Nightride:
Tipps für die MTB-Beleuchtung

21.11.2019

LED THERE BE LIGHT!

Ein Nightride mit dem Mountainbike ist ein herrliches Vergnügen  – vorausgesetzt man hat die passende Beleuchtung. Was zeichnet leistungsfähige und helle Scheinwerfer für das Mountainbike aus? BORN klärt auf.

Text: Florian Storch
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Doppelt hält besser: Auf anspruchsvollen Abfahrten braucht es für die optimale Ausleuchtung ein Licht am Bike und eines am Helm.

Licht an. Alltag aus!

Erstrahlt der schmale Trail im Licht des hellen Scheinwerfers, haben sich die Augen an die zunächst ungewohnte Fahrsituation gewöhnt und gewinnt man an Schwung, wächst der Fahrspass mit jeder schön gesurften Kurve! Nebel, Regen und die Dämmerung geben dem Nightride gerade im Herbst und Winter eine mystisch-magische Note. Fahren in dunkler Umgebung, das heisst, sich in bekanntem Gelände neu zu orientieren und selbst vertraute Strecken neu zu erleben. 

«Eine gute Lampe steigert die Sichtbarkeit und Sicherheit des Bikers erheblich.»

Für Fahrvergnügen, auch in technischem Geläuf, braucht´s eine hochwertige Lampe, die ausreichend hell ist und den Biker rechtzeitig über Geländeabsätze oder knifflige Wurzelpassagen «informiert». Frontscheinwerfer fürs Bike in minderer Qualität sind nicht zu empfehlen, kämpfen sie doch mit hoher Hitzeentwicklung und in Konsequenz mit geringer Strahlkraft. Zusätzlich steigert eine gute Lampe die Sichtbarkeit und Sicherheit des Bikers an düsteren Herbst- und Wintertagen.

Wer des Nachts über den Trail huschen will, braucht nicht zwingend einen extrem hellen, exklusiven Scheinwerfer mit 5000 Lumen Leuchtstärke. Abhängig vom Eisatzzweck ist man bereits mit rund 1000 Lumen als Mountainbiker gut gerüstet. Nur wer gern regelmässig anspruchsvolles Gelände befährt, profitiert auf düsteren, schwer einsehbaren Waldpassagen von enorm hellen Lampen.
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Mit der richtigen Beleuchtung wird der Nightride zum Erlebnis.

Lichtverteilung

Wichtiger jedoch als maximale Helligkeit: die ausgewogene Lichtverteilung und ein augenfreundliches Lichtbild im Nah- und Fernbereich. Dieses wird durch das Design der Reflektoren im Lampenkopf erzielt. «Qualitätshersteller designen ihre eigenen Reflektoren und verwenden keine Stangenware. So erreichen sie exakt das gewünschte Lichtbild für den geplanten Einsatzzweck», erklärt Geri Bugmann, dessen Rasant GmbH in der Schweiz die Lampen von NiteRider vertreibt. So kommt beispielsweise die NiteRider Pro mit einem LED-Doppelscheinwerfer. «Ein Reflektor ist für die Tiefe konstruiert, der andere für das nahe Umfeld.» Bei einem Mono-Scheinwerfer müsse der Hersteller dagegen entscheiden, welcher Bereich besser ausgeleuchtet werden soll.

«Im Fernbereich profitiert man weniger vom extra breit streuenden Lichtfeld, sondern einem hellen Lichtspot für bessere Tiefenwirkung. An dem orientierst du dich leicht auf dem Trail, fährst so sicherer.»

«Ziel ist ein homogen ausgeleuchtetes Lichtfeld im Nahbereich, das nicht durch harte seitliche Blickkanten auffällt, die den unangenehmen Tunnelblick fördern, fürs menschliche Auge unangenehm sind und dem Gehirn die Erfassung des Geländes erschweren», erklärt zudem Lichtexperte Markus Hanselmann, der mit seiner Unternehmung BF Trading Importeur der Light & Motion-Bikelampen ist.
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Damit die nächtliche Ausfahrt nicht zur Geisterstunde wird, braucht es eine ordentliche Beleuchtung.

Lumen und Akkulaufzeit

Wichtig beim Kauf ist also nicht allein die maximale Lumen-Anzahl: Denn was draufsteht, ist nicht immer drin. «Oder nicht für lange, weil die deklarierte Lichtmenge bei ganz vielen Lampen bestenfalls zum Zeitpunkt des Einschaltens geliefert wird, aber schon kurz danach abfällt», sagt Geri Bugmann. Qualitativ hochwertige Lampen dagegen regulieren die Lichtmenge über ihre interne Software, um über die gesamte Akku-Laufzeit mehr oder weniger dieselbe Lichtmenge emittieren zu können. Sehr sinnvoll sei es, laut Bugmann, «die hellste Lichtstufe über eine Tastenkombi zu sichern, denn die vollen 1200 Lumen braucht es nur auf schnelleren Abfahrten».

Wärmemanagement

Aktuelle Frontscheinwerfer nutzen oft ein Alu-Lampengehäuse, das die Technik im Inneren schützt, etwa vor tiefhängendem Astwerk oder bei Stürzen. Ein Lampengehäuse aus Metall mit eingebrachten Kühlrippen oder aus Verbundwerkstoff ermöglicht zudem ein gutes Temperaturmanagement.

