden uns treiben lassen, Neues entdecken. Viel besser, als #vanlife auf Instagram zu teilen, ist doch, das Leben selbst zu gestalten!
und Fernseher, dafür mit tollen Menschen,
die man entlang des Weges trifft.
Bike-Roadtrip Toskana
Region
Campingplatz
podereetrusco.it/de
Off-Bike
Guiding
Matteo und andere Locals kennen die besten und schönsten Trails in der Toskana.
bucketride.de
Claudi und Roman sind beides zertifizierte Fahrtechniktrainer und Guides und bieten Techniktrainings genauso wie MTB-Reisen, beispielsweise in die Toskana, an.
Weitere Infos zum Biken in der Toskana
Karten
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