Bei intensivem Betrieb wird selbst eine hochwertige LED-Lampe heiss, was bei langen Nightrides, an milden Sommerabenden oder bei geringem Fahrtwind ein effektives Temperatur-Management erfordert. «Damit ein gutes Wärmemanagement gewährleistet ist, setzen Qualitätshersteller hier auf eine Konstruktion, bei der die LED-Platine möglichst direkten Kontakt zu einem grossen Kühlkörper hat. An dieser Kontaktfläche unterstützt Wärmeleitpaste die Wärmeabgabe und Kühlung der Lampe», erklärt Lampenexperte Hanselmann.
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Sehen und gesehen werden: Eine gute Lampe ist deshalb beim Mountainbiken in der Dunkelheit unerlässlich.

Kühlung

Doch nur allein die Kühlung durch Luft oder Kühlrippen reicht meist nicht aus. «Damit die LEDs keinen Defekt erleiden, benötigen sie zudem eine gute Wärme-­Sensorik», sagt Bugmann. Überhitzen die Lampen in einer hohen Leuchtstufe, regeln die Modelle die Helligkeit kontrolliert herunter, was die Betriebstemperatur senkt und so die Leuchtperformance und Lebensdauer des Scheinwerfers erhöht. Gute Modelle kosten auch deshalb mehr. Je besser die Kühlung der Lampe, desto weniger Leistungsverluste infolge erhöhter Umwandlung der Lichtleistung in Wärme treten auf.

«Eine hochwertige LED-Lampe ist ein kleines Wunderwerk der Technik.»

Potente Lithium-Ionen-Akkus liefern die Energie für helle LED-Lampen. «Vielleicht gibt es hier in zehn Jahren mit einer ganz anderen Akkutechnik einen weiteren Entwicklungssprung, aber aktuell sind Akku- und LED-Technik weitgehend ausgereizt», sagt Hanselmann.

Das gilt es bei Lithium-Ionen-Akkus zu beachten

Neben ihrer Leistungsfähigkeit, die den Betrieb des Frontlichts in den höheren Leuchtstufen für mehr als eine Stunde ermöglicht, bauen moderne Akkus kompakt und sind zudem umweltfreundlich. Etwa 500 bis 1000 Ladezyklen erlaubt ein Li-Ionen-Akku. Vorausgesetzt, man berücksichtigt die grundsätzliche Akkupflege, die dem Akku einer High-End-Lampe ein langes Leben beschert.

Auch wenn sich gute Akkus jährlich nur zu zehn Prozent selbst entladen, sollten sie selbst bei langer Nichtnutzung der Lampe ab und an geladen werden. «Ungünstig für den Akku ist, wenn er vor der längeren Nichtnutzung leer ist. Dann droht er den Tiefentladetod zu sterben, womit seine Ladekapazität völlig verloren gehen kann. Bleibt der Akku für lange Zeit ungenutzt, sollte er vorher noch zu 2/3 geladen sein», so Hanselmann.
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Auch der beste Biker ist im Wald und in der Nacht nur Gast. Es gilt die Geschwindigkeit an die Lichtverhältnisse und die Umgebung anzupassen.

Lenker- oder Helmmontage?

Wo man seine Lampe letztlich montiert, ist eine Geschmacksfrage. Denn beide Montagelösungen funktionieren gut, versorgen den Biker zuverlässig mit Licht. Sportiven Fahrern, die mit einer hellen Top-Lampe so schnell unterwegs sein wollen wie bei Tag, empfiehlt sich die Montage des Lichts am Helm. Der Vorteil: Der Lichtkegel folgt exakt und ohne Zeitverzögerung der Kopf- und Körperbewegung und der Trail wird genau dort punktgenau ins Licht getaucht, wo sich der Fahrer hinorientiert. Für die unkompliziertere Lenkermontage spricht dagegen, dass der Biker nicht mit einem womöglich lästigen Akku­kabel hantiert, das von der Helmlampe bis zum Akku im Rucksack reicht.

«Für den harten Einsatz auf schwierigen Nightrides lautet die perfekte Kombination: Licht mal zwei – also am Helm und am Lenker.»

«Die schwerere Lampe gehört dann an den Lenker, die kleinere auf den Helm», sagt Geri Bugmann. Neben dem geringeren Gewicht auf dem Kopf hat das einen weiteren Vorteil: Bei Schneefall oder Regen werde das Licht der helleren Lampe nicht direkt vor den Augen reflektiert. Bei der Montage der Lampe am Lenker sei zudem wichtig, diese mittig zu montieren. Selbst wenn die Helmlampe weniger Power hat, «reicht das Licht locker für langsamere Auffahrten. Und auf der Abfahrt leuchtet man wieder parallel das Blickfeld aus», erklärt Bugmann.

Umsicht und Vorsicht

Trotz der üppigen Portion Fahrspass eines Nightrides: Als Biker ist man im Wald auch in der Nacht nur Gast, womit zur defensiven Fahrweise und dem überlegten Gebrauch der hellsten Leuchtstufen zu raten ist, um weder Tiere noch andere Sportler unnötig zu erschrecken. Andernfalls wird man schnell zum Störenfried.